Barbaraberg
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Der Barbaraberg

Knapp einen Kilometer nordöstlich vom Kloster Speinshart und in Sichtweite davon erhebt sich ein kleiner Hügel, der Barbaraberg (520 m NN). Er ist mit der Geschichte des Prämonstratenserstifts, aber auch mit den Menschen der ganzen Gegend über Jahrhunderte aufs engste verbunden. Wie neuere Forschungen ergeben haben, war dort auch ein slawischer Friedhof.
Die erste bekannte Nennung einer "capella sancte Barbare in monte" findet sich erst in einem Kirchenvisitationsprotokoll von 1508.
(6, Seite 67) Aber bereits vorher soll hier eine Kapelle gestanden haben, und im 14. Jahrhundert heißt es, viele Menschen zogen "zum Kirchl der heiligen Barbara hinauf, um dort vor der Gnadenstatue, einem aus Holz geschnitzten Bildnis der heiligen Barbara mit dem Turm, zu beten. 
Als das Wallfahren in der Zeit der Glaubensspaltung unter Strafe verboten wurde, gingen die Leute dessungeachtet während der Nacht zur Kapelle. Da aber dieselbe verschlossen war, haben sie ihre dahingebrachten Opfer unten bei der Kirchtür eingeschoben oder beim Fenster hineinfallen lassen."
(1, Seite 46)

Erste Kirche
auf dem Barbaraberg
bereits
um das Jahr 1000

Bei den Ausgrabungen in den Jahren 1992 bis 1995 konnte man auch diese Chor- und Langhausfundamente freilegen, die beweisen, dass auf dem Barbaraberg bereits um das Jahr 1000 eine mittelalterliche Kirche stand.
(Foto: Anja Heidenreich; siehe auch Literatur 6)

Da die heilige Barbara u. a. die Patronin der Bergleute ist, wird sie natürlich auch in der "Bergstadt Auerbach" besonders verehrt.
Mit der Aufhebung des Klosters Speinshart anno 1556 verfiel das Kirchlein auf dem Barbaraberg allmählich, und erst rund 100 Jahre später erstand zusammen mit dem Kloster auch dieses alte Heiligtum wieder.
"1661 hat sich der Stadtpfarrer von Kemnath um den Wiederaufbau einer Kapelle auf der alten Stätte bemüht, das Gnadenbild der Spätgotik war ja glücklich erhalten worden."
(2, Seite 14) Es "erfolgten umfangreiche Instandsetzungsarbeiten, währenddessen das ruinöse Langhaus mit einem neuen Dach versehen wurde, man den Innenraum mit Holzbänken für ca. 120 Gläubige ausstatten ließ sowie der Boden eine Ziegelpflasterung erhielt. 1670 schließlich führten zwei Maurer die ausgebrochenen Wände des alten Turmes neu auf, so daß ein neuer, zweigeschossiger Turm mit darüberliegendem Glockengeschoß entstand. Weiterhin erfolgte die Anlage einer Sakristei, deren gesonderte Eindeckung mit eichnernen Schindeln genannt wird. Ein Messnerhaus mit den Abmessungen von ca. 9m x 5m in Kirchennähe komplettierte die Baumaßnahmen des 17. Jahrhunderts." (6, Seite 68)

Dieser Kupferstich (Ausschnitt)
aus der Zeit um 1670
zeigt den Barbaraberg und
"eine kleine Saalkirche
mit Rundbogenfenstern
sowie je eine Rundbogentüre
an der Westwand und nahe der Westecke der südlichen Langhauswand".
(Text aus 6, Seite 66; Foto aus 7, Seite 137)

Neubau im 18. Jahrhundert
"Die Wallfahrt blühte neu auf und erreichte in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt.

