Ranna
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Ranna hat das schönste Feuerwehrhaus im Landkreis! (nn)

Ranna

Der Auerbacher Chronist Joseph Köstler (1849-1925) hat in Band XIX seiner 27-bändigen handgeschriebenen Chronik viel über das Werden von Ortschaft, Hammer und Magdalenenkapelle niedergeschrieben. Seine Ausführungen liegen neben anderen Quellen dieser kurzen heimatkundlichen Abhandlung zu Grunde. (1)

Frühe Besiedlung
Ohne Zweifel wurde die Landschaft entlang der Pegnitz schon lange vor unserer Zeitrechnung von Menschen besiedelt, wenn auch sicher nur sehr sporadisch. Die Erforschung der Vor- und Frühgeschichte unserer Heimat ist auf Funde als Zeugnisse für diese Epochen angewiesen, und solche wurden auch im Raum Ranna gemacht.
So öffnete man z.B. in den Jahren 1906 bis 1908 in der Flur Weißer Brunnen über dem Ohrental südöstlich von Lehnershof fünf Grabhügel, leider zum Teil recht unsachgemäß. Die dabei gemachten Funde stammen aus der älteren Eisenzeit (auch Hallstadtzeit, etwa 800 bis 450 v. Chr.) und der Jüngeren Eisenzeit (auch Latene- oder Keltenzeit genannt, etwa 450 v. Chr. bis Christi Geburt).
Die Gründung von Ranna ließ jedoch noch einige Jahrhunderte auf sich warten.

Erste Nennung von Ranna
Als 1119 von Bischof Otto dem Heiligen das Kloster Michelfeld gegründet wurde, scheint der Ort Ranna noch nicht existiert zu haben, denn er ist nicht unter den zahlreichen Stiftungsgütern aufgeführt.
Ranna wird wohl zum erstenmal im Bamberger Salbuch von 1320 namentlich genannt. Dort heißt es: „Jährlich zweimal und zwar an Walpurgis und an Michaelis soll der Bischof  oder sein Beamter im Orte Ranna Forstgericht halten.“

Der Ortsname Ranna
Der Name „Ranna“ kommt sicher nicht vom lateinischen Wort rana (der Frosch), wie einige Etymologen vor allem im vergangenen Jahrhundert meinten. Eine „Rone“ war vielmehr „ein Baumstamm, besonders ein vom Wind samt den Wurzeln ausgerissener“. (Schmeller, Bayerisches Wörterbuch von 1877)

Durch Lautwandel wurde daraus dann Rana, womit man eine Baumleiche, d.h. einen von Sturm oder Schnee zu Boden geworfenen und unbenützt liegen bleibenden vermodernden Baumstamm bezeichnete. Das Waldgebiet an den Pegnitzufern, das lange Zeit mit solchen Ranen bedeckt war, nannte man einfach „die Ranna“.

Die  Hammergründung
1391 erlaubte König Wenzel von Böhmen bzw. Worsiboy von Swynars, „des Kunigs Haubtman in seiner Herschaft in Bayern“, dem Auerbacher Bürger „Hartman dem Fugler und Margarethen seiner Wirtin, in dem walde gelegen an der Pegnitz und genant zu der Rann“, eine Hammerstatt zu bauen.
Diese für Ranna sehr bedeutende Urkunde wurde am 16. Oktober 1391, „an Sant Gallen tag des Heiligen Abts“, ausgestellt. Ihr Original liegt im städtischen Archiv im Rathaus. In ihr wurde dem Hammer Ranna von der Krone Böhmens auch das Recht eingeräumt, alles Bau- und Brennholz unentgeltlich aus dem Wald des Königs, gemeint ist der Krottenseer Forst, zu nehmen, sowie umfangreiche Rodungen zu tätigen. Dafür musste man jährlich 10 fl (Gulden) an das königliche Kastenamt Auerbach entrichten.
Ruprecht von der Pfalz, der nach der Absetzung Wenzels deutscher König (1400 - 1410) wurde, bestätigte schon ein Jahr nach seiner Thronbesteigung alle Privilegien des Hammers Ranna.

