Mit
dem Tod des "letzten Auerochsen" hatte die urtümliche Rasse,
die Jahrtausende lang friedlich auch in unseren Wäldern gegrast hatte,
ihr zumindest vorläufiges Ende gefunden.
Das
Heckrind als Rückzucht
Den Brüdern Heinz Heck und Dr. Lutz Heck, beide Leiter großer deutscher Zoos, gelang es durch Rückzüchtungen in
den 30-iger Jahren des 20. Jahrhunderts im Tierpark Hellabrunn in München bzw.
im Zoologischen Garten von Berlin schon nach wenigen Generationen einen „Neuen
Auerochsen“ (bos taurus taurus oder bos primigenius taurus) vorzustellen, der mit Ausnahme der Größe wesentliche
Eigenschaften des Ur-Rindes aufwies. Zur Rückzüchtung wurden neben dem
Ungarischen Steppenrind, dem Schottischen Hochlandrind, und dem Spanischen
Kampfrind auch einige Hausrinderrassen mit eingesetzt. Obwohl von den Brüdern
Heck unterschiedliche Rassen für die Rückzüchtung verwendet wurden, kamen
beide zu demselben Ergebnis, einem Rind, das die gewünschten Auerochseneigenschaften annähernd in sich vereinigte. Inzwischen hat sich eine
recht widerstandsfähige
Rasse stabilisiert und es dürften heute europaweit
schon ein paar Tausend Tiere leben, die auf die Rückzüchtungen der Gebrüder
Heck zurückzuführen
sind.
Zum Ursprung der Rückzüchtungsidee hat sich Dr. Lutz Heck in einem
Bericht der Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents im Jahre 1934
wie folgt geäußert:
„Unsere verschiedenartigen Hausrinderrassen stellen einen weitverzweigten Baum
dar, von dem einzelne Zweige, jeder für sich, bestimmte wesentliche
Eigenschaften des gemeinsamen wilden Vorfahrs noch erhalten haben. Wenn wir
diese gesamten erblichen Wildeigenschaften unserer Hausrinder, die einzeln
verteilt bei verschiedenen Rassen noch vorhanden sind, zusammenbringen und sie
auf eine einzige Tierpersönlichkeit übertrügen, hätten wir ein Rind, das sämtliche,
vom Auer noch erhaltenen Eigenschaften in sich vereinigte, also den Auerochs.“
Dank der Gebrüder Heck wurde diese Idee in die Wirklichkeit umgesetzt.
Bei dem im Jahre 1995 gegründeten europäischen Zuchtverband und bei dem im
Jahre 1997 gegründeten deutschen Zuchtverband werden alle Auerochsen oder
„Heckrinder“ wie sie auch genannt werden, für die ein Stammbaum
nachgewiesen werden kann, in Zuchtbüchern geführt.
Ein eigentlicher Auerochse soll das Heckrind
nach häufig gehörter Meinung aber trotzdem nicht sein. Doch diese streng
wissenschaftliche Unterscheidung
wird hier nicht weiter verfolgt.
Das Halten des Ur
Auerochsen sind widerstandsfähig gegen Kälte und Hitze. Sie leben das ganze
Jahr über im Freien, natürlich auch hier im vorliegenden Naturschutzgebiet.
Selbst bei Temperaturen unter minus 25 ° C haben auch wenige Wochen alte Kälber keinerlei
Unbehagen gezeigt.
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"A bissl frisch is scho, trotz Pelzmantl.
Und bei dem viel´n Schnee find´t ma kaum was zum Fress´n. Die Sunna tout goud!" (Foto
16. Februar 2010)
Bei hochsommerlichen Temperaturen von mehr als 30 ° C liegt
die Auerochsenherde gern in der prallen Sonne und nimmt die Energie auf, auch wenn
schattige Flächen zur Verfügung stehen.
Voraussetzung für diese Anpassungsfähigkeit ist, dass die Kälber im Freien
geboren werden und dort den jahreszeitlichen Veränderungen ausgesetzt sind. Die
Tiere sind dadurch widerstandsfähig gegen Krankheiten.
Die Wildrinder werden auf einer offenen Standweide gehalten, die aber auch großräumige
natürliche Unterstandsmöglichkeiten und einen Windschutz aufweist. Als
Windschutz eignet sich der vorhandene Mischwald mit den z. T. doch recht dichten
Büschen. Als Unterstand sind auch freistehende Baumgruppen vorhanden, weshalb
kein künstlicher Unterstand oder Stall notwendig ist.
Stiere, Kühe und Kälber bilden eine Herde und können so ihre Rivalitäten
austragen und die Rangordnung bestimmen, wie in der Natur üblich. Ein normaler
Weidezaun ist für die ruhigen und ausgeglichenen Tiere ausreichend, sofern Fläche
und Futterangebot, wozu auch Wasser zählt, den genügsamen Ansprüchen der
Tiere genügen.

(Foto August 2009)
Um auch bei längeren Frostperioden die Versorgung mit
Trinkwasser zu gewährleisten, wurde der durch das Naturschutzgebiet verlaufende Rad- und Fußweg
untertunnelt. So können die Tiere an das Fließwasser des Speckbachs.
Die Herde ist außerhalb der Ruhezeiten ständig in Bewegung und auf
Futtersuche. Die Tiere ziehen, entsprechend ihrem ursprünglichen Lebensraum in
Auen und Wäldern, auf selbst angelegten Pfaden.
So schaut er aus, unser Ur
Die Kälber werden braun geboren und färben sich in den ersten 3-6 Monaten um.
Die Stiere sind schwarz mit einem hellgelbgrauen Aalstrich, die Kühe schwarz
mit rötlichbraunem Einschlag und einem rotbraunen Aalstrich. Beide verfügen über
ein weißbehaartes Maul, das sich je nach Ausprägung, wie auch die hellen
Stirnlocken stark von dem schwarzen Kopfhaar abhebt.