Lodes
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Um die Werke des aus Auerbach stammenden Künstlers
präsentieren zu können,
wurde am 16. Juni 2012
im 1. und 2. Stock der Alten Münze 
im Schlosshof das
Lodes-Museum
eröffnet.

Öffnungszeiten: Sonntag von 14 bis 17 Uhr
Mit Josef Schaller (Tel. 09643 520)
kann darüber hinaus ein Termin
für eine sachkundige Führung
(auch außerhalb dieser Zeit)
vereinbart werden.

Rudolf Lodes

Mediziner
und Künstler

geboren am 5. Juni 1909
in Auerbach in der Oberpfalz
gestorben am 18. Mai 2006
in Nieder-Modau (Hessen)

Das sind
die schlichten Lebensdaten
eines Mannes,
der zeitlebens
voller Schaffenskraft
und Tatendrang war.
(Selbstbildnis),

Kindheit und Schulzeit
Rudolf Lodes kam am 5. Juni 1909 in Auerbach in der Oberpfalz im 2. Stock des Rathauses (heutige Stadtkämmerei) zur Welt.


Rathaus in Auerbach um 1910

Der Vater, Stadtsekretär "Amtsrat" Anton Lodes, geboren im Haus Nr. 70 (heute Oberer Marktplatz 15, "beim Lodesgockl") hatte mit seiner Frau Käthie, geborene Steinhauser, diese Räume seit 1909 als Dienstwohnung. In seiner Lebensgeschichte - "Memoiren sind immer auch Bekenntnisse zu Torheiten und Fehlern, die man machen musste." (1, vorne vor dem Inhaltsverzeichnis) - erinnert sich der neunzigjährige Rudolf Lodes gern an diese Zeit; zahlreiche seiner Gemälde sind Ansichten von Auerbach.
"Meine Heimatstadt ist auf einen sanft abfallenden Sandsteinfelsen gebaut. Auf einer vorkragenden Felsnase steht die Kirche mit ihrem über siebzig Meter hohen Turm.

Zu beiden Seiten dieser Bauwerke
ziehen sich zwei lange Reihen
meist zweistöckiger Häuser hin,
zwischen denen bergabwärts
das schmale, 32 Meter lange
Rathaus steht, das ebenerdig
gotisch gehauene Sandsteingewölbe
und im ersten Stock
die Amtsräume barg.
Im zweiten Stock war ab 1909
unsre Wohnung, aufgeteilt
in acht große Räume,
einen langen breiten Flur
und eine Dachbodentreppe, ... .
Auf Flur und Böden spielten wir
mit den Nachbarskindern
und hier lernte ich auch
das Radfahren." (1, Seite 6)

„In der großen Rathauswohnung gab es noch das Plumpsklo. Es lag hinter der Besenkammer auf der Ostseite und hatte ein winziges, hoch oben eingelassenes Fenster, das von der Straße aus kaum wahrzunehmen war, weil diese Straße sehr eng ist. Wenn es vom Herbst auf den Winter zuging, und es schon am frühen Nachmittag dunkel wurde, brauchten wir in diesem höchst intimen Raum schon Kerzenlicht. Es waren deswegen immer Zündholzschachteln beim Kerzenhalter bereitgelegt neben dem aufklappbaren Klodeckel. Manchmal war dieses Örtchen auch eine Spielecke am Ende des langen Flurs, …“ (1, Seite 14)
Rudolf hatte drei Schwestern - Gretl, Thilda und Erna - und war das zweite von vier Kindern seiner Eltern. In seinen Lebenserinnerungen (1) beschreibt er in poetisch gekonntem Stil die Kindheit. Auch an seine Schulzeit dachte er wohl gerne zurück: „Im zweiten Schuljahr
(Anm.: 1916) kamen wir zu einem Lehrer, der Arbeiter hieß, immer einen schwarzen Gehrock trug und auf der Nase einen sogenannten Kneifer hatte, der goldgerändert glänzte. Nach jedem Sieg unsrer Truppen mußten wir in unsren Bänken aufstehen und die Hymne singen: Heil dir im Siegeskranz oder Heil unsrem König heil. Anschließend war schulfrei. Ein Jahr später wurden diese schulfreien Tage immer spärlicher und hörten schließlich ganz auf. Den Grund dafür brauchte uns niemand zu erklären, wir spürten ihn jeden Tag, daheim am Eßtisch." (1, Seite 17)
Nach der vierten Volksschulklasse schickten die Eltern ihren Sohn Rudi 1919 in das humanistische Gymnasium (heute Erasmus-Gymnasium) nach Amberg. Er wohnte zunächst im dazugehörigen Studienseminar, "Kastl" genannt, mit einem streng geregelten Tagesablauf.  "Im Rückblick stellt sich das damalige Seminarleben doch als ein sehr ungutes Etwas dar. Das weniger Positive beginnt damit, daß man als Zehnjähriger aus dem Familienverband herausgerissen und in eine von vielerlei Ungewißheiten durchwobene Gemeinschaft gestellt wird." 1, Seite 55) Nach ein paar Jahren wurde Lodes "Stadtschüler" und wohnte in verschiedenen Zimmern. "Meine große Freiheit trug in letzter Konsequenz dazu bei, daß ich mehr und mehr zu verschlampen drohte. ... Mein Vater sah sich genötigt, ein Machtwort zu realisieren." (1, Seite 72f)