Ruprecht I. (* 5. Mai 1352 in Amberg;
† 18. Mai 1410 Burg Landskron bei Oppenheim),
aus der Dynastie der Wittelsbacher
war von 1400 bis 1410 römisch-deutscher  König
und als Ruprecht III. von der Pfalz
von 1398 bis 1410 Kurfürst der Pfalz.

"Ruprecht König des Römischen Reich
An Würden hoch war hart sein gleich
Von Nürnberg ein Burgkgrevin
War sein vermelte Königin"

Kurz vor dem Ende des 14. Jahrhunderts dürfte sicher auch das erste Kirchlein in Ranna gebaut worden sein, das von Anfang an die heilige Maria Magdalena als Patronin der Hammerschmiede geweiht war. Es lag bestimmt unweit des Hammers, also näher an der Pegnitz als die heutige Kapelle.

Verschiedene Hammerherrn
In der Folgezeit wechselten die Besitzer bzw. Betreiber des Hammers Ranna öfter. So erwarb z.B. 1402 der Auerbacher Bürger Peter Peßler (auch Pestler geschrieben) von Hartmann Fugler das Hammerwerk. Im gleichen Jahr erteilte ihm König Ruprecht den entsprechenden Erbbrief. Der Hammer scheint gut gegangen zu sein, denn 1410 stellte Pfalzgraf Johann, seit 1404 Herr über unsere Gegend, dem Peter Peßler einen Schuldbrief über 100 fl aus, die dieser dem  Herzog geliehen hatte und wofür er und seine Erben Kohlen brennen durften im herrschaftlichen Wald.
1427 gewährte Johann, der in Neumarkt und Neunburg vor dem Walde residierte, dem Peter Peßler und seinen Nachkommen auf dem Hammer sogar die Edelmannsfreiheit. Zugleich erlaubte er die Errichtung einer Schenke. Im nämlichen Jahr stiftet Peßler ein Messbenefizium in der Pfarrkirche Auerbach, die sogenannte Pestlermesse.

Mosenberg und Lehnershof
Diese beiden Orte entstanden später als Ranna, erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Zumindest ihre Anfänge seien in diese heimatgeschichtliche Abhandlung mit aufgenommen, denn die Bewohner von Mosenberg und Lehershof besuchen „ihr Magdalenenkirchlein“ seit eh und je.
Andreas Dimler, engagierter Heimatkundler (+2009), schreibt in Marktgemeinde Neuhaus 'Gestern und Heute': "Im Gegensatz zu vielen Dörfern der weiteren Umgebung ist das Alter von Mosenberg ziemlich genau bekannt. Wir erfahren nämlich in einer Urkunde, daß der Bamberger Bischof Georg als Landesherr 1450 die Rodung eines größeren Waldgebietes erlaubte. ... In einer Denkschrift beschwerte sich die Kurpfalz beim Hochstift Bamberg, weil es wieder Rodungen erlaubt habe und so die Nutzung der Veldener, Viehöfer und Betzensteiner auf den Wald geschmälert würde. In der erwähnten Schrift werden Rodungen 'bei dem Fischstein für 5 Güter, beim Rauhenstein am Plecher Steig auch ein merklich Stück Wald, der Mösenperg von der Rannan bis zum Schrott für 10 oder 11 Herdstätten und Güter, ferner ein Dorf zu Höfen mit 12 Gütern' genannt.“ (3, Seite 45)
Lehnershof dagegen ist eine kurpfälzische Gründung. 1475 nämlich erteilte Pfalzgraf Otto II. von Neumarkt dem Ulrich Lehner (auch Löhner) die Erlaubnis, diesen Hof zu gründen und durch Rodung von 15 Morgen (ein bayer. Morgen war ca. 0,34 ha) Wald Äcker und Wiesen zu schaffen. Lehner erhielt zugleich durch einen Erbbrief das Recht, sich aus dem kurfürstlichen Wald das nötige Bau- und Brennholz zu nehmen. Der jeweilige Hofbesitzer sollte dafür an das Kastenamt Auerbach abgabepflichtig sein.

