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Der Sand

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Sand
von einem kleinen Weiler zu einem ansehnlichen Dorf entwickelt, dessen Ausmaß
dieses Foto (2005; am 1.6.2005 121 Einwohner) gar nicht erfassen kann. Er liegt im Süden der Stadt
Auerbach, gut einen Kilometer vom Rathaus entfernt.
Bis zur Gebietsreform 1978 gehörte er zur politischen Gemeinde Nitzlbuch
und kam zum 1. Mai jenen Jahres mit dieser zur heutigen Stadt Auerbach i.d.OPf..
Woher der Ort seinen Namen hat ist auch heute
noch unschwer zu erkennen: die reichen Sandvorkommen sind praktisch unter einer
relativ dünnen Humusschicht auf Schritt und Tritt anzutreffen.
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Der reichlich vorkommende Bodenschatz Sand
wurde vor allem in der Vergangenheit umfangreich abgebaut, wie
aufgelassene Sandgruben beweisen. Stillgelegte, wie hier "Wallners
Sandloch", passen sich gut in die Landschaft ein und werden z.B. als
Fischweiher genutzt. |
Für die Stadt Auerbach erlangte der
Sand spätestens im Jahre 1690 eine besondere Bedeutung, als dorthin die
Abdeckerei verlegt wurde. Der Abdecker,
auch Schinder oder Wasenmeister genannt, waren früher für die Beseitigung
toter Tierkörper verantwortlich. Da dies zwar eine unangenehme Tätigkeit, aber
gerade für ländliche Gegenden wichtige und deshalb dringend notwendige
Einrichtung war, wurden die Abdecker von den Gemeinden angestellt und besoldet.
Eigene Wasenmeister-Ordnungen
legten genau die Aufgaben dieses Berufsstandes fest.
Die Abdecker der Stadt Auerbach wohnten seit
alter Zeit im Haus Nummer 18 (heute Obere Vorstadt 14), während ihre
"Werkstadt", die Schinderhütte, auf dem Gelände des späteren
Bahnhofs (heute Feuerwehrgerätehaus) stand. Man kann sich leicht vorstellen,
dass die Nähe zur Stadt und den Wohnhäusern sich nicht unbedingt als
glücklich erwies. Es wurde deshalb darüber geklagt, dass "die dort
verscharrten Kadaver einen gar üblen Gestank verbreiten, der in die Stadt
hereindringt". (Joseph Köstler, Band XIX, Seite 457)
Weiter wird berichtet, dass sich "in der Schindhütte
nächtlicherweise alles liederliche Gesindel zusammenfinde".
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1680 und vor allem in den folgenden Jahren
suchten mehrere Viehseuchen die Gegend heim und forderten große Opfer
unter den Tieren. Der Zustand wurde dadurch so unerträglich, dass die
Stadt auf Drängen des Landrichters die
Wasenmeisterei 1690 auf den Sand verlegt. Die nebenstehende etwa 100 Jahre
alte Karte dokumentiert noch den Siedlungsnamen "Abdecker a. Sand". |
Im Haus Nummer 18 blieb zunächst weiter die
Wohnung für den städtischen Abdecker
und seine Gehilfen, die Schinderknechte. 1814 erwarb das Anwesen der
Wasenmeister Johann Ullschmied aus Hohenburg.
Köstler schreibt weiter, dass der Abdecker "seit den ältesten Zeiten und
bis zum Jahr 1830 zugleich Flurwächter" war und deshalb auch "Flurer"
genannt wurde.
Für die "Abdeckerei Sand" werden folgende Wasenmeister genannt, die
nach dem Verkauf des städtischen Gebäudes auch dort wohnten: Hans und Michl
Stark (bis 1695); Gallus und Hans Wolf Müller (bis 1726); Hans Konrad Müller
und Georg Jakob Hörmann (bis 1735); Georg Müller und Dietrich Schwarzenbacher
(bis 1766; Letztgenannter stammte aus Hohenburg und soll "ein berühmter
Arzt für Menschen und Tiere" gewesen sein); Georg Müller jun. und seine
Witwe (bis 1794; "Sein Gehilfe Peter Schlehhuber war ein weit und breit
gesuchter Medizinmann, der nach dem Zeugnis des Landrichters viel glücklichere
Kuren machte als der studierte Dr. med. Martin Kühn" (a.o.O., S. 458f);
Johann Ullschmied (bis 1839); die Witwe Katharina Ullschmied und ihr Sohn Joseph
(bis 1850); Ulrich Gsell aus Michelfeld, dessen Frau eine geb. Ullschmied vom
Sand war (bis 1855); Adam Gsell und seine Nachkommen (bis 1895; zum Anwesen
gehörten in dieser Zeit 16,47 Tagwerk Grund); Joseph Gsell und seine Ehefrau
Barbara, geb. Kipfer (bis 1908); die Witwe Barbara Gsell und ihre Kinder (ab
1908).
Wann die "Abdeckerei Sand" endete muss erst noch geklärt werden.
Heute jedenfalls stehen in diesem Dorf rund drei Dutzend Häuser.
Über mir leihweise zur
Verfügung gestellte
Fotos und Informationen
über die Ortschaft Sand
würde ich mich sehr freuen,
denn diese Seite könnte dann weiter ausgebaut werden.
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