Sackdilling
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Sackdilling

„Wer an einem verkehrsstillen Werktag auf langer Waldstraße von Königstein oder Auerbach oder von Ranna kommend, erstmals dem weißen Forsthaus in der kleinen Waldlichtung begegnet oder wer gar nach mühevoller Wanderung auf dem vielgerühmten ,,Exkursionspfad“ sich nach gastlicher Stätte sehnt, der wird gestehen, daß, wenn irgendwo, so hier das vielgebrauchte und vielmißbrauchte Wort vom „Waldidyll“ seine Berechtigung hat.“
Diese Worte stammen aus dem „Heimatkurier“, einer Beilage zum „Fränkischen Kurier“. Fritz Schnelbögl, der Verfasser der Auerbacher Chronik, schrieb diesen sehr interessanten Artikel über Sackdilling vor ca. sechs Jahrzehnten.
Auch Chronist Joseph Köstler schwärmte kurz nach 1900: „Von 1860 bis 85 war Sackdilling ein vielbesuchter Ausflugsort. Der herrliche Wald, die romantischen Felsgruppen, der prächtige Excursionsweg zur Krottenseer Tropfsteinhöhle (gemeint ist die Maximiliansgrotte) sind ja Magnete mit gewaltiger Anziehungskraft. An schönen Sommertagen, besonders am Pfingstmontag, kommen Hunderte von Touristen nach Sack­dilling.“ (Band XIX, S. 456)
Und auch gerade in unseren Tagen wissen viele Einheimische, dazu zahlreiche Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung, die „Waldidylle“ und die gepflegte Gastlichkeit des „Forsthauses Sackdilling“ zu schätzen.

Frühe Besiedelung
Schon in sehr früher Zeit siedelten in der Gegend um Sackdilling Menschen, wie zahlreiche Funde zeigen. So wurde 1958 am Maximiliansfelsen im „Birken­schlag“ (knapp 2 km westlich von Sackdilling) ein bedeutendes Bodendenkmal mit zahlreichen Scherben von Gefäßen gefunden; die ältesten Stücke stammen aus der Jungsteinzeit (ca. 5.000 - 2.000 v. Chr.), der anschließenden Bronzezeit (ca. 2.200 - 1.200 v. Chr.) und den folgenden Epochen Urnenfelder- (ca. 1.200 - 750 v. Chr.) und Eisenzeit (ca. 800 v. Chr. bis zu Christi Geburt). Bei dieser Fundstelle handelt es sich wohl um einen Kultplatz, vielleicht eine Opferstätte, die, wenn auch nicht ununterbrochen, jahrtausendelang benützt worden sein dürfte.
In der Flur „Reut“ im Oberen Wellucker Wald, ca. 1 km nordöstlich von Sackdilling, wurden aus mehreren Grabhügeln Bronzeringe, Fibeln, Broschen usw. aus der Älteren Eisenzeit (Hallstattzeit ca. 800 - 450 v. Chr.) und der Jüngeren Eisenzeit (Latenezeit oder Keltenzeit, ca. 450 v. Chr. - Christi Geburt) geborgen. Hier soll auch eine Grube, die zum Schmelzen von Eisen diente, entdeckt worden sein; dies wäre der älteste Nachweis für die Erzverhüttung in unserem Raum.