Der Schienhammer Ranna
Auch wenn es über die Geschichte von Mosenberg und Lehershof sicher noch manch Interessantes zu berichten gäbe, kehren wir doch wieder zurück zum Hammer Ranna und seinem Kirchlein.
1488 findet man den Hammer Ranna in der oberpfälzischen Hammereinung als Schienhammer eingetragen, d.h., hier wurde das Eisen im Schmelzofen gewonnen und dann zu Schienen verarbeitet. Ein Blechhammer dagegen, wie z.B. im gleichen Jahr der in Steinamwasser, verarbeitete diese Schienen weiter; meistens war ihm auch ein Drahthammerwerk angeschlossen.

Um 1500 scheint der Hammer Ranna abgebrannt zu sein. Er gehörte damals immer noch den Peßler (auch Pestler oder Bestler; siehe oben im Kapitel Verschiedene Hammerherrn). Eine entsprechende Urkunde dazu sagt:
"Heintz Bestler, seine Ehefrau Margreth und der Sohn Wolf Bestler nehmen in ihrer Streitsache mit Hans Lewpolt zu Peteraw und Hans Meyler zu Getzelßberg, Untertanen des Deutschen Hauses zu Nürnberg, die sie in Verdacht hatten, an der Niederbrennung ihres Hammers zu dem Rannen und verschiedener Güter ihrer Untertanen beteiligt gewesen zu sein, den Spruch des Nürnberger Rates an, wonach auf die gegenseitigen Ansprüche verzichtet wird und sie versprechen, den gefangen gesetzten Deutschordenshintersassen Diepolt Sibenkeß in der Aw zu Semelßdorff ohne Entschädigung auf Urfehde zu entlassen. Vertreter des Deutschen Hauses ist Wolfgang v. Eysenhoven, Statthalter der Ballei Franken und Komtur zu Ellingen. - Siegler: Heinz Bestler und Clement v. Wisentaw." (2)
Erst 1507 ging das Hammergut Ranna durch Verkauf von den Pestlern an die adeligen Gebrüder Paul und Pankratz Stieber über, deren Stammsitz in Buttenheim bei Hirschaid lag. 1513 kam es dann durch Vererbung an den Bamberger Domdechanten Georg Stieber, der es zusammen mit den Kindern des Paul Stieber in der Folgezeit besaß.

Diese alte Zeichnung von 1522/23 zeigt von oben nach unten dem Lauf der Pegnitz nach die drei an dieser gelegenen Hämmer Fischstein, Rauhenstein und Ranna. 

Auerbach erwirbt den Hammer
Anno 1530 kaufte die Stadt Auerbach von Hans Stieber das Hammergut Ranna um 3.300 fl. Da der Hammer sehr heruntergewirtschaftet war, musste er neu aufgebaut und eingerichtet werden, was der Stadtkasse weitere 2000 fl kostete.

So wie die Vergrößerung aus der obigen Skizze von 1522/23 zeigt sah der Hammer Ranna wohl nach der Neuerrichtung durch die Stadt Auerbach zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus. Das Hammerhaus muss schon ein imposanter und mit Mauer und Turm bewehrter Bau gewesen sein. (Zur Verdeutlichung ist hier die Pegnitz blau eingezeichnet.)

Die Stadt Auerbach betrieb das Hammerwerk Ranna zunächst recht schwunghaft. So war z.B. Bürgermeister Balthasar Weißmann 1572 Verwalter der städtischen Hämmer Ranna und Steinamwasser. Auch in den folgenden Jahren bis 1628 waren die Bürgermeister Sebastian Held, Erasmus Kotz, Paulus Schreiber und Georg Niller zugleich auch Hammerwerksverwalter von Ranna; ihre Wappenbilder sind an der Decke der Friedhofskirche St. Helena in Auerbach zu sehen.
In Ranna waren 1618 zwei Bauern oder besser gesagt Pächter. Der vordere Bauer hatte 43 Tagwerk Feldbau gegen Fischstein zu, der hintere 43 Tagwerk Richtung Lehnershof. Zum Hammer selbst gehörten 54 Tagwerk Wiesen und immerhin 28 Weiher unterschiedlicher Ausdehnung; der größte Weiher umfasste 16 Tagwerk. In dieser Zeit tauchen erstmals auch eine Mühle und eine Schneidsäge in Ranna auf.
Auch scheint die Ansiedlung zumindest teilweise (siehe auch obige Skizze von 1522/23!) eingefriedet gewesen zu sein, denn in einer Waldrechnung von 1619 über die kostenlose Abgabe von Holz an die Bewohner heißt es: „Nach Ranna innerhalb der Mauern wurde 1619 Holz abgegeben.“ In besagter Rechnung folgen die Namen und Holzmengen der einzelnen Empfänger.

