Johann Michael Doser
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Doser, Johann Michael, auch Dosser
Bildhauer, Holzschnitzer,
* 20. 4. 1678 Degelsdorf bei Auerbach (Oberpfalz)
† 13. 11. 1756 Auerbach (Oberpfalz).

(Quelle: Deutsche Biographische Enzyklopädie)

(Foto: Engel eines Doser-Altares in der
Pfarrkirche St. Johannes in Auerbach)

Der Barockkünstler
Johann Michael Doser
aus Auerbach

Johann Michael Doser
ist ein bedeutender lokaler
Barock-Künstler,
der besonders durch seine
Akanthus-Schnitzereien
bekannt wurde.

(Diese Bilder zeigen Details aus Altären der Auerbacher Pfarrkirche St. Johannes der Täufer)

Dosers Kindheit und Jugend
Johann Michael Doser kam am 20. April 1678 in Degelsdorf als Sohn des Hans Adam Doser und seiner Ehefrau Christina zur Welt. Der kleine Ort Degelsdorf liegt etwa 2,5 km nordöstlich von Auerbach und gehört seit der Gemeindegebietsreform 1978 zu unserer Stadt.
Dosers Vater Hans Adam war Soldat einer bairischen Kavallerieeinheit und wohl aus dem Allgäuer oder Südtiroler Raum in unsere Gegend gekommen. Nach Beendigung seiner Dienstzeit blieb er zusammen mit seiner Frau Christina, der sechsjährigen Tochter Ursula und dem kleinen Johann Michael zunächst noch hier.
Da der gelernte Schreiner in Auerbach keine Genehmigung zur  Ausübung seines Handwerks erhielt, zog er mit seiner Familie nach Schnaittach, wo er am 4. Oktober 1679 als Bürger aufgenommen wurde.
Damit endet zumindest für ein paar Jahre die direkte Verbindung Johann Michael Dosers mit Auerbach. Seine Mutter Christina starb 1684, und Vater Hans Adam heiratete bald wieder. Seine zweite Frau Kunigunde gebar ihm weitere sechs Kinder.
Johann Michael blieb in der Familie, bis er mit 17 Jahren 1695 eine längere „Wanderschaft“ begann, wie dies damals bei Handwerkern allgemein üblich war. Im gleichen Jahr starb auch sein Vater Hans Adam in Schnaittach.

Rückkehr Johann Michaels
Wohin der Weg des jungen Doser führte, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden. Sehr wahrscheinlich kam er auch nach Böhmen, der Heimat der „Akan­thusaltäre“. Vielleicht lernte Johann Michael dabei in Prag u. a. den Hofbildhauer Hieronymus Kohl kennen, einen wahren Meister seines Faches, der 1632 in Schlaggenwald im Egerland zur Welt gekommen war.
Für die nach dem 2. Weltkrieg aus ihrer angestammten Heimat vertriebenen Schlaggenwalder ist unser Auerbach seit 1956 Patenstadt. Ein weiterer, wenn auch erst in unseren Tagen zustande gekommener Berührungspunkt Dosers mit Auerbach ist in dieser Patenschaft zu sehen.
27jährig kehrte Johann Michael Doser mit seiner Frau Maria Dorothea 1705 nach  Schnaittach zurück. Seine Stiefmutter Kunigunde hatte inzwischen den schwäbischen Schrei­ner Anton Spiehl geheiratet, der die Doser'sche Werkstatt weiterbetrieb.
Johann Michael arbeitete nun als selbständiger Bildhauer.

Übersiedlung nach Auerbach
Es waren sicher mehrere Gründe, die Johann Michael Doser bald darauf bewogen, seinen Sitz nach Auerbach zu verlegen: zwei Werkstätten in Schnaittach waren wohl zu viel, und eine Ausweitung in das Nürnberger oder Bayreuther Umland schien wegen der dort dominierenden markgräflichen Hofschnitzer ziemlich aussichtslos. Im katholisch kurfürstlich-bairischen Auerbach erhoffte sich der Künstler wohl auch ein besseres Arbeitsfeld.

Der eigentliche Umzug
erfolgte wahrscheinlich
um die Jahreswende
von 1710 auf 1711,
denn den Marienaltar
für die hiesige Pfarrkirche
lieferte Doser 1710
noch von Schnaittach aus,
während seiner Frau
und ihm am 5. April 1711
bereits in Auerbach
eines der insgesamt 11 Kinder
geboren wurde.

