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| | Bergbau und Hammerwesen
in Auerbach
Mit gutem Recht darf Auerbach, an der
Bayerischen Eisenstraße
und am Erzweg gelegen, auch heute
noch den Beinamen Bergstadt tragen, obwohl der Bergbau bereits seit einigen
Jahren (1987) zu Ende ist: über Jahrhunderte wurde in dieser
Gegend Eisenerz abgebaut, in Hammerwerken verarbeitet und mit den Produkten
Handel getrieben.
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Der Churchit
((Y,Er,La)[PO4]·2H2O,
früher Weinschenkit
genannt),
ein nur an wenigen Stellen
der Erde anzutreffendes Mineral,
wurde auch in
der Grube Leonie
in Auerbach gefunden.
Sammler kamen deshalb
von weit her,
um das seltene Gestein
zu sehen oder
gar zu erwerben.
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(Foto aus der
Mineraliensammlung von W. Bäumler aus Weidenberg; siehe auch Mineralienkabinett)
Die
Schachtanlage Leonie
Auch das letzte noch fördernde Eisenerzbergwerk der Bundesrepublik, die der
Maxhütte gehörende Grube Leonie, war in Auerbach beheimatet. Schon von weitem
waren die moderne Schachthalle und der Förderturm mit dem Mischbett zu sehen.

Das Abteufen des Schachtes begann am 13.
August 1970, die Förderung von Eisenerz am 10. Oktober 1977. 1982 z.B. waren es 580.000 Tonnen,
was bei einer Belegschaft von etwa 350 Personen einer Förderung von fast 12
Tonnen pro Mann und Schicht entsprach.
Der Erzabbau wurde am 11. Mai 1987 eingestellt. (siehe unten)

Schachtanlage Leonie 1985 aus der Vogelperspektive (aus 1)
In beinahe 200
(genau waren es 185) Meter Tiefe oder wie der
Bergmann sagt „Teufe“ brachte ein Förderkorb Tag und Nacht die Kumpel, wie
die Bergleute heißen, in ca. 50 Sekunden nach unten und das kostbare Eisenerz
nach oben, wo es zuerst zur Mischbettanlage kam.

Von
der Mischbettanlage wurde das Eisenerz mit Lastkraftwagen zur Verhüttung nach
Sulzbach-Rosenberg transportiert.
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Damit die LKWs den Schmutz nicht auf die
öffentlichen Straßen trugen, mussten sie vor Verlassen des
Werksgeländes durch diese Waschanlage fahren. |
Die Grube Leonie war das letzte Kind des Auerbacher Erzbergbaues, denn als die
Maxhütte am Gründonnerstag (16. April) 1987 Konkurs anmeldete, bedeutete dies
das zumindest vorläufige Ende des Eisenerzabbaus und die Schließung des
Schachtes am 11. Mai desselben Jahres. Eine
jahrhundertealte Tradition in Auerbach und seiner Umgebung ging damit zu Ende.
Dabei konnte die Grube Leonie in den knapp 10 Jahren Förderung (Oktober 1977
bis Mai 1987) eine stolze Bilanz aufweisen:
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den
108 Millionen DM Kosten für die Erschließung standen 204 Millionen DM
Ertrag für die Gewinnung von rund 5,2 Millionen Tonnen Eisenerz
gegenüber - mindestens weitere ca. 14 Millionen Tonnen des Bodenschatzes
standen noch zur Verfügung. |
Der Förderturm steht noch, die Grube wurde verfüllt, und auf dem ehemaligen
Maxhüttengelände bieten heute verschiedene Betriebe Arbeitsplätze an.
Aus dem
ehemaligen über 60 ha großen Grubenfeld, das durch den Untertage-Erzabbau
zumindest teilweise zu
einem Bruchfeld mit tiefen, wassergefüllten Einbruchtrichtern wurde, ist im Mai 1996 das weiträumige Naturschutzgebiet
"Grubenfelder Leonie" geworden. Durch Hinzunahme weiterer Flächen
umfasst dieses NSG immerhin ca. 87 ha .