Der 30-jährige Krieg
Wie alle Orte unserer Gegend hatte natürlich auch Ranna während des 30-jährigen Krieges (1618-48) schwer unter den häufigen Truppendurchzügen zu leiden, die meistens verbunden waren mit Plünderung, Brandschatzung und anderen Belästigungen für die Bevölkerung. Kurz nach Kriegsende schrieb 1650 deshalb der Auerbacher Magistrat folgenden Schadens- und Zustandsbericht an die Regierung nach Amberg:
„Auf dem Hammer Ranna sind im Kriegswesen die 2 Bauernhäuser, die Stallungen, eine Schmiede, die Hütten und der Wasserbau gänzlich zu Grund gegangen. Die anderen Gebäude des Hammers Ranna sind auch ruiniert, weil alle Fenster und Öfen ausgebrochen wurden, das Eisenwerk und selbst die Glocken hinweggenommen worden sind.
Am Feldbau allein hat man 3.000 fl Schaden gelitten, weil die Felder seit 22 Jahren fast nimmer bebaut wurden. Der Schaden vom Hammerwerk, weil es 12 Jahr ganz öd gestanden ist und die übrige Zeit nur schlecht betrieben werden konnte, beträgt mindestens in den 22 Jahren die Summe von 13.200 fl. Das Fischwasser der Pegnitz und besonders das Forellenwasser ist öfters gänzlich ausgeraubt worden.“ (1)

Wiedererrichtung des Hammers
Im Frühling 1661 wurde auch das alte Hammerwerk in Ranna wieder repariert und ein neuer Hammer mit eigenem neuen Zulauf errichtet. Der neue Schmiedehammer wurde in Lauf angefertigt, wog 280 Pfund und kostete 14 fl pro Zentner. 1667 fertigte der Balgmacher Adam Schwebl von Birkhof bei Murrach dazu neue Blasbälge.
Das Hammerwerk Ranna konnte seinen Betrieb wieder aufnehmen, die glanzvollen Zeiten kehrten allerdings nach dem 30-jährigen Krieg nicht mehr wieder.

Die Fischzucht
Neben dem Handel mit Eisen und Eisenprodukten war für die Stadt auch die Fischwirtschaft finanziell interessant. Die Verpachtung der Gewässer brachte nämlich ebenfalls Geld in den Stadtsäckel, wie eine Aufstellung aus dem Jahre 1718 zeigt:
Die Karpfenweiher von Ranna hatte der Auerbacher Bürgermeister Johann Georg Gutmann um 30 fl gepachtet. Das fließende Wasser der Pegnitz, das zu den drei städtischen Hammergütern Ranna, Rauhenstein und Fischstein gehört, war mitsamt den zwei Aalkörben, dem Franzenweiherl und einem neu hergerichteten Weiher bei Rauhenstein um 30 fl pro Jahr an den Peter Winter und Michl Knapp, beide von Ranna, mit der Bedingung verpachtet, dass alle gefangenen Forellen um 15 kr pro Pfund an die Stadtkammer abgegeben werden müssen. Die gefangenen Hechte und Karpfen durften die Pächter anderwärts verkaufen. Vertragsgemäß lieferten die Pächter im Jahre 1718 an die Stadt 97 Forellen im Gewicht von 148 Pfund ab. „Die Stadt aber verehrte fast alle Forellen gewissen Herren der Regierung in Amberg, weil man in jener schönen guten alten Zeit ohne Schmieralien nie zu seinem Recht kommen konnte.“ bemerkt Köstler.
Die Gesamteinnahme der Stadtkammer vom Hammergut Ranna betrug in diesem Jahre 1718 immerhin 587 fl.

