Haag
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Das ehemalige Dorf
Haag

Das einstige Pfarrdorf Haag (Foto aus 3) oder wie es im Volksmund hieß „Hoch“ wurde 1938 ab- und aufgelöst, weil es im Kerngebiet der Erweiterungsfläche des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr lag.

Auf dieser alten Karte aus der Zeit vor der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr sind viele der damaligen Orte eingezeichnet.

Haag lag ca. 9 km südöstlich von Auerbach und ca. 7,5 km nordwestlich von Vilseck im Tal der Frankenohe an der alten Reichsstraße 85. Dazu gehörte Bergfried, 500 m südöstlich im Tal gelegen, welches bei der Ablösung sechs Anwesen zählte.

Haag (Foto aus 3) war zuletzt eine selbständige Pfarrei (erst seit 1876; vorher gehörte es zu Hopfenohe) und hatte selber eine Schule, die wahrscheinlich zwischen 1554 und 1557 unter Kurfürst Ottheinrich als „deutsche Schule“ gegründet worden war.
Anno 1920 gab es „am Hoch“ 72 Anwesen, darunter fünf Wirte, zwei Metzger, vier Kramläden und zahlreiche Handwerker. Im gleichen Jahr waren u. a. ein Pfarrer, ein Lehrer, eine Lehrerin, ein Gendarm, ein Förster und ein Bader im Ort.

Die Anwesen von Haag lagen praktisch zu beiden Seiten der alten Reichsstraße 85, die hier gelb markiert ist. (grün ist die heutige B 85, rot die westliche Grenze des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr)

Haag war sozusagen der wirtschaftliche und der kulturelle Mittelpunkt für die ländliche Bevölkerung der umliegenden Ansiedlungen wie Dorfgänlas, Dörnlasmühle, Frohnhof, Hammergänlas, Hebersreuth, Kaundorf, Leuzenhof, Ober-, Unter- und Schlossfrankenohe, Sommerhau, Wolframs und Zeltenreuth

Auch in Hebersreuth, knapp einen Kilometer westlich von Haag gelegen, wurden aus einst stolzen Anwesen (links) kümmerliche Ruinen (rechts). Beide Fotos zeigen nämlich das Anwesen Nr. 5 (Mätzner, Hausname "beim Bannat"), zu dem vor der Ablösung 140 Tagwerk Grund und eine Fischzucht mit 20 Tagwerk Fischwasser gehörten.

Bei der Ablösung
war das Dorf Haag
die größte und auch
bevölkerungsreichste
Gemeinde im
Erweiterungsgebiet
des Übungsplatzes.
(Postkarte aus 4)

Die nächste Eisenbahnstation war der Bahnhof Langenbruck, ca. 6 km südöstlich gelegen. Arzt und Apotheke suchten die „Hocher“ in Vilseck auf. Rentamt (heute Finanzamt) und Amtsgericht lagen im ca. 9 km nordwestlich entfernten Auerbach, das zuständige Bezirksamt (heute Landratsamt) war in Eschenbach.

„Am Hoch“, wie Haag
im Volksmund genannt wurde,
war sogar eine eigene Postagentur
eingerichtet. Das Foto zeigt
den Postagenten Wolfgang Huber
vor seinem Haus (Nr. 50) in Haag.
(1, Seite 105ff) 

Haag entstand wohl, wie zahlreiche andere Ortschaften der Gegend, im 9./10. Jahrhundert als fränkische Gründung. Deshalb wird in den ältesten Zeugnissen die Ortschaft auch „Frankenhaag“ genannt.

1123 wurde die Mühle in Haag
vom Bamberger Bischof Otto I.
dem von ihm kurz zuvor (23. Mai 1121)
gegründeten Benediktinerkloster Ensdorf
übergeben. Ob diese Mühle
zu diesem Zeitpunkt schon
von einer Ansiedlung umgeben war,
ist nicht bekannt, aber doch wahrscheinlich.
(nach 2, Seite 11 ff)
Das Foto zeigt den Mühlweiher
mit der Pfarrkirche St. Vitus (Veit),
die auf einer kleinen Anhöhe stand.

Das Haus links, das sich wie die Kirche im Weiher spiegelt, trug die Nummer 46 (beim Binder) und wurde erst im 19. Jahrhundert von den Ostermanns (Nr. 7, beim Oazgrober) errichtet.

Letzter Eigentümer von Nr. 46
vor der Ablösung war Georg Walter.
Sohn Ludwig (heute in Würzburg)
kam hier im Dezember 1937
als letzter männlicher Haager
zur Welt. (Foto aus 7)

Die oben angesprochene Mühle vom Jahr 1123 hatte die Hausnummer 17 (beim Müller) und stand etwas weiter südlich an der Frankenohe.

Die Hauptstraße
von Haag
um 1910
(Foto aus 7)

Auf der Zweidlerschen Karte von 1597 (hier ein Ausschnitt) wird der Ort Hag geschrieben.

