Eisenerzbergbau
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Bergbau und Hammerwesen
in Auerbach

Mit gutem Recht darf Auerbach, an der Bayerischen Eisenstraße und am Erzweg gelegen, auch heute noch den Beinamen Bergstadt tragen, obwohl der Bergbau bereits seit einigen Jahren (1987) zu Ende ist: über Jahrhunderte wurde in dieser Gegend Eisenerz abgebaut, in Hammerwerken verarbeitet und mit den Produkten Handel getrieben.

Der Churchit ((Y,Er,La)[PO4]·2H2O,
früher Weinschenkit genannt),
ein nur an wenigen Stellen
der Erde anzutreffendes Mineral,
wurde auch in der Grube Leonie
in Auerbach gefunden.
Sammler kamen deshalb
von weit her,
um das seltene Gestein
zu sehen oder gar zu erwerben.

(Foto aus der Mineraliensammlung von W. Bäumler aus Weidenberg; siehe auch Mineralienkabinett)

Die Schachtanlage Leonie
Auch das letzte noch fördernde Eisenerzbergwerk der Bundesrepublik, die der Maxhütte gehörende Grube Leonie, war in Auerbach beheimatet. Schon von weitem waren die moderne Schachthalle und der Förderturm mit dem Mischbett zu sehen.

Das Abteufen des Schachtes begann am 13. August 1970, die Förderung von Eisenerz am 10. Oktober 1977. 1982 z.B. waren es 580.000 Tonnen, was bei einer Belegschaft von etwa 350 Personen einer Förderung von fast 12 Tonnen pro Mann und Schicht entsprach.
Der Erzabbau wurde am 11. Mai 1987 eingestellt.


Schachtanlage Leonie aus der Vogelperspektive
(1985, Archiv Köferl)

In beinahe 200 (genau waren es 185) Meter Tiefe oder wie der Bergmann sagt „Teufe“ brachte ein Förderkorb Tag und Nacht die Kumpel, wie die Bergleute heißen, in ca. 50 Sekunden nach unten und das kostbare Eisenerz nach oben, wo es zuerst zur Mischbettanlage kam.

Von der Mischbettanlage wurde das Eisenerz mit Lastkraftwagen zur Verhüttung nach Sulzbach-Rosenberg transportiert.

Damit die LKWs den Schmutz nicht auf die öffentlichen Straßen trugen, mussten sie vor Verlassen des Werksgeländes durch diese Waschanlage fahren.

Die Grube Leonie war das letzte Kind des Auerbacher Erzbergbaues, denn als die Maxhütte am Gründonnerstag (16. April) 1987 Konkurs anmeldete, bedeutete dies das zumindest vorläufige Ende des Eisenerzabbaus und die Schließung des Schachtes am 11. Mai desselben Jahres. Eine jahrhundertealte Tradition in Auerbach und seiner Umgebung ging damit zu Ende.
Dabei konnte die Grube Leonie in den knapp 10 Jahren Förderung (Oktober 1977 bis Mai 1987) eine stolze Bilanz aufweisen: 

den 108 Millionen DM Kosten für die Erschließung standen 204 Millionen DM Ertrag für die Gewinnung von rund 5,2 Millionen Tonnen Eisenerz  gegenüber - mindestens weitere ca. 14 Millionen Tonnen des Bodenschatzes standen noch zur Verfügung.

Der Förderturm steht noch, die Grube wurde verfüllt, und auf dem ehemaligen Maxhüttengelände bieten heute verschiedene Betriebe Arbeitsplätze an.
Aus dem ehemaligen über 60 ha großen Grubenfeld, das durch den Untertage-Erzabbau zumindest teilweise zu einem Bruchfeld mit tiefen, wassergefüllten Einbruchtrichtern wurde, ist im Mai 1996 das weiträumige Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie" geworden.  Durch Hinzunahme weiterer Flächen umfasst dieses NSG immerhin ca. 87 ha .