Wahrscheinlich
könnten uns diese uralten Linden
neben dem Feuerwehrhaus in Ranna
viele interessante Begebenheiten
der Ortschaft erzählen;
die Baumriesen sollen
ein Alter von über 300 Jahren haben.
"Die Tanzlustigen des Dorfes
konnten sich auf einem Tanzboden
in luftiger Höhe vergnügen.
Dieser war in mehreren Metern Höhe
zwischen vier Lindenbäumen aufgehängt.
Mit Hilfe einer Seilrolle
wurde das Bier nach oben gezogen." (4, Seite 37)

Die Freiwillige Feuerwehr Ranna lädt jedes Jahr zum traditionellen Lindenfest ein - zwei der alten "Tanzlinden" stehen noch. (Liste anderer Tanzlinden)

Ortschaft Ranna
Rund um das eigentliche Hammerwerk hatten sich im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Menschen angesiedelt: Ranna war ein richtiges kleines Dorf mit etwa einem Dutzend Wohngebäuden geworden. Die folgende Aufzählung der Häuser und ihrer Bewohner im Jahre 1762 gibt Aufschluss darüber.
Das Wirtshaus hatte Leonhard Reger gepachtet, den hinteren Hof Hans Georg Winter, den vorderen Hof Peter Winter, die Hammermühle Mathias Ziegler. Das Hammerschmiedshäusl bewohnten der Zerrennmeister Johann Kaundorfer und der Schmiedemeister Michael Köppl, das Kohlenmesserhäusl die Anna Hubmeierin, das vordere Schmiedhaus der Schmiedknecht Erhard Kohl, der Aufgießer Johann Konrad, die Tagwerker Georg Konrad und Hans Krieger sowie Elisabeth Hubmeierin, Meilerbrennerswitwe. Im großen Schloßhaus wohnten die Tagwerker Georg Eckert und Martin Konrad, sowie die Witwe Katharina des Peter Konrad. Hans Kohl schließlich lebte als Hirt mit seiner Familie im Hirthaus.

Der Müller Karl Bauer
Von 1805 bis 1829 hatte der Rittergutsbesitzer Jakob von Sonnenburg (er war 1818-1824 Bürgermeister in Auerbach) das Hammerwerk Ranna von der Stadt gepachtet. Er zahlte jährlich 330 fl Pacht. In dieser Zeit wurden das Hammerhaus und die Taglöhnerhäuser neu errichtet.
1807 verkaufte die Stadt auf Befehl der Regierung das Mühlanwesen nebst Schneidsäge, Feldern, Wiesen und Forstrecht an den bisherigen Pächter Georg Bauer, der bei der Versteigerung mit 4.137 fl der Meistbietende war.
1824-1850 war Karl Bauer, ein Sohn des Vorbesitzers, Eigentümer der Mühle. Er hatte 1829-1850 auch das Hammerwerk gepachtet und brachte es zu einem bedeutenden Vermögen. Bei seinem Tode 1850 bestimmte er testamentarisch mit der großen Summe von 16.000 fl die Errichtung einer „Aussteuerstiftung“. „Nach dem Stiftungsbrief soll jedes Kind, das ehelich in Ranna geboren wird, sich in sittlicher Beziehung gut aufführt und, wenn es mindestens 20 Jahre als ist und heiratet, aus den Stiftungsrenten als Aussteuer oder Heiratsgut 200 fl (342 M) bekommen. Die Stiftung soll nur für die Ortschaft Ranna, nicht für die Gemeinde Ranna bestimmt sein und das Stiftungskapital soll, so lange in Ranna wenigstens drei ansässige Familien vorhanden sind, auch im Orte selbst verwaltet werden. Der Stiftungszweck war eigentlich die Eindämmung der Unsittlichkeit unter dem jungen Hammervolk. Die Aussteuer sollte nach Meinung des Stifters eine Prämie sein für die gute sittliche Aufführung bis zum Hochzeitstag.“ Mit diesen Worten beschreibt Köstler die Stiftung Karl Bauers von 1851.