Dieser Linolschnitt
erinnert an die Schulzeit
von Rudolf L.  in Amberg:
Vor der Kulisse
der berühmten "Stadtbrille"
steigt ein Fisch
aus der Vils auf.

Auf die Zeit in Amberg kommt Lodes immer wieder zu sprechen, und auch viele ehemaligen Schulkameraden und einige Lehrer treten immer wieder in seiner Lebensgeschichte auf. (1)
In Amberg legte Rudolf
1929 das Abitur ab. "Wie vergnüglich ist es, sich daran zu erinnern, daß es eine Zeit gegeben hat, die völlig ohne Kugelschreiber war, die noch gar nicht so lange zurückliegt, und dem modernen Abiturienten ein mitleidiges Lächeln in den Mundwinkel zwingt, Mitleid mit und Ehemaligen, die wir unsre Abs-Aufgaben mit Feder und Tinte geschrieben haben." (1, Seite 79)

Als 1928
das Rathaus
gründlich umgebaut
und restauriert wurde,
zog die Familie
in das neuerbaute,
eigene Haus
(heute Enge Gasse 7),
im Volksmund
"Lodesvilla" genannt.

Aus der Umbauzeit des Rathauses, in der auch der heutige Sitzungssaal entstand, ist eine nette Geschichte überliefert. Lehrer Ludwig Haimerl aus Ranna war mit dem Malen der Wandgemälde beschäftigt, u. a. der Jagdszene auf den Ur (Auerochs; Wappentier von Auerbach) an der rückwärtigen Wand über der Eingangstür. Hier malte er einen der Jäger, der sechs Hunde führt.

Der Kopf des rechten Hundes lässt
ganz deutlich
menschliche Züge erkennen:
Amtsrat Anton Lodes
versuchte öfter, Maler Haimerl
zu etwas mehr Eile anzutreiben.
Das wiederum gefiel
dem Künstler nicht, denn er
wollte seine Arbeit ordentlich und
vor allem ohne Zeitdruck
ausführen.

Wohl aus Verärgerung über den lästigen „Aufseher“ und Mahner verpasste Haimerl  diesem einen Hund die Gesichtszüge des seiner Meinung nach allzu sehr auf den Stadtsäckel bedachten Beamten Anton Lodes (1881-1958; links), Vater des Rudolf.

Für die Wandgemälde im Sitzungssaal des Auerbacher Rathauses, auch für den "Einzug Kaiser Karls IV." an der Stirnseite, standen übrigens Einheimische Modell, und für Ortskundige sind manche Gesichtszüge deutlich einzelnen Familien zuzuordnen.