Als
besondere Attraktion setzte der Landesbund für Vogelschutz als Eigentümer des
gesamten Geländes im
Jahre 2001 eine Herde Heckrinder ein. Diese sind eine Rückzüchtung des
im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Auerochsen oder Ur, nach dem die Stadt
Auerbach ihren Namen hat.
Im gleichen Jahr (2001) wurde der Tierbestand durch mehrere sehr seltene Przewalski-Pferde ergänzt, die
sich dort offensichtlich ebenso wohlfühlten wie die Auerochsen; aus bisher
nicht ganz geklärten Gründen verschwanden einige dieser wertvollen Tiere, so dass der
Münchner Tierpark Hellabrunn als Eigentümer die Pferde im Frühjahr 2004
wieder zurücknahm. Seit Frühjahr 2006 leben nun drei Exemplare der seltenen Exmoor-Ponys
im Auerbacher Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie".
Doch blicken wir nun zurück in die reiche Geschichte des Auerbacher
Eisenerzbergbaus.
Die
ältesten Zeugnisse
Große Anziehungskraft übte sicher schon sehr früh das in und um Auerbach
anzutreffende, in der Kreidezeit
entstandene Eisenerz
aus. Auch wenn größere Ansiedlungen bisher nicht
nachgewiesen werden konnten, lebten doch schon lange bevor Auerbach in die
geschriebene Geschichte eintrat zumindest vereinzelt Menschen in dieser Gegend,
wie Funde aus verschiedenen Epochen beweisen: aus der Mittleren (8000-4000 v.
Chr.) und der Jüngeren Steinzeit (4000-1800 v. Chr.) bei
Weidlwang und Ranna;
aus der Bronzezeit (1800-1200 v. Chr.), aus der
Urnenfelderzeit
(1200-750 v.
Chr.) und aus der Eisenzeit (800 v. Chr. bis Christi Geburt) am
Maximiliansfelsen im sog. Birkenschlag, wo wohl ein Kultplatz war, der
vielleicht jahrtausendelang von unseren Vorfahren als vorchristliche Opferstätte
genützt wurde.
Aus der Eisenzeit mit ihren verschiedenen Unterteilungen (ältere Eisenzeit oder
Hallstattzeit 800-450 v. Chr. und Jüngere Eisenzeit oder
Latenézeit, auch
Keltenzeit genannt, 450 v. Chr. bis Christi Geburt) wurden mehrere
Grabhügelfelder
von Laien angegraben und z. T. regelrecht geplündert: 9 Grabhügel in der Flur
Reut im Oberen Wellucker Wald (nordöstlich von Sackdilling, heute im
Truppenübungsplatz
liegend), 5 Grabhügel in der Flur Weißer Brunnen über dem Ohrental (südöstlich
von Lehnershof) und über 30 Grabhügel auf der Bloa und im Seideloheholz (östlich
von Ortlesbrunn).
Johannes Neubig schrieb wohl mit Recht über die Entstehung der Stadt:
„Bergleute gruben daselbst Auerbach aus und Schmiede hämmerten den kleinen
Anfang zur festen Dauer des Fortbestehens.“ (2, Seite 4)
Auch der Name des Ortsteiles Welluck, in dessen unmittelbarer Nähe die
weiter unten aufgeführte Grube Maffei stand, weist deutlich auf
Eisenverarbeitung hin: „wellen“ bedeutet soviel wie „wallen machen, kochen
machen, sieden“, eben „Eisen schmelzen“, und „luck“ kennen wir noch in
der Mundartform „Luch“ für „Loch“; so war also „Welluck“ wohl ein
Ort, wo ein „Schmelzloch“ für die Eisengewinnung stand.
(nach 3, Seite 82 f)
Schriftliche
Belege
Schon in Salbüchern der Jahre 1275 und 1326 wird von „Feuern“ in und um
Auerbach gesprochen.