Die Schule in Ranna
Jahrhundertlang hatten die Kinder von Ranna keine Schule am Ort. Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Bayern von 1802 sollten sie nach Auerbach gehen. Wegen der großen Entfernung und auch der Nachlässigkeit der Eltern geschah dies aber entweder gar nicht oder höchst unregelmäßig. 1839-44 sollten die Rannicher Kinder deshalb nach Neuhaus. Da die dortige Schule schon übervoll war, war man ganz froh, dass die Hammerkinder es nicht so genau nahmen mit dem Schulbesuch.
1843 allerdings wurde es ernst, denn die Regierung ordnete die Errichtung eines Schulverweserpostens in Ranna mit einem eigenen Schullokal an. Die Stadt Auerbach musste den Lehrer mit jährlich 25 fl entlohnen und als Schulraum und Lehrerwohnung den Anbau des großen Hammerhauses abtreten. Am Nikolaustag 1843, dem 6. Dezember also, war dann der erste Schultag in Ranna. Als 1862 das Hammerhaus abgebrochen wurde, musste die Schule vorübergehend nach Rauhenstein übersiedeln.
1867 wurde in Ranna erstmals ein eigenes Schulhaus errichtet bzw. wohl in einem schon bestehenden Haus eingerichtet.

Dieses 1. Schulhaus in Ranna
(Foto aus 4, Seite 37)
wurde 1931 gründlich
um- und ausgebaut.

Das Gebäude im Hintergrund des folgenden Fotos zeigt das Schulhaus in Ranna nach 1931/32. Nach einigen kleineren Umbauten blieb es bis 1967 Schulhaus, und war danach ein Teil des Alten- und Pflegeheimes St. Antonius.

Auf diesem Foto (Archiv Beier) von 1959 sind alle Schülerinnen und Schüler mit ihren beiden Lehrkräften Hauptlehrer Alois Philipp (+) und Junglehrerin Barbara Beier, sowie das Schulhaus von Ranna zu sehen. 

Das Ende des Hammers Ranna
Nach dem Tode von Karl Bauer kaufte die  Stadt Auerbach 1850 das Mühlanwesen in Ranna um 6.500 fl wieder zurück und verpachtete es an den Müller Johann Siegert von Metzenhof.
Die oberpfälzische Eisenindustrie aber konnte insgesamt mit den großen Eisenwerken vor allem im damaligen Westfalen und in der Steiermark nicht mehr konkurrieren. Von den vielen einheimischen Hochöfen erlosch einer nach dem andern. In Ranna wurde zwar fleißig das viele Rechtholz verpulvert, dafür aber verhältnismäßig wenig Eisen produziert. Auf Drängen der Regierung und vor allem der Forstverwaltung, die den großen Holzverbrauch beklagte, verkaufte Auerbach schließlich 1859/60 die Hämmer Ranna und Fischstein an den Staat. Bürgermeister Leonhard Neumüller nahm am 21. Juni 1860 in Regensburg dafür 80.750 fl in Silber bar entgegen und transportierte das viele Geld in einer festen Holzkiste auf einem einfachen Leiterwagen nach Auerbach.
Die meisten der alten Hammergebäude wurden in den folgenden Jahren abgebrochen. Der Müller Georg Michl Rauh von Zogenreuth erwarb 1865 den Rest des Gutes und betrieb die Mühle weiter, die in den Folgejahren häufig von Bränden heimgesucht wurde.