Deshalb ließ
Abt Dominikus von Lieblein
1741 die alte einfache Kirche
abbrechen und durch einen Neubau
nach den Plänen seines Baudirektors
P. Hugo Strauß ersetzen.
Der spätere Maurermeister
von Kirchenthumbach
Thomas Preysinger
war hierbei als Polier tätig.
Am 26. 8. 1756
wurde sie feierlich eingeweiht."
(2, Seite 14)
Abt Lieblein (1734-71)
ließ sein Wappen
(rechts, aus 7, Seite 147)
über dem Eingang
der Barbarakirche anbringen.

Dem Neubau unter Abt Dominikus lagen wohl auch wirtschaftliche Überlegungen zu Grunde. "Schriftquellen des 17. Jahrhunderts belegen eindrucksvoll den finanziellen Gewinn aus der Wallfahrtskirche zur Heiligen Barbara bei Speinshart, da von dort mehrmals beachtliche Beträge zur Fertigstellung des neuen Klosters verliehen worden sind. Um die Zahl der Wallfahrer und damit auch die Opfereinnahmen zu steigern, kam es schließlich im 18. Jahrhundert zum Bau der ... deutlich größeren Anlage." (6, Seite 68)

Auf dem "Idealplan"
des Klosters Speinshart
(4, Seite 137), erschienen 1749,
ist als Detail auch die neue Anlage
auf dem Barbaraberg  abgebildet.
Sie war zu diesem Zeitpunkt
sicher noch nicht fertig, sondern
stand im Rohbau, der 1741-44
 zusammen mit dem Turm doch
relativ schnell errichtet worden war.
Die Inneneinrichtung erfolgte,
wohl aus finanziellen Gründen,
erst ab 1753.
(nach 3, Seite 64) 

"Die Grundform bildete ein griechisches Kreuz, dessen Längsbalken im Osten für den Altar, im Westen für die Orgelempore verlängert war und wie der Querbalken beiderseits halbrund schloß. ... Dem Bau war eine stattliche, breitgezogene, zweigeschossige Fassade vorgelegt, welche ein Dreiecksgiebel krönte, und hinter der sich ein aus Holz gebauter Turm erhob. Die Fassade flankiert rechts und links ein zweigeschossiges Wohnhaus aus Quadern, das der Wallfahrtsseelsorge und der Erholung der Patres diente. Im Innern war der kreuzförmige Hauptraum mit einem Tonnengewölbe überspannt, reich mit eleganten, sehr flachen Rokokostukkaturen verziert, weiß auf rotem Grund, nur die Blätter und Ranken waren grün. Die Kirche war einheitlich im Rokokostil mit fünf Altären, Kanzel, Orgel und Gestühl errichtet." (2, Seite 15)

Die "St. Barbara-Bruderschaft vom guten Tod"

wurde vier Jahre
nach der Weihe der neuen Kirche
am 22. Juli 1760
feierlich  eingeführt.
Sie besteht
bis auf den heutigen Tag,
wurde 1933
vom damaligen Regensburger
Bischof Michael Buchberger
neuerdings wieder errichtet
und hatte 1994 immerhin
über 900 Mitglieder.
(5, Foto Seite 168)

Caroline von Flotow, 1774 in Arzberg geborene Tochter eines preußischen Offiziers und evangelisch, besuchte "am Magdalenenfest am 22. Juli 1802 den Barbaraberg, um - was offenbar nicht ungewöhnlich war - dem Hochamt mit Musik beizuwohnen. Das Magdalenenfest scheint neben dem Speinsharter Rosenkranzfest nicht nur eines der großen kirchlichen, sondern auch gesellschaftlichen Speinsharter Ereignisse gewesen zu sein, bei dem sich auch der Adel der Umgebung einfand. In ihren Aufzeichnungen beschreibt Caroline von Flotow die Barbarabergkirche: Die Kirche ist zwar nicht groß, aber sehr schön, in der Form eines Kreuzes gebaut, in dessen drei Spitzen drei Altäre und in der vierten die Orgel samt dem Chor sich befinden. Sie ist stark mit Stuckaturarbeit, Vergoldungen und Malereien verziert. Der Stoff zu den letzteren ist die Geschichte der Hl. Barbara, vorzüglich die Martern derselben, welche aber schauderhaft anzusehen sind. ... Auch die Aussicht ist hier sehr schön, eine Allee führt zu dem Kloster hinab." (3, Seite 68)

