Pfarrei Haag
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Die Pfarrei Haag

Zur Pfarrei Haag, die erst 1876 selbständig wurde, gehörten auch die Ortschaften Bergfried, Dorfgänlas, Dörnlasmühle, Hammergänlas und Hebersreuth. Bis zu jenem Jahr hatte Haag zur Pfarrei Hopfenohe gehört.

Die Kirche in Haag
Eine Kapelle gab es in Haag natürlich schon sehr früh. Wie sie aussah, ist nicht bekannt. Schon 1487 war in Haag ja eine Frühmesse gestiftet worden, die jeweils von Benefiziaten wahrgenommen wurde. Es muss sich also schon um eine größere Kapelle gehandelt haben, weil sie ein eigenes Messbenefizium hatte. 1722 wurde dieses Benefizium in eine Kaplanstelle umgewandelt, die aber weiterhin der Pfarrei Hopfenohe zugeordnet blieb.
Die 1938 bei der Ablösung des Ortes im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr aufgelassene Kirche in Haag war erst 1868 durch den Bamberger Erzbischof Michael von Deinlein (reg. 1858-75) geweiht worden.

Dieser weitgehende Neubau
war Mitte des 19. Jahrhunderts
notwendig geworden,
weil bei einem Großbrand 1848 (24. Juli)
zusammen mit 42 Wohn- und 110 Nebengebäuden
auch die alte Kirche
ein Raub der Flammen geworden war.

Über die weiterhin dem hl. Vitus geweihte Pfarrkirche Haag heißt es: „Einfacher Bau des 18. Jahrhunderts, modern romanisch nach Osten erweitert und modern romanisch eingerichtet.“ (1, Seite 52; Foto aus 2)

In diesen Ortsplan von Haag (4, Seite 105) habe ich zur besseren Orientierung die Kirche St. Veit (HNr 40) gelb, das Pfarrhaus (HNr 16) rot, die Schule (HNr 41) grün und den Friedhof blau eingezeichnet. Das Bächlein Frankenohe fließt hier fast diagonal von links oben (Nordwesten) nach rechts unten (Südosten). Etwas weiter südwestlich davon lief fast parallel zur Frankenohe die Reichsstraße 85, deren Verlauf auf dem Luftbild noch gut zu erkennen ist.

Bei der Kirche von Haag stand auch das Kriegerdenkmal. Es wurde nach dem Verlassen der Ortschaft abgebrochen und in Sorghof wieder neu aufgebaut. Dort erinnert es heute an die Gefallenen und Vermissten von Haag und Langenbruck.

Links das Ehrenmal an seinem alten Standort in Haag (aus 2) und rechts daneben in Sorghof (aus 5).

Nach der Absiedlung der Haager wurde die Kirche im Mai 1938 aufgelassen und  deren Einrichtung wie die Menschen in alle Winde zerstreut: die Glocken kamen nach Johannisthal (Ortsteil von  Windischeschenbach), das Kirchengestühl nach Michelfeld und Sassenreuth, die Altäre und die Kanzel nach Weingarts bei Forchheim, die Orgel nach Forth (Gemeinde Eckenthal) und die liturgischen Geräte nach Bamberg. (nach 4, Seite 113)

Die Pfarrer von Haag
Da Haag ja erst 1876 eigenständige Pfarrei wurde, ist die Liste seiner Pfarrer nicht sehr lang, sondern umfasst lediglich sechs Namen.

Bei der Pfarreierhebung 1876 wurde der bisherige Auerbacher Kaplan Johann Scherlein erster Pfarrer der nunmehr selbstständigen Pfarrei Haag. Die weiteren Pfarrer waren Paul Unterberger (1899-1903), Konrad Herrmann (1904-1913), Ernst Deinzer (1913-1931) und Josef Euringer (1931-1936).

Der letzte Pfarrer von Haag
war Ludwig Wimplinger (1936-1938),
der u. a. 1950 bis 1963 Pfarrer
in Neuhaus an der Pegnitz war.
(Sterbebild aus 3)

Dieser
schlichte Granitstein
mit Kreuz
und Aufschrift
"Haag Kirche - Church
1487-1938"
erinnert heute an die
uralte Kirche
St. Vitus
in Haag.

Der Haager Friedhof
Wie die Gebäudereste der einst blühenden Ortschaft verfiel auch der Friedhof von Haag allmählich: Die Grabsteine stürzten um, wurden von Wind und Wetter zersetzt und von der Natur überwuchert. Nicht selten werden leider auch menschliche Unvernunft und Zerstörungswut, ja Pietätlosigkeit vor den Verstorbenen, im Spiel gewesen sein.
Im Jahre 1992 wurde dem weiteren und endgültigen Verfall des ehemaligen Haager Friedhofs mit vereinten Kräften Einhalt geboten: In einer gemeinsamen Aktion des Heimatvereins Grafenwöhr, des Bundeswehr-Verbindungskommandos (seit 1997 DMV) und des  Bundesforstamtes Grafenwöhr wurde der altehrwürdige Friedhof von Haag gleichsam "generalsaniert".

Durch diese beispielhafte Maßnahme wurde der Friedhof von Haag der Nachwelt erhalten. Die alten und zum großen Teil kunstvoll gehauenen Sandstein- und Granitgrabsteine wurden wieder gesetzt, und Friedhofsmauer und Eingangstreppe ausgebessert bzw. neu angelegt. 1997 konnte auch ein neues Friedhofskreuz aufgestellt und geweiht werden. (Fotos 2009)

Erstmals gestattete 1992
der damalige US-Kommandeur
den Besuch des Haager Friedhofes.
Seither dürfen
- vor allem ehemalige Haager -
an Allerheiligen bzw. Allerseelen
die Gräber ihrer Vorfahren
besuchen.

verwendete Quellen

1 Hager, Georg, Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bezirksamt Eschenbach, München 1909
2 Archiv Armin Knauer, Grafenwöhr
3 Archiv Hans Winter, Rauhenstein
4 Griesbach, Eckehart, Truppenübungsplatz Grafenwöhr,
Behringersdorf 1985
5 Archiv Wilhelm Ertl, Sorghof
Stubenvoll, Johann, Aus der Chronik des Ortes Haag, in Festschrift zum Wiedersehensfest der Alt-Langenbrucker u. Alt-Haager, Sorghof 1954
Johann Sebastian Bach (1685-1750)
Choral Alles ist an Gottes Segen ... (BWV 263)
(Motettenchor Paderborn, Archiv Klaus  Thon)

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 7. Dezember 2011

Für Ergänzungen, Korrekturen usw.
bin ich sehr dankbar.
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