Der Erztransport
Fast gleichzeitig mit dem Ende des uralten Hammerwerkes wurde Ranna durch den Bau der Eisenbahnlinie Nürnberg – Schnabelwaid - Bayreuth an den Schienenverkehr angebunden; der Bahnhof Ranna (der Genauigkeit halber sei erwähnt, dass er in der Nachbargemeinde Mosenberg lag) wurde am 15. Juli 1876 seiner Bestimmung übergeben.
Und schon war Ranna wieder mit dem Eisenerz in Verbindung, denn von Auerbach nach Sulzbach-Rosenberg zur Verhüttung führte dessen Weg nun über den Bahnhof Ranna. Da der Transport mit Fuhrwerken sehr unwirtschaftlich war, ließ die Maxhütte 1882/83 von Auerbach bis Ranna eine Drahtseilbahn errichten, die mit 8,5 km Länge als die längste in Deutschland bezeichnet wurde. Auf der Hohen Tanne baute man eine Zwischenstation mit einer Dampfmaschine. Der dort eingesetzte Maschinist erhielt ein eigenes Haus, welches bald auch die Erlaubnis zum Bierausschank bekam, und heute noch als Gasthaus betrieben wird.
Als 1903 vor allem auf Betreiben der Maxhütte die Lokalbahn Auerbach - Ranna eingerichtet wurde, stellte man den Betrieb der Drahtseilbahn ein und baute sie ab.
Doch auch die Lokalbahn gehört heute bereits der Geschichte an, denn im Februar 1970 wurden der Personenverkehr und im Mai 1982 der gesamte Schienenverkehr eingestellt. Die Stadt Auerbach erwarb die Bahntrasse und errichtet auf Teilen davon einen Fuß- und Radweg ein.

Die „Villa“ in Ranna
1899 erwarben die jüdischen Kaufleute Mager und Schopflocher, Besitzer der gleichnamigen Bronzefabrik in Fürth, das Mühlenanwesen in Ranna. Anstelle der Mahl- und Sägemühle richteten sie zwei Jahre später ein Metallhammerwerk und eine Bronzefarbenfabrik ein.

Ganz links auf diesem Foto (ca. 1900; Archiv G. Krapf) ist das ehemalige Müllerwohnhaus zu sehen, daran rechts angebaut die vormalige Kunstmühle. In den Gebäuden befand sich jetzt das Metallhammerwerk. Beide Gebäude brannten 1913 ab und wurden durch den Neubau einer Bronzefarbenfabrik ersetzt. Auf dem Bild vorne stand ursprünglich die Säge. An ihrer Stelle haben die Gebr. Schopflocher eine Bronzefarbenfabrik mit Kesselhaus und Dampfmaschine eingerichtet, ab 1914 wurde das Gebäude dann als Aluminiumbronze-Fabrik genutzt.

Diese Fabrikgebäude (Foto aus 4, Seite 43) stammten wohl noch aus dem 19. Jahrhundert und mussten erst den Neubauten des Wellpappenwerkes Ranna (siehe weiter unten) ab 1965 weichen.

Als im Juli 1911 das alterwürdige Wirtshaus in Ranna abbrannte, errichtete Julius Schopflocher an seiner Stelle das schöne Fachwerkhaus. Die so genannte "Villa" diente zunächst als Wohn- und Verwaltungsgebäude.

Die Villa in Ranna ist ein Gebäude mit viel Charme,
war aber leider über Jahre in einem nicht guten Zustand.
Nach einer gründlichen Sanierung
eröffneten 2012 die neuen Eigentümer
das Kultlokal GrenZZoigl Ranna

„Nach dem Niedergang dieser Firma übernahm etwa 1931 oder 1932 die EWAG Nürnberg (...) das gesamte Betriebsgelände mit dem Haus und vermietete die Firma an Rudolf Sauerstein, der unter dem Firmennamen Orba ebenfalls Lacke und Farben herstellte. Sauerstein stammte aus Leipzig und betrieb diese chemische Fabrik bis 1960, allerdings mit Unterbrechung. Sauerstein wohnte bis zuletzt in diesem Haus. ... Noch vor dem Frankreichfeldzug, der im Mai 1940 begann, wurden im März oder April in das Haus Truppen einquartiert. Die berittenen Soldaten mußten jeden Abend zum Appell antreten . ... Nach Ende des Krieges übernahm wieder Rudolf Sauerstein die Firma, die 1960 Konkurs anmelden mußte. Nach Auflösung der Orte Rauhenstein und Fischstein wurde etwa 1962 das Haus mit Mietern belegt, die die aufgelösten Ortschaften verlassen mußten.“ (4, Seite 41)

Die Feuerwehr Ranna
Auf Anregung des damaligen 1. Bürgermeisters Karl Winter wurde am 16. Juli 1949 die Freiwillige Feuerwehr Ranna ins Leben gerufen. Weitere Gründungsmitglieder in dieser schweren Nachkriegszeit waren Dahl Otto, Dietrich Hans, Gößwein Johann, Graf Hans, Holzmann Alois, Lochschmidt Erwin, Lochschmidt Franz, Maul Georg, Prößl Hans, Regn Hans, Scheibeck Franz, Winter Franz, Winter Hans und Winter Richard. Einen Monat später trat Josef Bachmann als "erstes Neumitglied" bei.