Wohnung und Werkstatt hatte die Familie Doser im Haus Nummer 124 (heute Untere Vorstadt 1) genommen. Besitzer des Anwesens in diesen Jahren war u. a. Bürgermeister Johann Georg Gutmann, der selbst im Haus Nr. 112 (heute Unterer Markt 8) wohnte. 

Dosersche Werke
In Auerbach begann nun eine überaus schaffensreiche Zeit für den jungen Künstlers. „An etwa siebzig Orten hat Doser Altäre, Kanzeln, Kirchen- und Beichtstühle errichtet, Hunderte von Statuen und Kruzifixe gehen auf ihn und seine Werkstatt zurück.“ (1, S. 38) So heißt es bei Hamperl/Rohner, den beiden Kennern der Doserschen Werke.

Die Laubwerk- und Blumbischl- oder Akanthusaltäre
Die bekanntesten und auffälligsten Werke Johann Michael Dosers in seiner Heimatstadt Auerbach sind die „Laubwerk-“ und „Blumbischl-“ oder „Akan­thus­altäre“ in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer.
Zunächst ein paar Bemerkungen allgemeiner Art dazu: „Der in Deutschland besonders in der Oberpfalz verbreitete Akanthusaltar ist eine regionale Erscheinungsform des Barockaltares.“ (2, S. 136)
Der „Akanthus, die Lieblingszier des Barock“ (1, S. 6) heißt auf deutsch „Bärenklau“, und gehört zu einer Gruppe von ca. 30 verwandten distelartigen Holz- oder Staudengewächsen, von denen einige im Mittelmeerraum  beheimatet sind. In der Kunst erstmals verwendet wurde der „Akanthus“ bei den Kapitellen der Korinthischen Säulen im antiken Griechenland etwa in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus. Für das Christentum symbolisiert der „Akanthus“ übrigens die Unsterblichkeit.
Johann Michael Doser lernte wie schon gesagt diese Form des Barockaltares wohl in den Jahren seiner Wanderschaft (1695 bis 1705) in Böhmen selbst kennen.

Jakobusaltar

Sebastianaltar

Im Auftrag von Geistlichem Rat Kaspar Frey (1694 bis 1722 hier Pfarrer) schuf Doser für die Pfarrkirche in Auerbach vier solcher Altäre, über die es bei Hamperl/ Rohner u. a. treffend heißt: „Die Laub- und Blumbischlaltäre gehören paarweise zusammen. ... Die zwei vorderen und wohl etwas späteren Altäre St. Sebastian und Maria zeigen eine meisterhafte, fast verwirrende Verschlungenheit von Ranke, Band und Blumen. Dabei sind Astwerk und Blüten mit solch kreatürlicher Liebe und voller Lebensfreude in die Ranken eingebunden, daß schließ­lich das Silberband das Ganze zu einem bräutlichen Strauß für die Gottesmutter und zum Siegeskranz für den hl. Märtyrer vereint. Auch die Altäre von ... St. Jakobus und St. Barbara ergeben zusammen ein Paar,  ... . Hier dominiert allein das klassische Rankenelement. Meterlange saftige Wedel winden sich bis hinauf zur Kartusche. Die vier ... Blumbischl wurden der strengen Akanthusschnitzerei einfach aufgesetzt. Sie sollen der Belebung und Anpassung an das vordere Altarpaar  dienen. Und nicht possierliche Engelskinder tummeln sich auf den Zweigen, son­dern zwei 'phlegmatische Faulenzer' räkeln sich im Geäst.“ (1, S. 42)

Weitere Werke Johann Michael Dosers

Für die Pfarrkirche Auerbachs schuf Johann Michael Doser u. a. auch noch den Altar in der „Annakapelle“, die sechs etwa lebensgroßen Holzfiguren der Bistumsgründer Kunigunde und Heinrich, des alten Kirchenpatrons Jakobus (Foto rechts) und des neuen Johannes des Täufers (Foto links), sowie der beiden Heiligen Barbara und Florian.
Auch die künstlerische Ausgestaltung des Aufbaues der Brandenstein-Orgel in dieser Kirche, einem der schönsten Orgelprospekte der Gegend, stammt von Doser.