Als besondere Attraktion setzte der Landesbund für Vogelschutz als Eigentümer des gesamten Geländes im Jahre 2001 eine Herde Heckrinder ein. Diese sind eine Rückzüchtung des im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Auerochsen oder Ur, nach dem die Stadt Auerbach ihren Namen hat.
Im gleichen Jahr (2001) wurde der Tierbestand durch mehrere sehr seltene
Przewalski-Pferde ergänzt, die sich dort offensichtlich ebenso wohlfühlten wie die Auerochsen; aus bisher nicht ganz geklärten Gründen verschwanden einige dieser wertvollen Tiere, so dass der Münchner Tierpark Hellabrunn als Eigentümer die Pferde im Frühjahr 2004 wieder zurücknahm. Seit Frühjahr 2006 leben nun drei Exemplare der seltenen Exmoor-Ponys im Auerbacher Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie".
Doch blicken wir nun zurück in die reiche Geschichte des Auerbacher Eisenerzbergbaus.

Die ältesten Zeugnisse
Große Anziehungskraft übte sicher schon sehr früh das in und um Auerbach anzutreffende, in der Kreidezeit entstandene Eisenerz aus. Auch wenn größere Ansiedlungen bisher nicht nachgewiesen werden konnten, lebten doch schon lange bevor Auerbach in die geschriebene Geschichte eintrat zumindest vereinzelt Menschen in dieser Gegend, wie Funde aus verschiedenen Epochen beweisen: aus der Mittleren (8000-4000 v. Chr.) und der Jüngeren Steinzeit (4000-1800 v. Chr.) bei Weidlwang und Ranna; aus der Bronzezeit (1800-1200 v. Chr.), aus der Urnenfelderzeit (1200-750 v. Chr.) und aus der Eisenzeit (800 v. Chr. bis Christi Geburt) am Maximiliansfelsen im sog. Birkenschlag, wo wohl ein Kultplatz war, der vielleicht jahrtausendelang von unseren Vorfahren als vorchristliche Opferstätte genützt wurde.
Aus der Eisenzeit mit ihren verschiedenen Unterteilungen (ältere Eisenzeit oder Hallstattzeit 800-450 v. Chr. und Jüngere Eisenzeit oder Latenézeit, auch Keltenzeit genannt, 450 v. Chr. bis Christi Geburt) wurden mehrere Grabhügelfelder von Laien angegraben und z. T. regelrecht geplündert: 9 Grabhügel in der Flur Reut im Oberen Wellucker Wald (nordöstlich von Sackdilling, heute im Truppenübungsplatz liegend), 5 Grabhügel in der Flur Weißer Brunnen über dem Ohrental (südöstlich von Lehnershof) und über 30 Grabhügel auf der Bloa und im Seideloheholz (östlich von Ortlesbrunn).
Johannes Neubig schrieb wohl mit Recht über die Entstehung der Stadt: „Bergleute gruben daselbst Auerbach aus und Schmiede hämmerten den kleinen Anfang zur festen Dauer des Fortbestehens.“ (Johannes Neubig, Auerbach, die ehemalige Kreis- und Landgerichtsstadt in der Oberpfalz, 1836, S. 4)
Auch der Name des Ortsteiles Welluck, in dessen unmittelbarer Nähe die weiter unten aufgeführte Grube Maffei stand, weist deutlich auf Eisenverarbeitung hin: „wellen“ bedeutet soviel wie „wallen machen, kochen machen, sieden“, eben „Eisen schmelzen“, und „luck“ kennen wir noch in der Mundartform „Luch“ für „Loch“; so war also „Welluck“ wohl ein Ort, wo ein „Schmelzloch“ für die Eisengewinnung stand.

Schriftliche Belege
Schon in den Salbüchern der Jahre 1275 und 1326 wird von „Feuern“ in und um Auerbach gesprochen. In einem Flurstück, genannt „In der alten Welluck“ (am Gottvaterberg gegenüber den Maffei-Türmen) wurde lt. einer Urkunde 1520 ein neues Bergwerk eröffnet. Dessen Erz wurde vielleicht in einem Hammer im nahen Nitzlbuch verarbeitet; nach Aussagen des bereits verstorbenen Besitzers von Haus Nr. 14 stieß man bei Arbeiten auf diesem Anwesen um 1950 auf große Schlackenmengen, die man verkaufte und zum Straßenbau verwendete.
Im Salbuch von 1326 wird ein „malleum Pognarii“, ein Hammer des Pogner, aufgeführt, der sicher im Bereich der heutigen Bognersiedlung stand, da man in diesem Gebiet auch jetzt noch bei Erdarbeiten auf Sinterhaufen stößt. Aus dem 15. und 16. Jahrhundert wird auch von Erzgruben berichtet, die bei heute im Truppenübungsplatz Grafenwöhr liegenden Orten wie Pappenberg, Hopfenohe und Ebersberg angelegt waren.