Studium und Ausbildung
„Bereits in seiner Gymnasialzeit bestimmte die künstlerische Vorliebe das Leben des gebürtigen Auerbachers Rudolf Lodes. Den Großteil seines Monatsgeldes verschlang das Mal-Material. Dennoch stand für ihn nach dem Abitur lange nicht fest, welches Studium für ihn in Frage komme. Schließlich entschied er sich für die Bewerbung an der Münchner Kunstakademie.“ (6) Dort wurde er abgelehnt und schrieb sich deshalb 1929 an der Universität Würzburg im Fach Kunstgeschichte ein.
"Das Fluidum dieser Stadt hatte es – wie man so sagt – in sich und war das besondere für schwärmerische Gemüter." (1, Seite 94) Bald nach seiner Ankunft trifft Lodes einen ehemaligen Mitschüler aus Amberg, der ihn in das "außeruniversitäre Studentenleben einweiht". Lodes erinnert sich: „Damit war für mich die Zeit des sogenannten Keilens der Studentenverbindungen angebrochen. Man wurde - wie es hieß – gekeilt, auf daß man Mitglied werde in der keilenden Studentengemeinschaft, die es sich viel Alkohol und fröhliche Anteilnahme kosten ließ, wenn es darum ging, neue Mitglieder zu werben." (1, Seite 95)

So
„wurde ich dann Mitglied
beim Akademischen Gesangverein
Würzburg ... . 

Dort ... fühlte ich mich auch gleich Zuhause; denn die Zusammensetzung der Mitglieder dieses Vereins entsprach einem Querschnitt überwiegend musisch interessierter Studenten, der meinen Neigungen zu Musik und Malerei sowie Poesie sehr entgegenkam.

Nur eine kleine Gruppe
meiner Gleichaltrigen
schien eher amusisch zu sein.
Die aber waren zweifellos unentbehrlich
in einer solchen Gemeinschaft;
denn diese mußte ja auch geleitet
werden, und das Dirigieren
betrieben dann auch diese
weniger musischen Brüder des AGV.
Sie gehörten zur juristischen Fakultät.
Ich lernte dabei auch die idyllische Seite
der Bischofsstadt kennen
und zog mit den Kameraden
hinaus in die sonnige Welt.“
(1, Seite 96)
(Bild: Lodes, Linolschnitt "Ständchen")

„Mein Studium bewegte sich nur anfangs ausschließlich in den Kollegs der Kunsthistoriker. Als Nebenfach musste eines gewählt werden, das dem naturwissenschaftlichen Bereich angehörte. Weil zur Philosophischen Fakultät die medizinischen Fächer zählten, geriet ich bald in die Vorlesungen der Vorkliniker, in die Anatomie, und fand dort viele mir näher liegende Studienelemente als bei Kunsthistorikern. Schließlich glaubte ich das Richtige gefunden zu haben. Ich spürte deutlich, dass für mich das kunsthistorische Deuten keine kreative Bestätigung erlaubte, weil der Drang, etwas Neues zu schaffen, mir eher über das Handwerkliche möglich schien. Und in der Medizin gab es offensichtlich sehr vieles, was man erschauen und formen konnte. Die Anatomie hatte mich eingefangen.“ (1, Seite 97)
"Drei Semester studierte Lodes Medizin in Würzburg. Wegen Auseinandersetzungen mit einem Professor wechselte er dann nach Erlangen. Hier machte er das Physikum und absolvierte, nach einem kurzen Intermezzo in München, die restlichen Semester und einen Teil seiner Medizinalpraktikantenzeit. Der Einbruch des Dritten Reiches und die Machtübernahme der NSDAP verbauten ihm, der er kein Parteigenosse war, eine Weiterbeschäftigung als Assistent in der Klinik in Erlangen." (2, Band 1, Seite 4)

In Danzig wurde 1934
eine "Akademie
für praktische Medizin"
eingerichtet.
Das rechts abgebildete
Krantor
ist das Wahrzeichen
der einstmals deutschen Stadt.