Ortsname
Joseph Köstler schreibt: „Den sonderbaren Namen Sackdilling leite ich von Sankt Ottilien ab. Diese Heilige erwies sich früher besonders bei Augenkrankheiten sehr hilfreich und bekam von dankbaren Patienten häufig ein Weihegeschenk (ein geschnitztes Bild oder eine Figur aus Wachs), das man in Ermangelung einer Kapelle an einen markanten Baum heftete. Diesen „Bildbaum“ und seine Umgebung nannte man Sankt Ottilien und durch korrupte Aussprache entstand daraus nach und nach das Wort Sackdilling.“ (Band XIX, S. 456) Köstler hatte wohl bei seiner Namensdeutung auch folgende alte Volkslegende im Ohr: „Einst befand sich dort eine dem hl. Ägidius geweihte Wallfahrtskapelle, St. Gilgen genannt, die durch das Ausbleiben der Wallfahrer immer mehr verfiel. Eines Tages kam ein armer fremder Kohlenbrenner, der in seiner Heimat Hab und Gut verloren hatte, in die Gegend und beschloß, in der Nähe dieser Waldkapelle eine Hütte zu bauen. Da er ein frommer Mann war, verrichtete er in dem halbverfallnen Kirchlein jeden Tag seine Gebete. Als er dann eines Tages ein altes Bild der hl. Ottilia (Odilia) an einem Baum entdeckte, nahm er es zu sich, hing es in seinem Wohnraum auf und hielt nun vor ihm seine Andachten. An Sonntagen schmückte er das Bildnis mit Tannenreis und Waldblumen. Als er einmal schwer erkrankte und die hl. Odilia um Hilfe und Fürbitte anrief, wurde er über Nacht plötzlich gesund. Bald verbreitete sich die Nachricht von der raschen Heilung in der ganzen Gegend. Nun wurde diese Stätte wieder das Ziel vieler Wallfahrer.“ (aus „Die Oberpfalz“, 1923)
Schnelbögl dagegen geht die Frage wissenschaftlich an und stellt klar: „Aus dem Jahre 1499 ist mir viermal die Überlieferung „die Wiese, genannt die Sackdietlin“ bekannt. Von dieser Schreibung müssen wir ausgehen, denn die Umwandlung in Sackdilling erfolgte erst im 18. Jahrhundert in Anlehnung an andere -ing-Orte wie Schniegling, Heuchling. Ich erinnere nun daran, daß die Wiesen früher ungemein häufig Namen mit der Endung -in erhielten, und zwar so, daß eine Wiese, die einem gewissen Schütz gehörte oder von ihm stammte, einfach als „Schützin“, die Wiese, die einem Meier gehörte, als „Meierin“ bezeichnet wurde. Die Pfarrei Neunkirchen a.S. erwarb im Jahre 1507 von den Brüdern Fritz, Hans und Georg Eppenauer eine Wiese bei Speikern. Später nannte man diese Wiese die „Eppe­nauerin“. Eine andere Wiese, die man von einem Haus Kopp gekauft, hatte, hieß man die „Köppin“. Aus vielen Orten wird man solche Beispiele beitragen können. So erklärt sich auch zwanglos Sackdietlin als Wiese eines Sackdietel, als Wiese eines Dietel (Kurzform für Dietrich oder Diether) Sack.
Weder eine heilige Ottilia noch ein heil. Egidius sind für den Namen des Ortes verantwortlich. Vielleicht stand bei der Bildung dieser Legenden, die übrigens erst aus dem 19. Jahrhundert stammen dürften, folgende Erinnerung Pate: Nicht allzuweit entfernt von Sackdilling, in der Ortsflur Pommershof, am Wege, der von Auerbach nach Kürmreuth führt, befand sich vorzeiten eine Kapelle. An diesem Wege liegt nun eine Flur „Gilgensee“. Man darf annehmen, daß dieser Gilgensee so viel bedeutet wie Egidiensee, ähnlich wie in Nürnberg der Gilgenhof der St. Egidienhof, die Gilgengasse die St. Egidiengasse ist. Also wird die Kapelle bei Pommershof eine Egidienkapelle gewesen sein. Lediglich die Erinnerung an diese benachbarte Kapelle mag dann die Erklärung des Namens Sackdilling mit „St. Egidien“ und ein ähnliches Mißverständnis die Deutung mit „St. Ottilien“ veranlaßt haben.“ (aus Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft, Juni 1964)