Auch einige der umliegenden Ortschaften haben in dieser über 400 Jahre alten Landkarte noch andere Namen als heute.

Das Halsgericht Auerbach
Die Halsgerichtsbarkeit war im Mittelalter die Rechtssprechung, die  bestimmte Vergehen mit Verstümmelung oder gar dem Tod bestrafte. Der Landrichter von Auerbach übte lange Zeit diese, auch Blutgerichtsbarkeit genannt, aus. Haag spielt bei der Grenzbeschreibung eine gewisse Rolle.

 

Die Grenzen (5, Seite 63) des Halsgerichts Auerbach – der Galgen stand auf dem Sandsteinfelsen „Rabenstein“ (heutige Straßennamen „Galgenberg“ und „Am Rabensteig“) – wird anno 1449 so beschrieben: Dorf Hage (Haag), wo Straß von Pappenberg zur Hellziechen gehet – Hebersreut – Zentenreut –krumme Linten – Meinfellt hinter Grunreut – Flus Pegnitz zu Berg bei Weidelwang – zu Berg bei Hamer Legantz (Ligenz) Muledorrff (Mühldorf) – Krausmühle – Newenzirckendorff – zwischen Dagmans (Tagmanns) und Höfleins (Höflas) – Somerhave (Sommerau) – Ernstfelt - Portenreut – an der Frankenohe hinterm Gnenleins (Gänlas) – Haag.
"Gnenleins" war das alte Hammergut Gänlas (Hammergänlas),  gehörte zur Gemeinde Nunkas und lag gut einen Kilometer nordwestlich von Haag zu beiden Seiten der alten Reichsstraße 85.

Die hier abgebildete
Schlossschänke
in Hammergänlas,
in der wie in vielen Wirtshäusern
der Gegend, Bier der dortigen
Schlossbrauerei  ausgeschenkt
wurde, war eine gern- und
vielbesuchte Gaststätte.

Wie bedeutend die Ortschaft Haag einst war zeigt auch die Tatsache, dass der Auerbacher Chronist Köstler ihm um 1900 ein Buch (mit über 300 Seiten) seiner 27bändigen handgeschriebenen Chronik gewidmet hat. (6)

Zeitzeugnis von 1898 (aus 4)

Das Ende von Haag
Haag war zu einer blühenden und florierenden Gemeinde geworden und das Dorfleben ging seinen Gang. Niemand dachte daran, dass es einmal ganz anders werden könnte. Doch 1936 kam das Ende: Das Reichkriegministerium ordnete mit Erlass vom 28.2.1936 die umgehende Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr nach Westen hin an. Mit dem Grunderwerb und der Aussiedlung der Bevölkerung aus Haag und den anderen betroffenen Ortschaften wurde die RUGES  (Reichsumsiedlungsgesellschaft) beauftragt.
Vor der endgültigen Aussiedlung ab 1937 hatte Haag 82 Hausnummern und ca. 500 Einwohner. (Plan aus 1, Seite 105)

Erhard Trummer von Nr. 27, genannt "der alt Dohler", schrieb sein

"Abschiedslied Anno 37
Und wir alle müssen wandern,
müssen wandern ohne Ziel.
Und der eine fragt den andern,
keiner weiß, wohin er will.

Geht ´s nach Franken oder Schwaben?
Ist ganz gleich, wohin ich zieh.
Ist ´s noch so schön in fremden Landen,
doch zur Heimat wird es nie.

...

Doch es gibt ein Wiedersehen,
deckt uns fremde Erd´ auch zu,
einst in jenen lichten Höhen
dort in Gottes ew´ger Ruh."

(2, Seite 32)

(letzter) Gruß aus Haag (aus 3)

Einige wenige Ruinen, der wiederhergestellte Friedhof, der Name „Dorfstelle Haag“ in (militärischen) Landkarten und diese Tafel erinnern an die uralte Ortschaft.

Diese Tafel steht seit kurzem vor dem alten Mühlweiher, der aber heute viel größer ist als bei der Ablösung des Dorfes.

Diese Tafel (in deutsch und englisch)
steht neben dem hier  abgebildeten
alten Kellergewölbe am
Aufgang zum Friedhof in Haag.

verwendete Quellen

1 Griesbach, Eckehart, Truppenübungsplatz Grafenwöhr,
Behringersdorf 1985
2 Stubenvoll, Johann, Aus der Chronik des Ortes Haag, in Festschrift zum Wiedersehensfest der Alt-Langenbrucker u. Alt-Haager, Sorghof 1954
3 Archiv Armin Knauer, Grafenwöhr
4 Archiv Willi Zinnbauer, Sorghof
5 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, 1976, Seite 63
6 Köstler, Joseph, Chronik von Haag, Band XXVI der Chronik von Auerbach, unveröffentlicht, Lagerort Stadtverwaltung Auerbach
7 Archiv Dr. Ludwig Walter, Würzburg

südamerikanische Weise

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 7. Dezember 2011

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