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Ein
besonders gefürchteter Ort in Auerbach war von jeher der Galgenberg, wo in alter Zeit so
manche Person - schuldig oder schuldlos - aufgeknüpft wurde. Schon allein das Wort Galgenberg ist
unheimlich, ganz zu schweigen von der Richtstätte selber. Wohl zogen Neugierige
in Scharen an jene Stätte, wenn eine Hinrichtung angekündigt war. Dies war
allerdings immer bei helllichtem Tag, und man wollte sich doch das Schauspiel
nicht entgehen lassen.
Doch bei Nacht war das eine ganz andere Sache. Die Gehängten baumelten oft
tagelang am Galgen, ehe sie abgenommen und als Ehrlose vom Abdecker oder
Wasenmeister außerhalb des Friedhofs verscharrt wurden. Kein Wunder, dass es
dort häufiger als an anderen Orten „umging“.
An
einem Sonntag Anfang November waren wie üblich ein paar Bernreuther Bauern zu
Fuß in die Stadt zum Gottesdienst gegangen.
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Sie hatten nach dem
vormittäglichen Kirchenbesuch die Gelegenheit des Aufenthalts in Auerbach
genutzt und in verschiedenen Gaststätten „dringend notwendige Geschäfte"
erledigt. |
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Mitternacht war etwa eine halbe Stunde vorbei, als die Bernreuther ihre letzte
Station beim „Weberteifl“ in der Oberen Vorstadt verließen und entschlossen
den Weg in die stockfinstere Nacht hinaus antraten. Laut diskutierend und
gestikulierend ließen sie den ereignisreichen Sonntag, der nun schon Montag
war, nochmals Revue passieren und erzählten sich schallend lachend, wie sie
wohl in Kürze zu Hause von ihren besorgten Ehefrauen empfangen würden. Es war
eine recht lustige Gesellschaft, die vier Bauern aus Bernreuth.
Doch was war das denn, was ihnen das Lachen in der Kehle und das Blut in den
Adern stocken ließ? Beim Friedhof auf Höhe der Leichenhalle sahen sie plötzlich
rechterhand zum Galgenberg hin eine große Helle. Unzählige Lichter tänzelten
wie verrückt um den Galgen, dessen schwarze Silhouette unheimlich in den
Nachthimmel ragte und drohte. Der inzwischen aufgekommene Südwind trug zudem
schaurige Hilferufe und ein durch Mark und Bein dringendes Jammern und Wimmern
zu den Spätheimkehrern herüber. Wie gebannt blieben die sonst doch recht
tapferen Männer stehen. Keiner der sonst schon recht, und jetzt durch den
reichlichen Biergenuss noch besonders, redefreudigen Mannsbilder brachte eine
Silbe mehr hervor.

Da schlug es vom Auerbacher Kirchturm her viermal für die volle Stunde und dann
noch einmal für 1 Uhr. Schon mit dem ersten Glockenschlag waren die Lichter
erloschen, die Hilferufe und das Gejammer verschwunden: der unheimliche Bann war
gebrochen, die Geisterstunde vorbei.
Kreidebleich und ohne noch ein Wort miteinander zu wechseln schlichen die Vier
heim. Es heißt, dass sie nie wieder einen Sonntag in Auerbacher Wirtshäusern
verbrachten und nie wieder nach Mitternacht am Galgenberg vorbei gingen.

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