Die Maxhütte kommt
Am 26. August 1857 genehmigte die „KgI. Generalbergwerks- und Salinenadministration München“ die Belehnung des Hofrates Dr. Friedrich von Kersdorf in Augsburg und des Rentiers Oliver Goffard in München mit dem Grubenfeld Leonie (Richtung Dornbach). Der Name Leonie, den ja auch die oben genannte letzte Grube und das heutige Naturschutzgebiet tragen, stammt wohl von der Schwester des Kersdorf, die Leonore (Koseform Leonie) hieß.

Die erste Grube der Maxhütte, Leonie I genannt, befand sich in der Nähe des "Alter Schacht" genannten Wasserlochs an der Straße nach Dornbach. Gefördert wurde von 1882 bis 1921.

Nach einem Umweg über die Firma Klett und Comp. (Besitzer Theodor von Cramer-Klett, der Begründer der MAN) kam Leonie am 14. Dezember 1878 an die „Maximilianshütte“, die bald für eine Aufwärtsentwicklung des Bergbaues im Auerbacher Raum sorgte. So wurde eine Drahtseilbahn von der Grube Leonie zum Bahnhof nach Ranna errichtet, die das Erz dorthin 1883-1903 beförderte; einzelne Fundamentteile davon sind z. B. im Bürgerwald zu finden. Von Ranna aus erfolgte der Weitertransport nach Sulzbach-Rosenberg zum Hochofen mit der Bahn; die Bahnlinie Nürnberg-Bayreuth war 1867-77 gebaut worden. Beim heutigen Gasthof Hohe Tanne stand eine Dampfmaschine, die den Antrieb besorgte.
Von 1903 bis zum April 1970 wurde das Erz knapp sieben Jahrzehnte auf der nicht zuletzt wegen des Erztransports gebauten Lokalbahnstrecke von Auerbach nach Ranna gefahren.

Dabei wurde das Eisenerz zunächst vom Förderschacht  Maffei mittels einer Drahtseilbahn (Foto oben) über den Gottvaterberg zu der links  abgebildeten Verladestation (heutige Tennisplätze neben dem Lagerhaus in der Dornbacher Straße)  transportiert und dort auf Eisenbahnwaggons umgeladen.

Ab dem Frühjahr 1970 bis zum Schluss des Eisenerzabbaus beförderten werkseigene LKWs den Bodenschatz von der Verladestelle neben dem Förderschacht über die B 85 direkt zum Hochofen nach Sulzbach-Rosenberg, wo der Bergbau schon ein Jahrzehnt früher (1977) als in Auerbach (1987) eingestellt wurde.

Die Maffeischächte
Da man zur Verhüttung in Rosenberg mehr Erz benötigte, erfolgte am 22. August 1900 der 1. Spatenstich für die geplante Doppelschachtanlage Leonie II an der Straße nach Dornbach nordöstlich der sog. Schwanenwirtskapelle. Ein gewaltiger Schwimmsandeinbruch brachte  dieses Projekt schon 1904 zum Erliegen; im Volksmund spricht man von den Millionenschächten.
Parallel zu Leonie II wurde in weiser Voraussicht bereits in den Jahren 1901-1903 am Fuße des Gottvaterberges in der Flur „In der alten Welluck“ der Schacht Minister Falk auf 60 Meter abgeteuft. Unmittelbar hinter den ehemaligen Steigerhäusern kann man heute an dieser Stelle noch ein Gebäude sehen, das viele Jahre lang zur Wasserversorgung verwendet wurde.
Beim Abteufen von Minister Falk kam man zur Erkenntnis, dass infolge einer tektonischen Verschiebung südwestlich davon tiefer noch größere Erzvorkommen lagern müssten. Deshalb begann 1904 die Errichtung der Doppelschachtanlage Maffei I und II, benannt nach Dr. Hugo Ritter von Maffei, der 1882-1921 Aufsichtsratsvorsitzender der Maxhütte war. Aus dieser Grube, die eine tiefste Stelle von 141 Metern hatte, wurden bis zur Stillegung am 29. Juli 1978 ca. 16 Millionen Tonnen Erz (überwiegend Braunerz und Weißerz) gefördert, was Maffei zum bedeutendsten Einzel-Erzbergwerk im bayerischen Raum werden ließ.