Säkularisation 1803 und Verfall
Aber schon bald zogen wieder schwarze Wolken herauf. "Als dann die Säkularisation auch über die oberpfälzischen Klöster hinwegbrauste und Speinshart der Auflösung verfiel, da war es auch mit der Herrlichkeit der St.-Barbara-Kirche vorbei. Man verkaufte sie samt Anbauten an einen Freiherrn von Malsen, der alljährlich zum Sommeraufenthalt auf den Barbaraberg kam." (8, Seite 499f)
Nach einem knappen Jahrhundert der Blüte stand nun 1803 das erneuet Aus für die Wallfahrtstätte an. "Die Wohngebäude mit der Kirche wurden verkauft, die Kirche ausgeraubt, die Altäre, ein Werk des Schreiners und Laubschneiders Johann Mich. Luybl in Bruck, veräußert (zwei kamen nach Erbendorf, einer nach Kirchendemenreuth, der Hochaltar 1839 nach Bärnau, die Kanzel nach Parkstein), die Kirche selbst wurde zu einer Scheune degradiert, nachdem man auch den Turm abgetragen hatte." (2, Seite 15)
"Durch den wenige Jahre später anschließenden Übergang von Kirche und Nebengebäuden in bäuerliche Hand war der entsprechende Bauunterhalt nicht mehr gewährleistet. Aber erst relativ spät, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, erfolgte die Zerstörung dieses bedeutenden Kirchenbaues. Schäden im Dachwerk hatten 1888 den Abbruch des gesamten Mittelbereichs, einschließlich der Vierungskuppel der Kirche, zur Folge. Die verbliebenen Gebäudeteile wurden landwirtschaftliche Nebengebäude." (3, Seite 65)
Das einstige Kleinod muss kurz nach 1900 schon einen erbärmlichen Eindruck gemacht haben: "Das Ganze ein schöner Bau in reicher, feiner und guter Steinmetzarbeit der oberfränkischen Kunstzone, malerisch auf dem Berge stehend inmitten von grünen Matten und Obstbäumen, aber stark verwittert. Zwei Zwergföhren und Rosensträucher auf dem Kraggesims der Westfassade grünen tröstend über der Verfallstätte; verlassen steht die Patronin St. Barbara in ihrer Nische am Westgiebel, nur ein neues Glöcklein über ihr umtönt sie beim Aveläuten mit der Erinnerung an ferne Zeit. Westlich von der Ruine steht am Rande des Plateaus eine lebensgroße Sandsteinstatue der hl. Barbara, Rokoko." (4, Seite 35)
Zu all dem Unglück schlug 1914 auch noch der Blitz ein und fügte der hier angesprochenen Fassade weitere große Schäden zu.

"Letzte Rettung"
Und wieder, wie schon im 18. Jahrhundert, nahte fast in letzter Minute die Rettung vor dem endgültigen Verfall: "Der Münchner Domkapitular Prälat Dr. Michael Hartig erwarb im Jahre 1919 die Überreste der Kirche und ließ darauf die heutige Kapelle erbauen, welche 1921 eingeweiht wurde. Später schenkte er das Kirchlein und die erworbenen Gebäude dem wiedererstandenen Kloster Speinshart." (1, Seite 15)
Das 1923 wieder von den Prämonstratensern übernommene Kloster Speinshart erwarb in den Folgejahren auch die restlichen Teile des Barbarabergs mit den Nebengebäuden.
Einige bereits im Detail ausgearbeitete Pläne für eine Wiedererrichtung der Kirche kamen aus verschiedenen Gründen leider nicht zur Ausführung. "Der Bauzustand des Jahres 1921 blieb bis in die jüngste Zeit erhalten. 1977 wurden die Fassaden und Dachwerke der Gebäudeteile instand gesetzt. 1992/93 folgte eine Innenrenovierung des Kapellenbaues von 1921."
(3, Seite 66)