Im Urbarium Baiuwariae transdanubianae
um 1275 heißt es: "Nota quod aput Awerpach unt daze dem Pleche tercia pars
lucri, quod solvitur de ignibus dictis fiwer, est de jure ducis." (deutsch
etwa: beachte, dass der dritte Teil des Gewinns, der mit den Feuern bei Auerbach
und Plech erzielt wird, rechtmäßig dem Herzog gehört) (nach 4, Seite
36, Anm. 1 und 3, Seite 82)
Hier handelt es sich wohl um den ältesten bisher bekannten Beleg über
Eisenverarbeitung im Raum Auerbach und bei Plech.
In einem Flurstück, genannt „In der alten Welluck“ (am
Gottvaterberg gegenüber den Maffei-Türmen) wurde lt. einer Urkunde 1520 ein
neues Bergwerk eröffnet. Dessen Erz wurde vielleicht in einem Hammer im nahen
Nitzlbuch verarbeitet; nach Aussagen des bereits verstorbenen Besitzers von Haus
Nr. 14 stieß man bei Arbeiten auf diesem Anwesen um 1950 auf große
Schlackenmengen, die man verkaufte und zum Straßenbau verwendete.
Im Salbuch von 1326 wird ein „malleum Pognarii“, ein Hammer des Pogner,
aufgeführt, der sicher im Bereich der heutigen Bognersiedlung stand, da man in
diesem Gebiet auch jetzt noch bei Erdarbeiten auf Sinterhaufen stößt. Aus dem
15. und 16. Jahrhundert wird auch von Erzgruben berichtet, die bei heute im
Truppenübungsplatz Grafenwöhr liegenden Orten wie Pappenberg, Hopfenohe und
Ebersberg angelegt waren.
Die
Maxhütte kommt
Am 26. August 1857 genehmigte die „KgI. Generalbergwerks- und
Salinenadministration München“ die Belehnung des Hofrates Dr. Friedrich von
Kersdorf in Augsburg und des Rentiers Oliver Goffard in München mit dem
Grubenfeld Leonie (Richtung Dornbach). Der Name Leonie, den ja auch die oben
genannte letzte Grube und das heutige Naturschutzgebiet tragen, stammt wohl von
der Schwester des Kersdorf, die Leonore (Koseform Leonie) hieß.

Die erste Grube der Maxhütte, Leonie I
genannt, befand sich in der Nähe des "Alter Schacht" genannten
Wasserlochs an der Straße nach Dornbach. Gefördert wurde von 1882 bis 1921.
Nach einem
Umweg über die Firma Klett und Comp. (Besitzer Theodor von Cramer-Klett, der
Begründer der MAN) kam Leonie am 14. Dezember 1878 an die „Maximilianshütte“,
die bald für eine Aufwärtsentwicklung des Bergbaues im Auerbacher Raum sorgte.
So wurde eine Drahtseilbahn von der Grube Leonie zum Bahnhof nach Ranna
errichtet, die das Erz dorthin 1883-1903 beförderte; einzelne Fundamentteile
davon sind z. B. im Bürgerwald zu finden. Von Ranna aus erfolgte der
Weitertransport nach Sulzbach-Rosenberg zum Hochofen mit der Bahn; die Bahnlinie
Nürnberg-Bayreuth war 1867-77 gebaut worden. Beim heutigen Gasthof Hohe Tanne
stand eine Dampfmaschine, die den Antrieb besorgte.
Von 1903 bis zum April 1970
wurde das Erz knapp sieben Jahrzehnte auf der nicht zuletzt wegen des
Erztransports gebauten Lokalbahnstrecke von Auerbach nach
Ranna gefahren.