Neben dem "normalen" Eisenerz kamen auch immer wieder besonders schöne Stücke zum Vorschein. Viele ehemalige Bergleute und andere Auerbacher haben sich davon kleine Sammlungen angelegt.
Eines dieser besonderen Exemplare aus der Grube Maffei befindet sich seit Oktober 2007 im Rathaus der polnischen Stadt Oświęcim (Auschwitz) und wird dort in den entstehenden Gedenk- und Versöhnungshügel integriert werden.

Auch die Erzbrocken des Eisenerzaltars (siehe weiter unten) in der  Pfarrkirche St. Johannes der Täufer stammen aus dem Auerbacher Bergwerk.

Bergbaumuseum Maffeischächte

Während die Schächte selber mit Kalksteinschotter verfüllt wurden, erinnern die ehemaligen Fördertürme und Teile der Schachtanlage als Bergbaumuseum an den untergegangenen Eisenerzbergbau. Hier werden u. a. verschiedene Abbaumaschinen und bergmännische Gerätschaften (Geleucht usw.) gezeigt.
Unmittelbar neben den Maffeitürmen (rechts vorne) steht  das Schützenheim von "Unter Uns" Nitzlbuch.

Auf dem stillgelegten
Bergwerksgelände
haben ehemalige Bergleute
einen Stollen errichtet,
der sogar von einer
alten Grubenbahn
befahren wird.

Der sehr rührige Förderverein "Maffeispiele Auerbach e.V." ist Träger des Museums. Zur Erinnerung an den Bergbau in Auerbach organisiert er mittlerweile jährlich im Sommer die "Maffeispiele" und im Dezember eine Bergweihnacht. Für das Jahr 2009 mussten wegen dringend notwendiger Baumaßnahmen beide Veranstaltungen abgesagt werden. (Brief des Vorsitzenden, Bericht srz)
Die nächste Bergwerksweihnacht auf Maffei ist für den 4. und 5. Dezember 2010 geplant.

Förderverein "Maffeispiele Auerbach e.V." 
Telefon: 09643/2049573   Telefax: 09643/91168   Email

Näheres über den Bergbau erfährt man hier, eine Erklärung bergbautechnischer Begriffe hier.

Die Kolonie
Angesichts des raschen Aufschwungs durch die Maffei-Schächte und veranlasst durch die Sorgen und Nöte der Arbeiter errichtete die Maxhütte in den Jahren 1906-1911 für ihre Belegschaftaftsmitglieder insgesamt 17 Wohnhäuser mit damals jeweils sechs Wohneinheiten.

Bis zum Jahre 1975 trugen sie die Anschrift Kolonie, seither Maffei-Straße.

Überwiegend Werksangehörige haben die Häuser inzwischen käuflich erworben und größtenteils den heutigen Bedürfnissen entsprechend auch umgebaut und modernisiert; dadurch allerdings ging das charakteristische Aussehen der Auerbacher Bergarbeitersiedlung verloren.

Das schmucke Wohnhaus für den Betriebsleiter der Grube wurde ebenfalls 1906 im unmittelbaren Anschluss an die Bergarbeiterhäuser errichtet und gehört nun der Familie von  Bergassessor Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Johannes Pfeufer (+ 14.6.2006), der von  1967 bis zum bitteren Ende den Gruben Maffei und Leonie in Auerbach vorstand.