"Nach langem Überlegen entschloss sich Lodes, seine medizinische Ausbildung im Freistaat Danzig, wo eine Akademie für praktische Medizin eingerichtet worden war, an der man einige klinische Fächer studieren konnte, fortzusetzen. Als er nach seiner Bewerbung eine Zusage erhielt, traf er in der Neujahresnacht des Jahres 1935 in Danzig ein. An der Klinik im Freistaat konnte Lodes den Rest seiner Medizinalpraktikantenzeit abdienen. Danach verweilte er als Vertreter verschiedener Ärzte in Danzig und Umgebung noch für längere Zeit im Freistaat." (2, Band 1, Seite 4f)
Nach einem kurzen Zwischenspiel als Assistent am Institut für Konstitutionsforschung bei der Charité in Berlin anfangs 1937 bewarb sich Dr. Lodes um eine Stelle "bei den Gesundheitsburgen in der Bayrischen Ostmark" (2, Band 1, Seite 5) und erhielt bald auch einen Vertrag, der ihn für das in Landau an der Isar erbaute Haus verpflichtete. Doch auch dort hielt es den jungen Mediziner nicht lange. Über München (1938) und Danzig kam er mit seiner Frau Erika von Köhne, die er 1937 geheiratet hatte, nach Erlangen, wo er als Hospitant in der Anatomie arbeitete. "Nach Beendigung dieser interessanten Tätigkeit, widmete er sich dem Fach, für das er sich am meisten begeisterte, der Orthopädie. An der Orthopädischen Klinik in München bekam er (Anm.: 1939) eine halbe Assistentenstelle und konnte auf diese Weise vorerst seine Ausbildung sichern." (2, Band 1, Seite 6)

Kriegseinsatz
Bei Ausbruch des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 ahnte Dr. Lodes, dass er bald eingezogen werden würde. "Nur eines war für mich sicher: Nichtparteigenossen würden aus dem ärztlichen Personal bevorzugt ausgelesen für den Wehrdienst, auch wenn sie nicht gedient hatten. Dieser Krieg war ein Krieg, der von Parteileuten geplant und ausgelöst war, in deren Mitte das Pseudo-Ingenium eines Einzelnen verherrlicht wurde und dazu der Ehrgeiz von Generälen. Gefühle hin, Vermutungen her: Ich war gewappnet und wir feierten unser erstes Kriegsweihnachten brav zu Hause, drängten aber anschließend in einen vielleicht letzten Skiurlaub, von dem wir Ende Februar wieder zurück nach München kamen, wo dann auch der Einberufungsbefehl schon bereit lag." (1, Seite 167)

Lodes "wurde bei der Sanitätswaffe
in der Saarkaserne in München
zur Ausbildung von Reservisten
untergebracht. Trotz harter Übungen
hatte er auch während dieser Zeit viel Spaß,
so dass ihm sogar die Ausbildung
im militärischen Sanitätsdienst
einigermaßen erträglich erschien.
Kurz nach seiner Beförderung
zum Unterarzt im Sommer 1940
erhielt Lodes den Abstellungsbefehl
an die Front.
Er landete in Warschau
bei einem Wachregiment,
wo er neben dem Sanitätsunterricht
auch die Aufgabe hatte,
die hygienischen Bedingungen
aller Wachbezirke
des Warschauer Wachbataillons
zu kontrollieren." (2, Band 1, Seite 6)
(Bild: Lodes, Kriegsbeginn - Abschied;
Öl auf Leinwand)

Dr. Lodes wurde bald darauf in ein in Siedlce (poln.) am Bug in der Nähe der polnischen Grenze liegendes Feldlazarett versetzt. Hier sollte er als eigentlich noch unfertiger Orthopäde eine kleine Unfallabteilung übernehmen. Das Lazarett und mit ihm Lodes wurde 1941 über Ostpreußen und Litauen nach Russland abkommandiert.
„Alle wußten, daß es längst rückwärts ging. ... In Sereda wurden die aus Klin kommenden Verwundeten gesammelt, mehrere konnten operiert werden und wurden dann mit den anderen verladen. Die mit etwas Holz und eingebauten Kanonenöfen versehenen Güterwagen fuhren zugweise ab. Sie kamen auf halbem Weg irgendwo zum Stehen, so daß die weniger Beweglichen in den Waggons auf der Strecke erfroren.
Ihre erstarrten Körper konnten erst in Wyasma mit Eispickeln aus ihrem eigenen, am Boden festgefrorenen Kot befreit werden.
Und die auf solche Weise entleerten Waggons wurden erneut gefüllt, angefüllt mit Nachschub. Die eben vom Heimaturlaub am Bahnhof eingetroffenen Soldaten fuhren los, hinaus in die Kälte des Ostens. Dort wurden sie ausgeladen, dort, wo man die Kameraden zum Erfrieren vorher eingeladen hatte, und man deutete nach Osten, und der versammelte graue Haufen von Gestalten marschierte los und verschwand im Schneetreiben, eingemummt in zu dünne Mäntel, ohne Gewehr und ohne einen Schuß Munition in den Taschen, ein grauer, ahnungsloser Haufen, der stumm und ergeben sich verlor, ..." (3, Seite 32)