Erster Hof vor 400 Jahren
Der Flurname „Sackdietlin“ ist schon aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert überliefert, die erste Nachricht über ein dort errichtetes Gebäude stammt erst von 1595 bzw. 97. Damals erhielt der Auerbacher Landrichter Clas Henrich von Eberbach von der kurfürstlichen Regierung in Amberg die Erlaubnis, dort ein „Hüttlein“ zu bauen und weiteren Wald zu roden, um Landwirtschaft zu betreiben.
1607 erwarb das Bürgerspital Auerbach das Gut, das dann im "Dreißigjährigen Krieg“ (1618-48) allmählich verfiel. 1687 baute die Spitalstiftung den Hof wieder auf und bewirtschaftete die Felder.
Um 1721 erwarb der Auerbacher Landrichter Freiherr von Blumenthal, der auch Besitzer von Hammergänlas war, Sackdilling. Sein Nachfolger Johann Georg von Grafenstein erwarb beides 1757 von der Gant weg. 1844 schließlich verkaufte Hermann von Grafenstein Sackdilling an den bisherigen Pächter Johann Kugler von Nitzlbuch. Dessen Sohn Georg wiederum trat das Anwesen 1853 um 8.400 Gulden an den Staat ab.

Das Forsthaus
Dem Wegmacher Ulrich Gsell vom Sand (Ortsteil von Nitzlbuch, seit 1978 zur Stadt Auerbach gehörig) war zum 9.11.1859 die neu geschaffene Stelle eines Waldaufsehers mit Wohnsitz Sackdilling übertragen worden. Die königliche Forstverwaltung ließ wohl auch aus diesem Grund in dieser Zeit neben den bisherigen Gebäuden eine Diensthütte errichten; vielleicht war dies zugleich oder zumindest eine Zeit lang die Wohnung für Gsell, der 20 Jahre bis zu seiner Pensionierung 1879 in Sackdilling war.
Um 1860 war auch die Gaststätte eingerichtet worden. Ob Gsell neben seiner Forsttätigkeit zugleich die Gaststätte betrieb ist nicht sicher; sein Nachfolger in Sackdilling jedenfalls wurde der Rottmeister Joseph Kipfer.
Die beiden Tagwerkerhäuser verfielen allmählich und wurden um die Jahrhundertwende gänzlich abgebrochen. 1911 wurde das übrig gebliebene Gebäude dem Waldwärter Joseph Kipfer und seiner Familie als Dienstwohnung und Wirtshaus zugewiesen; ob dies der gleiche wie 1879 oder vielleicht dessen Sohn war ist noch zu klären.
Auf Joseph Kipfer folgten Ludwig Frank (1925-49) und Rudolf Renner (1949-70) als Förster und Wirte in Sackdilling. Die Forstdienststelle wurde bereits 1964 nach Auerbach (Obere Bergstraße 7, ab 1978 Siechenstraße 15) verlegt. Forstamtmann Heinz Eckert versah 1972 bis zur Reform der bayerischen Staatsforstverwaltung zum 1. Juli 2005 den Dienst des „Sackdillinger Försters“.

Das Gasthaus
Zur gleichen Zeit wie das Wirtshaus, also um 1860, entstand auch ein "Festplatz" Sackdilling, denn es war, vor allem natürlich an den Sonn- und Feiertagen, viel los dort, da zahlreiche Besucher die idyllische Lage von jeher schätzten.
Gastwirte waren bis 1964 die oben genannten jeweiligen Förster. 1964 tauschte Martin Renner, der verstorbene Vater des derzeitigen Besitzers, ein Stück Privatwald gegen Sackdilling ein. Er bewahrte dadurch das Gasthaus vor der Schließung durch den Staat, denn derartige Enklaven waren schon ein Dorn im Auge der Forstbehörde.

Ab 1975 erfolgte dann ein gründlicher Um- und Anbau des alten Forst- und Wirtshauses Sackdilling in einen modernen Gastronomiebetrieb, der heute wie vor über 100 Jahren wieder Ziel zahlreicher Besucher ist.
Der unmittelbar neben dem Gasthof von der Stadt Auerbach eingerichtete Kinderspielplatz wird von den jungen Gästen gerne angenommen.
Rund um Sackdilling lässt sich gut wandern, z.B. auch im Auerbacher Bürgerwald, und mehrere Höhlen, z.B. das Windloch (Artikel von Keupp/Plachter, Erlangen 1972) und die Bauernlöcher, reizen nicht nur die Höhlenforscher.

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 30. November 2008

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