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Dabei
wurde das Eisenerz zunächst vom Förderschacht Maffei mittels einer Drahtseilbahn
(Foto oben) über den
Gottvaterberg zu
der links abgebildeten Verladestation (heutige Tennisplätze neben dem Lagerhaus in der Dornbacher Straße)
transportiert und dort auf
Eisenbahnwaggons umgeladen.
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Ab dem
Frühjahr 1970 bis zum Schluss des Eisenerzabbaus beförderten werkseigene LKWs
den Bodenschatz von der Verladestelle neben dem Förderschacht über die B 85
direkt zum Hochofen nach Sulzbach-Rosenberg,
wo der Bergbau schon ein Jahrzehnt früher (1977) als in Auerbach (1987)
eingestellt wurde.
Die
Maffeischächte
Da man zur Verhüttung in Rosenberg mehr Erz benötigte, erfolgte am 22. August
1900 der 1. Spatenstich für die geplante Doppelschachtanlage Leonie II an der
Straße nach Dornbach nordöstlich der sog. Schwanenwirtskapelle. Ein gewaltiger
Schwimmsandeinbruch brachte dieses
Projekt schon 1904 zum Erliegen; im Volksmund spricht man von den Millionenschächten.
Parallel zu Leonie II wurde in weiser Voraussicht bereits in den Jahren
1901-1903 am Fuße des Gottvaterberges in der Flur „In der alten Welluck“
der Schacht Minister Falk auf 60 Meter abgeteuft. Unmittelbar hinter den
ehemaligen Steigerhäusern kann man heute an dieser Stelle noch ein Gebäude
sehen, das viele Jahre lang zur Wasserversorgung verwendet wurde.
Beim Abteufen von Minister Falk kam man zur Erkenntnis, dass infolge einer
tektonischen Verschiebung südwestlich davon tiefer noch größere Erzvorkommen
lagern müssten. Deshalb begann 1904 die Errichtung der Doppelschachtanlage
Maffei I und II, benannt nach Dr. Hugo Ritter von Maffei, der 1882-1921
Aufsichtsratsvorsitzender der Maxhütte war. Aus dieser Grube, die eine tiefste
Stelle von 141 Metern hatte, wurden bis zur Stillegung am 29. Juli 1978 ca. 16
Millionen Tonnen Erz (überwiegend Braunerz
und Weißerz) gefördert, was Maffei zum bedeutendsten Einzel-Erzbergwerk
im bayerischen Raum werden ließ.
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Neben dem "normalen" Eisenerz
kamen auch immer wieder besonders schöne Stücke zum Vorschein. Viele
ehemalige Bergleute und andere Auerbacher haben sich davon kleine
Sammlungen angelegt.
Eines dieser besonderen Exemplare aus der Grube Maffei befindet
sich seit
Oktober 2007 im Rathaus der polnischen Stadt Oświęcim
(Auschwitz) und wird dort in den entstehenden Gedenk- und Versöhnungshügel
integriert werden. |
Auch die Erzbrocken des Eisenerzaltars (siehe
weiter unten) in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer stammen aus dem
Auerbacher Bergwerk.
Bergbaumuseum
Maffeischächte

Während die Schächte selber mit
Kalksteinschotter verfüllt wurden, erinnern die ehemaligen Fördertürme und Teile
der Schachtanlage als Bergbaumuseum an den
untergegangenen Eisenerzbergbau.
Hier werden u. a. verschiedene Abbaumaschinen und bergmännische Gerätschaften
(Geleucht
usw.) gezeigt.
Unmittelbar neben den Maffeitürmen (rechts vorne) steht das
Schützenheim von "Unter Uns" Nitzlbuch.
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Auf dem stillgelegten
Bergwerksgelände
haben ehemalige Bergleute
einen Stollen errichtet,
der sogar von einer
alten Grubenbahn
befahren wird. |
Der sehr rührige Förderverein
"Maffeispiele Auerbach e.V." ist Träger des Museums. Zur Erinnerung an den Bergbau in
Auerbach organisiert er mittlerweile jährlich im Sommer die "Maffeispiele"
und im Dezember eine Bergweihnacht. Für das Jahr 2009 mussten wegen dringend
notwendiger Baumaßnahmen beide
Veranstaltungen abgesagt werden. (Brief des
Vorsitzenden, Bericht srz)
Die nächste Bergwerksweihnacht auf Maffei ist für den 4. und 5. Dezember 2010
geplant.