Sanitäter hilft
einem Verletzten
(aus Ernst Eigener,
Russlandfeldzug)

"Neben den Qualen der hungrigen und erfrorenen Soldaten, dem Anblick der erhängten Menschen und den vielen toten Soldaten auf den Strassen, erlebte Lodes auch die Massengräber von Katyn, in der Nähe der russischen Stadt Smolensk. Lodes wurde mit der grausamsten Seite des Krieges konfrontiert. Kurz nach seiner Beförderung vom Assistenzarzt zum Oberarzt, wurde sein Lazarett in die Gegend von Orel, das heutige Orjol, verlegt. (Anm.: im Frühjahr 1943) Von dort sollte es in den folgenden Tagen südöstlich, nach Kromy, gelangen. Die Russen waren jedoch schon ganz in der Nähe und bombardierten das Quartier in Orel." (2, Band 1, Seite 7)
Lodes erlitt bei diesem Angriff russischer "Brummer" (1, Seite 208) einen Schenkelhalsbruch, wurde eingegipst und in einen Lazarettzug verladen, der nach mehreren Stationen schließlich auf einem Bahnhof hielt, "der mir aus meiner Gymnasialzeit sehr wohl bekannt war: Ich wurde in Amberg ausgeladen." (1, Seite 209)
Der Fronteinsatz war damit für Dr. Rudolf Lodes beendet. Nach ein paar Wochen Lazarettaufenthalt in Amberg und München wurde er im von Hitler erbauten „Rasthaus am Chiemsee" als Abteilungsarzt eingesetzt und blieb bis Kriegsende dort.

Das 1938 eröffnete "Rasthaus am Chiemsee" ist seit 2011 die
Klinik Medical Park Chiemseeblick (Psychosomatik) geworden.
Und gleich nebenan in Sichtweite ist die Klinik Medical Park Chiemsee,
eine Rehaeinrichtung für Orthopädie, Traumatologie und Sportmedizin.

Entscheidung
Weil die Wohnung in München von Bomben zerstört war, quartierten sich die Eheleute Lodes zunächst im Herbst 1945 für einige Zeit im Elternhaus in Auerbach ein, wo auch ein Rest ihrer Habe lagerte. „Im Oktober zogen wir dann – meine Frau und ich - ohne Tisch und Bett nach München, wo wir in der Ärztewohnung der Orthopädischen Klinik eines der Nachtdienstzimmer bewohnen durften, dessen Fenster noch scheibenlos und deshalb mit Pappe vernagelt war. Immerhin verfügte die Küche im Tiefgeschoß über ausreichende Mengen von Lebensmitteln, an denen wir teilhaben konnten. Gehalt gab es ein halbes Jahr nicht, dafür aber Arbeit in Hülle und Fülle. … Ein neuer Lebensabschnitt hatte begonnen.“ (1, Seite 225)
Für den Mediziner Dr. Lodes galt es nun, sich zu entscheiden: Sollte er eine Laufbahn an der Universität einschlagen – die Habilitationsschrift lag handschriftlich bereits vor – oder sich „einem anderen, eher gemischten Betätigungsfeld zuwenden“. (1, Seite 243)
Lodes wählte das „gemischte Betätigungsfeld“: Beruflich kündigte er die Assistentenstelle an der Uniklinik und ging an die Orthopädische Versorgungsstelle München, eine Einrichtung zur Kriegesopferversorgung insbesondere von Arm- und Beinamputierten. In seiner Freizeit aber widmete er sich ganz seiner künstlerischen Neigung und Begabung.