"Sehr schön ist der Blick vom Barbaraberg, weitum, namentlich auch auf den Rauhen Kulm, der von hier aus dicht bewaldet erscheint und schwarz und ernst dasteht mit drohend aufgesetzter Haube; links vom Rauhen Kulm der Kleine Kulm mit Neustadt." (4, Seite 36)

Ausgrabungen 1992-95

Dieser Plan der Kirche auf dem Barbaraberg (7, Seite 151, aufgetragen von Dipl.-Ing. Peter K. Trottmann, Architekturbüro E. Rosenbaum, Regensburg) zeigt deren einzelne Bauphasen und den heutigen Bestand. Grundlage für diese Zeichnung waren die umfangreichen Ausgrabungen vor Ort in den Jahren 1992-95, die Frau Heidenreich in ihrem Buch (6) sauber dokumentiert hat. "Der in den frühneuzeitlichen Quellen häufig nur als Kapelle bezeichnete Bau (Anm.: im Plan gelb) besaß eine beträchtliche Grundfläche von 17 m Länge und 8 m Breite. Sein annähernd quadratischer Chor war mit 6 m Breite gegenüber dem Langhaus nur wenig eingezogen und hatte an der äußeren Gesamtlänge einen Anteil von 5,5 m, so daß sich für das Längenverhältnis von Langhaus zu Chor etwa 2:1 ergab. Der Westanbau vergrößerte das Gebäude bei gleicher Mauerflucht um weitere 4,2 m zu einer Gesamtlänge von 21,3 m. Die Fundamente besaßen eine durchgehende Breite von 1,1 m, ..." (6, Seite 70)
"Beim Neubau der Kirche im 18. Jahrhundert (Anm.: im Plan rot) waren die alten Mauern bis auf die untersten beiden Lagen, teils auch bis auf die letzte Lage ausgebrochen worden. ... Im flächig verteilten Schutt der gegen 1740 eingelegten alten Kirche fanden sich außerdem Reste von Butzenscheiben und Bleiverglasungen ... Ein Silberkreuzer aus dem Jahre 1725 bestätigte die schriftlich genannte Einlegung."
(6, Seite 71f)


"Heute ist der Barbaraberg wieder ein beliebter
und gern besuchter Ausflugsort."
(1, Seite 15)

Traditionsgemäß begeht die Pfarrgemeinde Speinshart nun schon seit fast zwei Jahrzehnten auf dem Barbaraberg ihr Pfarrfest. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall; den Termin für heuer findet man zu gegebener Zeit hier.

Literaturangaben

1 Motyka, Gustl, Kloster Speinshart
Pinsker-Verlag Mainburg, 1978
2 Hartig, Dr. Michael, in Schnell Kunstführer Nr. 557
siebte Auflage von 1975
3 Mörtl, Adolf, in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Regensburg 1996
4 Hager, Georg, Die Kunstdenkmäler von Bayern
Band XI, Bezirksamt Eschenbach, München 1909
5 Scharrer, Werner, Die Sankt-Barbara-Bruderschaft vom guten Tod, in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995
6 Heidenreich, Anja, Ein slawischer Friedhof mit Kirche auf dem Barbaraberg im Landkreis Neustadt/Waldnaab, Bodner-Verlag Pressath, 1998
7 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
8 Sieghart, August, Oberpfalz, Heroldsberg bei Nürnberg, 1977

Wofgang Amadeus Mozart (1756-91)
Die Hochzeit des Figaro, Ouvertüre

letzte Bearbeitung dieses Artikels: 19. November 2008

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