Förderverein
"Maffeispiele Auerbach e.V."
Telefon: 09643/2049573 Telefax: 09643/91168
Email


Näheres über den Bergbau erfährt man hier,
eine Erklärung bergbautechnischer Begriffe hier.
Die
Kolonie
Angesichts des raschen Aufschwungs durch die Maffei-Schächte und veranlasst
durch die Sorgen und Nöte der Arbeiter errichtete die Maxhütte in den Jahren
1906-1911 für ihre Belegschaftaftsmitglieder insgesamt 17 Wohnhäuser mit
damals jeweils sechs Wohneinheiten.

Bis zum Jahre 1975 trugen sie die Anschrift
Kolonie, seither Maffei-Straße.
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Überwiegend Werksangehörige haben die Häuser
inzwischen käuflich erworben und größtenteils den heutigen Bedürfnissen
entsprechend auch umgebaut und modernisiert; dadurch allerdings ging das charakteristische Aussehen der
Auerbacher Bergarbeitersiedlung
verloren. |
Das schmucke Wohnhaus für den Betriebsleiter der Grube wurde ebenfalls 1906 im
unmittelbaren Anschluss an die Bergarbeiterhäuser errichtet und gehört nun der
Familie von Bergassessor Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Johannes Pfeufer (+
14.6.2006), der von 1967 bis zum bitteren
Ende den Gruben Maffei und Leonie in Auerbach vorstand.
Die
Bergknappen und ihre Schutzpatronin
Aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht wegzudenken ist der Bergknappenverein,
einer der ältesten (gegründet 1890) und größten Vereine Auerbachs. Bei
Beerdigungen von Bergleuten, bei kirchlichen und weltlichen Festen ziehen die Männer
in ihren schicken und traditionellen Uniformen, angeführt von der weithin bekannten
Bergknappenkapelle, durch die Straßen der Stadt. Das Hauptfest der Bergleute
ist jährlich die Barbarafeier. Seit 1860 wird das dem 4. Dezember am nächsten
liegende Wochenende in Auerbach festlich begangen. Dabei wird natürlich auch
das Steigerlied
gesungen.
Die hl. Barbara ist bekanntlich die Patronin der Bergleute. Es ist daher nicht
verwunderlich, dass an vielen Stellen der ganzen Umgebung diese Heilige
besonders verehrt wird. So weihte am 30. Oktober 1384 der Bamberger Bischof
Heinrich die Spitalkirche in der Unteren Vorstadt zu Ehren der hl. 14 Nothelfer,
insbesondere der hl. Katharina und Barbara. Von letzterer wurde lt. Weiheurkunde
als Reliquie ein Knochenteil im Altar versenkt. Dieses in seiner wesentlichen
Bausubstanz noch im ursprünglichen Zustand erhaltene Kirchlein ist wohl das älteste
christliche Heiligtum der Gegend. Die Barbarastatue auf dem Hauptaltar stammt
wie der größte Teil der Inneneinrichtung aus der Zeit um 1735-42 und wurde
wahrscheinlich vom Auerbacher Bildhauer Johann Michael Doser angefertigt. Die
Kirche und das dazugehörende Bürgerspital (heute ein modernes Altenwohnheim)
sind eine Stiftung reicher Auerbacher Bürger aus dem 14. Jahrhundert, der Blütezeit
der Stadt, die nicht zuletzt auf den Erzbergbau und den Eisenhandel zurückzuführen
ist.
Eine sehr schöne Barbarastatue befindet sich auch in der Michelfelder Asamkirche
(Patron St. Johannes der Evangelist) an der rechten Seitenwand des
St.-Otto-Altares, gleich hinter dem herrlichen schmiedeeisernen Gitter, welches
sicher von Hammerschmieden der Umgebung stammt. Diese Barbara ließ Abt
Rinswerger (1707-21) durch Egid Asam anfertigen, während sein Bruder Cosmas
Damian Asam die Fresken und das Hochaltarbild schuf.
In der Auerbacher Pfarrkirche (Patron St. Johannes der Täufer) zeugen gleich
zwei Barbarastatuen von der großen Verehrung für die Heilige. Die eine davon,
fast lebensgroß, steht am hinteren rechten Langhauspfeiler und stammt ebenso
wie der Aufbau des Barbaraaltares links von J. M. Doser um 1730. Die Figur auf
diesem Altar ist älteren Ursprungs, nämlich eine hervorragende Arbeit aus dem
15. Jahrhundert. Sie stand schon auf dem Barbaraaltar, auf welchem lt. Urkunde
vom 18. Mai 1435 der Prediger dreimal in der Woche eine Messe lesen sollte.
Eine sehr schöne, von einem zeitgenössischen Künstler gefertigte
Barbarastatue ist in der Knappenstube des Hotels Goldner Löwe zu sehen; dieser
Raum erinnert wegen seines Ausbaus mit Eisenerzbrocken stark an den Untertagebau
und ist auch deshalb sehenswert.