Die Bergknappen und ihre Schutzpatronin
Aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht wegzudenken ist der Bergknappenverein, einer der ältesten (gegründet 1890) und größten Vereine Auerbachs. Bei Beerdigungen von Bergleuten, bei kirchlichen und weltlichen Festen ziehen die Männer in ihren schicken und traditionellen Uniformen, angeführt von der weithin bekannten Bergknappenkapelle, durch die Straßen der Stadt. Das Hauptfest der Bergleute ist jährlich die Barbarafeier. Seit 1860 wird das dem 4. Dezember am nächsten liegende Wochenende in Auerbach festlich begangen. Dabei wird natürlich auch das Steigerlied gesungen.
Die hl. Barbara ist bekanntlich die Patronin der Bergleute. Es ist daher nicht verwunderlich, dass an vielen Stellen der ganzen Umgebung diese Heilige besonders verehrt wird. So weihte am 30. Oktober 1384 der Bamberger Bischof Heinrich die Spitalkirche in der Unteren Vorstadt zu Ehren der hl. 14 Nothelfer, insbesondere der hl. Katharina und Barbara. Von letzterer wurde lt. Weiheurkunde als Reliquie ein Knochenteil im Altar versenkt. Dieses in seiner wesentlichen Bausubstanz noch im ursprünglichen Zustand erhaltene Kirchlein ist wohl das älteste christliche Heiligtum der Gegend. Die Barbarastatue auf dem Hauptaltar stammt wie der größte Teil der Inneneinrichtung aus der Zeit um 1735-42 und wurde wahrscheinlich vom Auerbacher Bildhauer Johann Michael Doser angefertigt. Die Kirche und das dazugehörende Bürgerspital (heute ein modernes Altenwohnheim) sind eine Stiftung reicher Auerbacher Bürger aus dem 14. Jahrhundert, der Blütezeit der Stadt, die nicht zuletzt auf den Erzbergbau und den Eisenhandel zurückzuführen ist.
Eine sehr schöne Barbarastatue befindet sich auch in der Michelfelder Asamkirche (Patron St. Johannes der Evangelist) an der rechten Seitenwand des St.-Otto-Altares, gleich hinter dem herrlichen schmiedeeisernen Gitter, welches sicher von Hammerschmieden der Umgebung stammt. Diese Barbara ließ Abt Rinswerger (1707-21) durch Egid Asam anfertigen, während sein Bruder Cosmas Damian Asam die Fresken und das Hochaltarbild schuf.
In der Auerbacher Pfarrkirche (Patron St. Johannes der Täufer) zeugen gleich zwei Barbarastatuen von der großen Verehrung für die Heilige. Die eine davon, fast lebensgroß, steht am hinteren rechten Langhauspfeiler und stammt ebenso wie der Aufbau des Barbaraaltares links von J. M. Doser um 1730. Die Figur auf diesem Altar ist älteren Ursprungs, nämlich eine hervorragende Arbeit aus dem 15. Jahrhundert. Sie stand schon auf dem Barbaraaltar, auf welchem lt. Urkunde vom 18. Mai 1435 der Prediger dreimal in der Woche eine Messe lesen sollte.
Eine sehr schöne, von einem zeitgenössischen Künstler gefertigte Barbarastatue ist in der Knappenstube des Hotels Goldner Löwe zu sehen; dieser Raum erinnert wegen seines Ausbaus mit Eisenerzbrocken stark an den Untertagebau und ist auch deshalb sehenswert.

Auf dem Auerbacher Friedhof am Eingang bei der Kirche hat diese neuzeitliche Barbarastatue ihren neuen Platz gefunden, nachdem sie vorher im Verwaltungsgebäude des Bergwerks aufgestellt war.
Seit 1951 hängt eine Barbaraglocke im Auerbacher Kirchturm und erinnert durch ihr Läuten ebenfalls an die hiesige Bergbautradition. Weitere Zeugnisse für die große Verehrung der Schutzpatronin der Bergleute findet man darüber hinaus in vielen Orten der Umgebung, und auch ehemalige Bergleute besitzen solche. In diesem Zusammenhang sei auch auf den Barbaraberg bei Speinshart verwiesen.