Ein wichtiger Meilenstein
in der jungen Geschichte
der Feuerwehr Ranna
war die Einweihung
des auch mit großer
Eigenleistung der Mitglieder
erstellten Gerätehauses
am 11. September 1988.

Ihr 60. Gründungsfest (nn) mit Fahrzeugweihe beging die Wehr am 20. Juni 2010.

Das Wellpappenwerk
Im November 1965 nahm nach größeren Um- und Neubauarbeiten auf dem Gelände der alten Mühle das Wellpappenwerk Ranna seinen Betrieb auf. Fast 20 Jahre lang bis 1984 fanden darin zahlreiche Menschen Arbeit und Brot.

Konsul Konrad Ströbel,
der Inhaber des Wellpappenwerkes
und spätere Ehrenbürger von Ranna,
ließ 1969 auch das Hochhaus errichten. (Foto aus 5)

Das Fabrikgelände gehörte seit 1988 der Kaiserbräu in Neuhaus, die es einige Jahre später an die EWAG verkaufte, welche es wiederum gegen Ende des 20. Jahrhunderts abreißen ließ.

Dieses Foto (aus 6) zeigt die Fabrikhalle kurz vor ihrem Abbruch. Links ist das 1988 eingeweihte Feuerwehrhaus Ranna zu sehen, das mit großem Einsatz der Feuerwehrkameraden durch die Stadt Auerbach errichtet wurde.

Das Hochhaus (links), das ursprünglich reinen Wohnzwecken diente, wurde zum "Alten- und Pflegeheim St. Antonius" umfunktioniert. Auch das frühere Schulgebäude (ganz rechts) wurde durch einen Verbindungsbau mit einbezogen. Hier fanden bis 2008 etwa 100 Pflegebedürftige eine Heimat und einige Einheimische einen Arbeitsplatz. Nach einer gründlichen Sanierung befindet sich hier seit 2013 ein modernes Alten- und Pflegeheim, das Pflegezentrum an der Magdalenenkapelle.

Nach langen Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern konnte die Stadt Auerbach, zu der Ranna seit 1972 gehört, im Frühjahr 2002 den lang ersehnten Fuß- und Radweg vom Ort zur Magdalenenkapelle auf dem Löhnersberg errichten. Damit wurde der Weg zur Kirche sicherer und angenehmer.

Noch Vieles wäre aus der Vergangenheit des alten Hammers Ranna und der sich um ihn im Laufe der Zeit entstandenen Ortschaft gleichen Namens zu sagen. Eines kann auf jeden Fall festgestellt werden: Das Magdalenenkirchlein hat die Stürme der Jahrhunderte überdauert und ist heute wieder stolzer Mittelpunkt des Dorfes!

Bei der Magdalenenkirche steht das Kriegerehrenmal der Pfarrgemeinde, welches von der örtlichen Kriegerkameradschaft liebevoll erhalten und gepflegt wird.
Besonders am Vorabend des Volkstrauertages versammeln sich mit den örtlichen Vereinen zahlreiche Menschen, um ihrer Gefallenen und Vermissten zu gedenken und für den Frieden zu demonstrieren.

verwendete Quellen

1 Köstler, Joseph, Kirchen- und Schulgeschichte, Band XIX, (S. 318 ff), Lagerort Archiv der Stadt Auerbach
2 Staatliche Archive Bayern
3 Dimler, Andreas, Marktgemeinde Neuhaus 'Gestern und Heute', Neuhaus 1989
4 Klier, Monika und Wolfgang, Ranna, in Festschrift 40 Jahre Feuerwehr Ranna, Ranna 1988
5 Archiv Hans Winter, Rauhenstein
6 Archiv Udo Wilke, Ranna
Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, Auerbach 1976

Mir san ja die lustign Hammerschmiedgselln

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 1. März 2016

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