Auf dem Auerbacher Friedhof am Eingang bei der
Kirche hat diese neuzeitliche Barbarastatue ihren neuen Platz gefunden,
nachdem sie vorher im Verwaltungsgebäude des Bergwerks aufgestellt war.
Seit 1951 hängt eine Barbaraglocke im Auerbacher Kirchturm und erinnert durch
ihr Läuten ebenfalls an die hiesige Bergbautradition. Weitere Zeugnisse für
die große Verehrung der Schutzpatronin der Bergleute findet man darüber hinaus
in vielen Orten der Umgebung, und auch ehemalige Bergleute besitzen solche. In
diesem Zusammenhang sei auch auf den Barbaraberg
bei Speinshart verwiesen.

Die
Stromer in Auerbach
Wegen des Erzes und des Eisens hatten angesehene Nürnberger
Patriziergeschlechter im „Ruhrgebiet des Mittelalters“, wie die Oberpfalz
zeitweilig bezeichnet wurde, und somit auch in Auerbach Wohnsitze. Der
bekannteste Name ist hier Stromer oder Stromeier, erstmals nachgewiesen im Neuböhmischen
Salbüchlein von 1366-68.
Ein Ebberl Stromer ist der erste namentlich bekannte
Besitzer des Anwesens Unterer Markt 4 und damit auch des sehr interessanten, in
den letzten Jahren leider zum Großteil abgerissenen Rückgebäudes, dessen Überreste
man von der Apothekergasse aus noch sehen kann. Dieses wohl älteste zumindest
teilweise noch erhaltene Gebäude der Stadt wurde um 1200, wie sollte es auch
anders sein, mit eisenhaltigen Bruchsteinen erbaut. Ein Blick auf eine
Lageskizze Auerbachs zeigt, dass dieser so genannte „Stadel“ als Burg des
Stadtherrn außerhalb des ursprünglichen kreisähnlichen Stadtkerns stand; eine
für Städte und Märkte der damaligen Zeit normale und häufiger anzutreffende
Bauweise.
Auerbach war ja 1144 auf eine etwas eigenartige Weise Markt geworden:
die Mönche des 1119 gegründeten Benediktinerklosters Michelfeld fühlten sich
in ihrer Ruhe gestört und verlegten das Markttreiben deshalb in das nahe gelegene
Dorf Urbach, auf welches bald darauf auch das Marktrecht von
Hopfenohe, einem bei der Truppenübungsplatzerweiterung 1937/38 aufgelösten
Ort, übertragen wurde.
Die, man kann ruhig sagen, romanische Burg in Auerbach war bis 1620 im
unmittelbaren Besitz der Stromer, denen u. a. auch die Hämmer in Steinamwasser,
Rauhenstein und Fischstein neben vielen anderen Gütern gehörten. Im
historischen Sitzungssaal des Rathauses findet man an der Nordseite das Wappen
der Stromer.
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Der bekannteste Spross
des Auerbacher Zweiges
ist sicher Dr.
Heinrich Stromer.
An ihn erinnern hier
in seiner Geburtsstadt Auerbach
eine schlichte Gedenktafel
am Haus Nr. 10 am Oberen
Marktplatz,
die Dr.-Heinrich-Stromer-Straße
und die 1989 vom Rotary-Club
gestiftete Büste am Aufgang
vom Marktplatz zur Pfarrkirche.
(Bild von 1527)
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Heinrich
Stromer war Rektor der Universität Leipzig und eröffnete in jener sächsischen
Stadt 1532 das Weinlokal Auerbach's Keller, welches durch Goethes Faust I (Verse
2073-2336} in die Weltliteratur Eingang gefunden hat.

