Steinamwasser
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(alte Ansichtskarte, Archiv Ludwig Götz)

„Drei Bauern, zwoa Mülla, zwoa Wirt,
da Schousta und da Hirt“

Mit diesem alten Sprichwort aus unserer Gegend beschreibt der Volksmund die früheren Anwesen und die Zusammensetzung der einstigen Bevölkerung von Steinamwasser. In den letzten Jahrzehnten sind natürlich noch einige Häuser dazugekommen. Zum 1.6.2005 hatte die Ortschaft 43 Einwohner.

Steinamwasser liegt sehr malerisch in einem kleinen Talkessel und ist auf jeden Fall einen Besuch wert, nicht zuletzt auch wegen seiner beiden Wirtshäuser „Zum Mittler“ (links) und „Zur frischen Quelle“ (rechts).

Die reiche Geschichte des kleinen Ortes wird im Folgenden stichpunktartig vorgestellt.

Die erste (bisher) bekannte schriftliche Nennung des Ortes ist wohl in einer Urkunde des Bamberger Bischofs Otto des Heiligen vom 25. Juli 1109 zu finden. In ihr schenkte der Bischof einen Teil des Dorfes den Stiftsherrn von St. Jakob in Bamberg. (1, Seite 68)

In der Gründungsurkunde des Klosters Michelfeld vom 6. Mai 1119 wird „Steinege Wazzer ex parte“ (2, Seite 298), also teilweise, eben der noch verbliebene Teil,  dem neuen Benediktinerkloster Michelfeld übergeben.

1144 ist Syboto de Steinige Wasser Mitunterzeichner der Urkunde, mit der Auerbach durch den Bamberger Bischof Egilbert zum Markt und zur selbständigen Pfarrei erhoben wird

Die Burg Steinamwasser muss also schon in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts bestanden haben, wird aber erstmals Ende des 13. Jahrhunderts genannt

Auf einem Felsen,
der die ganze Ortschaft überragt,
sind noch deutlich
die Mauerreste
der ehemaligen Burg
zu erkennen.
(Näheres weiter unten)

Wahrscheinlich wurde die Burg anno 1400 zerstört, als Ruprecht von der Pfalz nach der Absetzung Wenzels in Rhens zum neuen deutschen König gewählt wurde. Amberg war damals Regierungssitz der Pfalz, Auerbach seit 1373 Hauptstadt Neuböhmens. Der Amberger Vicedom Johann von Hirschberg eroberte mit seinen Truppen am 23. September 1400 Auerbach, Michelfeld und wohl auch Steinamwasser

Hans Streber, ein Nürnberger Bürger, erhielt die Ruine und baute die Burg, die nun „Strebenstein“ genannt wird, in den folgenden Jahren wieder auf

Anno 1430 wird die Burg Strebenstein durch die Hussiten wieder zerstört, zwischen 1441 und 1446 neu aufgebaut

Spätestens im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), sehr wahrscheinlich aber schon etwas früher, wurde die Burg in Steinamwasser endgültig zerstört und blieb nunmehr Ruine

Die mächtige Burg lag auf einem etwa 20 m hohen, ca. 30 Meter langen und etwa 10 Meter breiten Dolomitfelsen. Ringsum war die Feste durch den steilen Abfall geschützt. Erhalten sind jetzt nur noch Reste der Außenmauern, die aus behauenen glatten Quadern bestanden

Die schon hier
auf dem Foto um 1930
kümmerlichen Reste
der Burg Steinamwasser
sind inzwischen
noch weniger geworden.

Besonders bemerkenswert ist bestimmt der Zugang zu dieser ehemaligen Burg. Er führte vom Talgrund aus zunächst in nördliche Richtung am Ostfuß des Burgfelsens empor, bog dann nach Westen um und zog zwischen dem Nordrand des Burgfelsens und einem nördlich davon stehenden isolierten Felskegel hindurch. In einer Spitzkehre erreichte die Zufahrt das Gelände nördlich des isolierten Felskegels, der etwa die gleiche Höhe wie der Burgfelsen aufweist.

Eine schräg anlaufende Holzbrücke dürfte dann den Zugang zu dem als Brückenkopf dienenden Felskegel gebildet haben. Sie musste eine Geländefurche von etwa 3 Metern überwinden. Die Verbindung zur ehemaligen Burg wurde wohl durch eine Zugbrücke gebildet, die auf dem Brückenkopf aufsetzte. Sie hatte eine Kluft von zwei bis drei Metern zu überbrücken

Wohl gleichzeitig mit der Burg war auch schon ein Eisenhammer gegründet worden. Wasser war ja da, denn in Steinamwasser treffen sich der Ortlesbrunner Bach und der vom Norden her kommende Goldbrunnenbach. Das Gewässer heißt von da ab Flembach und durchfließt das malerische Flembachtal bis Michelfeld, um sich dort mit dem Auerbacher Speckbach zu vereinigen und unweit vom ehemaligen Michelfelder Bahnhof in die Pegnitz zu münden

Aus welcher Zeit genau
die kleine Kapelle
im Anwesen des Götzerbauern
stammt ist nicht bekannt.
Jedenfalls dürfte sie
und das sich darin befindende
Muttergottesbild
schon viele Jahre,
vielleicht einige Jahrhunderte,
alt sein.

Der Hammer Steinamwasser gehörte verschiedenen Leuten, u. a. auch einem Heinrich Stromer aus Auerbach, einem Verwandten des berühmten Dr. Heinrich Stromer, der ja bekanntlich in Leipzig das berühmte Lokal „Auerbachs Keller“ gegründet hat. 1513 kam der Hammer Steinamwasser an die Stadt Auerbach, die ihn bis zu seinem Ende im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) betrieb

1712 verkaufte Auerbach die Hammerruine, wenig später errichtete Hans Götz von Staubershammer anstelle des alten Hammers eine Mühle; der Hausname „beim Hammermüller“ erinnert an diesen Wandel

Eine weitere Besonderheit Steinamwassers ist die „Höhle ohne Namen“, eine weit verzweigte Tropfsteinhöhle, deren Eingang wenige Meter vom Gasthaus „Zur Frischen Quelle“ entfernt liegt und zu jenem Anwesen gehört.

In den letzten Jahren wurden verschiedene Felsen wie hier die Zwillingssteine vom Bewuchs freigelegt.

Verwendete Quellen
1 Bauer, Heinrich, Geschichte der Stadt Pegnitz und des Pegnitzer Bezirks, Stadt Pegnitz, 1938
2 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, Stadt Auerbach 1976

 

Freut euch
des Lebens

letzte Bearbeitung dieses Artikels: 28.10.2008

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