Spital-, Friedhofs- und Gottvaterbergkirche enthalten ebenso wie die Magdalenenkapelle in Ranna und die Leonhardskirche in Michelfeld Werke des Auerbacher Künstlers Johann Michael Doser.

Auch der Hochaltar der Kirche St. Georg in Neuzirkendorf, die ab 1701 wieder zum Kloster Michelfeld gehörte, stammt von Doser.
"Während Johann Michael Doser die Abteikirche Michelfeld verwehrt blieb, fand er doch Eingang in der Klosterfiliale Neuzirkendorf und konnte dort in die alte gotische Rahmenumgebung einen seiner schönen Altäre stellen ... Alles ist hier in lebhafter Bewegung: Die Gewänder der hll. Bistumspatrone Heinrich und Kunigunde bauschen sich schwungvoll; die seitlichen Akanthusbaldachine zeigen ausladend mäanderartige Ausschwünge; das Altarbild zeigt den hl. Georg; der Aufzug ist zwar vereinfacht, weist aber mit seinen Kurven, schwebenden Engeln, Goldschnüren und Vasen auf das nahe Rokoko." (3, S. 61)  

Dieser geschnitzte hl. Florian
steht in einer Nische des Hauses
Dr.-Heinrich-Stromer-Straße 9
(beim "Langerfranzn").
Der Hauseigentümer ließ
die Statue nach dem Brand von 1716,
bei dem die Anwesen 242, 243 und 244
eingeäschert wurden, anbringen.

Das Hauptbetätigungsfeld Dosers war zweifelsohne die Holzschnitzerei, doch betätigte er sich künstlerisch auch erfolgreich mit anderen Materialien, wie die folgenden Beispiele beweisen.

Vor dem ehemaligen Amtsgericht (seit 1973  Polizeiinspektion) am Oberen Torplatz in Auerbach steht diese von Doser 1723 gefertigte Sandsteinplastik der Immakulata, die oben auf der Mittelsäule steht. Das Foto links zeigt die Heiligen Sebastian und Florian am Fuße der Säule.

Das schmiedeeiserne
ehemalige Prozessionskreuz
auf einer hohen Steinsäule
vor dem Eingang zum Michelfelder Friedhof
(Foto rechts) mit der Kirche
St. Leonhard wird ebenfalls
dem Auerbacher Künstler Doser
zugeschrieben. Dies ist ein
gutes Beispiel für Dosers
Arbeit mit Metall.

Werke von Johann Michael Doser findet man u. a. in der St. Vitus Kirche in Schnaittenbach, in der Pfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" in Neunkirchen am Sand, in der Marienkirche in Pegnitz (viersäuliger Choraltar; dort stehen seit 1939 drei Altäre, Kanzel und Kreuzweg aus der bei der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr aufgelassenen Kirche von Dornbach) und an vielen anderen Orten.

"Eine gute Leistung aus der Werkstatt Dosers um 1725 stellt auch die Kanzel (Anm.: der Pegnitzer Marienkirche) dar. Am polygonen, mit Blumengewinden geschmückten Korb befinden sich die lebhaft bewegten Statuetten der Kirchenväter, über den Muscheln kleine Engelsköpfe; auf dem Schalldeckel eine Volutenkrone mit der Gestalt des Christkindes." (3, S. 76)
1994/95 wurde die Pegnitzer Marienkirche und mit ihr die Werke Dosers gründlich restauriert.

Als Johann Michael Doser am 13. November 1756 im Alter von über 78 Jahren starb, legte ein Künstler Schnitzmesser und Meißel aus der Hand, der weit über die Grenzen seiner Heimatstadt Auerbach hinaus Werke von unvergänglicher Bedeutung und Schönheit geschaffen hatte.

Literaturangaben

1 Hamperl, Wolf-Dieter / Rohner, Aquilas, Böhmisch-oberpfälzische Akanthusaltäre, Verlag Schnell und Steiner, München, 1984 
2 Jacob, Rolf, Gedanken zur Bedeutung der  Oberpfälzer Akanthusaltäre, in Oberpfälzer Heimat, Band 33, Weiden 1989
3 Hamperl, Wolf-Dieter / Rohner, Aquilas, Die Schnitzwerke Johann Michael Dosers in Oberfranken und der Oberpfalz, Verlag Schnell und Steiner, München, 1990

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 15. Januar 2009

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