Eisenerzaltar
in der Auerbacher Pfarrkirche
Aus unseren Tagen sollen künftige Generationen an den ehemaligen Bergbau in
Auerbach u. a. durch Namen wie Bergknappenstraße, Glückaufstraße oder SC Glückauf
erinnert werden.
Ein anderes, ganz besonderes Denkmal an exponierter Stelle ist der Eisenerzaltar
in der Auerbacher Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer.
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„Das weltweit
einmalige Kunstwerk
erinnert an den Bergbau,
der den Menschen hier
etwa 1.000
Jahre lang
den Lebensunterhalt sicherte.
... Der Altar krönt
die Geschichte der
Bergleute
und hebt ihre gläubige Verbundenheit
mit der Kirche hervor.“
(St. Heinrichsblatt Nr. 4 1993,
Bamberg)
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Dieser Altar steht im Chorraum der Auerbacher Pfarrkirche und wurde am 17.
Januar 1993 vom damaligen Bamberger Erzbischof Elmar Maria Kredel (1977-94)
konsekriert. Er enthält aus der Grube Leonie gefördertes Eisenerz in
verschiedenen Formen: an der Unterseite der Tischplatte kann man die Erzbrocken
praktisch unbehandelt sehen, im Altarfuß und am Ambo sind sie geschnitten und
glatt, und auf der Oberseite des Altartisches geschliffen und poliert.
Selbstverständlich gibt es in Auerbach und seinen
Ortsteilen noch weitere Zeugnisse für den Bergbau und die Eisenverarbeitung in
alter und neuer Zeit, und der aufmerksame Sucher wird sicher auch einige davon
erfreut entdecken.
Wer mehr über die Oberpfälzer Montangeschichte erfahren und vor allem erleben
möchte, dem sei eine Wanderung
auf historischen Wegen empfohlen. (Bergmännische
Links)
verwendete
Quellen
| 1 |
Archiv
Köferl Erna, Auerbach |
| 2 |
Neubig,
Johannes, Auerbach, die ehemalige Kreis- und Landgerichtsstadt in der Oberpfalz,
Auerbach 1836 |
| 3 |
Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der
Oberpfalz, Auerbach 1976 |
| 4 |
Stark, Heinz, Plecher Kirchengeschichte im
Mittelalter, Sonderheft 49 der Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft
(ANL), Simmelsdorf 2002 |
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Für Ergänzungen, Korrekturen usw.
bin ich sehr dankbar.
Hier können Sie mich erreichen!
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letzte
Bearbeitung dieses Artikels am 27. Mai 2010

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