Die Stromer in Auerbach
Wegen des Erzes und des Eisens hatten angesehene Nürnberger Patriziergeschlechter im „Ruhrgebiet des Mittelalters“, wie die Oberpfalz zeitweilig bezeichnet wurde, und somit auch in Auerbach Wohnsitze. Der bekannteste Name ist hier Stromer oder Stromeier, erstmals nachgewiesen im Neuböhmischen Salbüchlein von 1366-68.
Ein Ebberl Stromer ist der erste namentlich bekannte Besitzer des Anwesens Unterer Markt 4 und damit auch des sehr interessanten, in den letzten Jahren leider zum Großteil abgerissenen Rückgebäudes, dessen Überreste man von der Apothekergasse aus noch sehen kann. Dieses wohl älteste zumindest teilweise noch erhaltene Gebäude der Stadt wurde um 1200, wie sollte es auch anders sein, mit eisenhaltigen Bruchsteinen erbaut. Ein Blick auf eine Lageskizze Auerbachs zeigt, dass dieser so genannte „Stadel“ als Burg des Stadtherrn außerhalb des ursprünglichen kreisähnlichen Stadtkerns stand; eine für Städte und Märkte der damaligen Zeit normale und häufiger anzutreffende Bauweise.
Auerbach war ja 1144 auf eine etwas eigenartige Weise Markt geworden: die Mönche des 1119 gegründeten Benediktinerklosters Michelfeld fühlten sich in ihrer Ruhe gestört und verlegten das Markttreiben deshalb in das nahe gelegene Dorf Urbach, auf welches bald darauf auch das Marktrecht von Hopfenohe, einem bei der Truppenübungsplatzerweiterung 1937/38 aufgelösten Ort, übertragen wurde.
Die, man kann ruhig sagen, romanische Burg in Auerbach war bis 1620 im unmittelbaren Besitz der Stromer, denen u. a. auch die Hämmer in Steinamwasser, Rauhenstein und Fischstein neben vielen anderen Gütern gehörten. Im historischen Sitzungssaal des Rathauses findet man an der Nordseite das Wappen der Stromer.

Der bekannteste Spross
des Auerbacher Zweiges
ist sicher Dr. Heinrich Stromer.
An ihn erinnern hier
in seiner Geburtsstadt Auerbach
eine schlichte Gedenktafel
am Haus Nr. 10 am Oberen Marktplatz,
die Dr.-Heinrich-Stromer-Straße
und die 1989 vom Rotary-Club
gestiftete Büste am Aufgang
vom Marktplatz zur Pfarrkirche.
(Bild von 1527)

Heinrich Stromer war Rektor der Universität Leipzig und eröffnete in jener sächsischen Stadt 1532 das Weinlokal Auerbach's Keller, welches durch Goethes Faust I (Verse 2073-2336} in die Weltliteratur Eingang gefunden hat.

Eisenerzaltar in der Auerbacher Pfarrkirche
Aus unseren Tagen sollen künftige Generationen an den ehemaligen Bergbau in Auerbach u. a. durch Namen wie Bergknappenstraße, Glückaufstraße oder SC Glückauf erinnert werden.
Ein anderes, ganz besonderes Denkmal an exponierter Stelle ist der Eisenerzaltar in der Auerbacher Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer.

„Das weltweit einmalige Kunstwerk
erinnert an den Bergbau,
der den Menschen hier
etwa 1.000 Jahre lang
den Lebensunterhalt sicherte.
... Der Altar krönt
die Geschichte der Bergleute
und hebt ihre gläubige Verbundenheit
mit der Kirche hervor.“
(St. Heinrichsblatt Nr. 4 1993, Bamberg)

Dieser Altar steht im Chorraum der Auerbacher Pfarrkirche und wurde am 17. Januar 1993 vom damaligen Bamberger Erzbischof Elmar Maria Kredel (1977-94) konsekriert. Er enthält aus der Grube Leonie gefördertes Eisenerz in verschiedenen Formen: an der Unterseite der Tischplatte kann man die Erzbrocken praktisch unbehandelt sehen, im Altarfuß und am Ambo sind sie geschnitten und glatt, und auf der Oberseite des Altartisches geschliffen und poliert.

Selbstverständlich gibt es in Auerbach und seinen Ortsteilen noch weitere Zeugnisse für den Bergbau und die Eisenverarbeitung in alter und neuer Zeit, und der aufmerksame Sucher wird sicher auch einige davon erfreut entdecken.
Wer mehr über die Oberpfälzer Montangeschichte erfahren und vor allem erleben möchte, dem sei eine Wanderung auf historischen Wegen empfohlen.
(Bergmännische Links)

Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 7. Oktober 2009

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