Beruflich im Ruhestand, aber ...
„Im Juni 1973 ließ sich Lodes auf eigenen Antrag pensionieren. Es folgten Jahre, die von seinem unermüdlichen künstlerischen Schaffen gekennzeichnet waren. Er verbrachte den Großteil seiner Zeit in der eigenen Werkstatt, produzierte mehr denn je und wirkte auch gelegentlich bei Ausstellungen mit.“ (2, Band 1, Seite 9) Und so entstanden in den folgenden Jahrzehnten etwa 700 Ölbilder, sowie ca. 3.500 Radierungen, Holz- und Linolschnitte.

Seit längerem
war Erika Lodes
krank, unheilbar.
"12.12.88, gegen 23 Uhr:
Nun hat sie mich
allein gelassen.
Das macht fassungslos.
...
Ihr Leben war Güte."
(1, Seite 456)
Erika Lodes
hat ihre letzte Ruhestätte
auf dem Friedhof Auerbach
in der Nähe der Kirche.

Bald nach dem Tod seiner Frau Erika nahm der Witwer wieder Kontakt zu deren Nichte Margarete Hecker auf. Diese hatte kurz nach Kriegsende – weil ihre Familie aus dem Osten vertrieben und der Vater gefallen war - einige Zeit bei den Lodes in München gewohnt und stand gerade vor dem Ausscheiden aus dem Berufsleben als Professorin für Sozialarbeit in Darmstadt. Seit 1981 gehörte ihr ein renoviertes Fachwerkhaus in Ober-Ramstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg.
„Um aus der Einsamkeit seiner Wohnung in München zu entfliehen, zog er zu Margarete. Hier konnte er sich ein Studio mit Oberlicht einrichten und seine bereits umfangreiche graphische Produktion ausweiten. Diese erneute Schaffensperiode wurde dann immer wieder durch Reisen mit Margarete, die unter vielen anderen gemeinsamen Interessen auch seine Begeisterung für das Erkunden fremder Regionen teilte, unterbrochen. Anfang der 90er Jahre musste Lodes all diese Unternehmungen aufgeben. Obwohl sein Geist sich gerne weiterhin noch leidenschaftlich mit neuen Kunstwerken auseinandergesetzt hätte und er noch gerne weitere Gegenden erkundet hätte, konnte sein geschwächter Körper nicht mehr mit seinem Schaffens- und Wissendrang mithalten. Lodes zog sich zurück und führt seitdem ein ruhiges Leben im Beisein Margaretes, die ihn liebevoll umsorgt.“ (2, Band 1, Seite 10)

Der Schriftsteller Lodes
Wenn auch in einem wesentlich geringeren Umfang als bei Malerei und Grafik, so aber doch nicht unbedeutend, schuf Dr. Lodes auch einige schriftstellerische Werke.
„Huuza güi, dees is schüi“ heißt sein erstes, 1989 in Mundart geschriebenes Büchlein. (5) Mit hintergründigem Humor erzählt Lodes Ereignisse, wahre und erdachte, aus seiner Kindheit in Auerbach, so wie diese: „D' Meaggl Riidi lachd gean. Si keend a Doochbuungschichdl: Da Boodawaschl houdsa wiida woos gleisd, moind d'Riidi. Dou iis doch druum afn Roudhaasbuun a Oarm vanaran Menschn gfuuna wuan. An Schdoodschreiwa sa Kazz houd deen Oarm assagrazzd aasaran Aawigglbabbia. Und da Eggad, uuna Bolizeimoisda houd glei uunan Booda ghuuld und houd nan gfrouggd, ob dea Oarm veleichd miidan Muad zammahenga kinndd. Und da Booda, dea Schrebbfa houd deen Oarm aagschaud, druum am Doochbuun und houd gsagd: Dea Oarm dou, dea schdammd vanaran gans frischn Muad.” (5, Seite 56) Es stellt sich im Verlauf der Geschichte heraus, dass einer der Söhne von Stadtschreiber Franz Weiß, der mit seiner Familie vor den Lodes im Rathaus gewohnt hatte, im Rahmen seines Medizinstudiums diesen abgetrennten Arm mitgebracht und auf dem Dachboden gelagert hatte. Polizeimeister Eckert aber hatte fortan das Gespött der Leute, „waal dea deen doudn Oam ba da Nachd drassn im Friedhuuf houd aagroom müin“. (5, Seite 56)

Die über 50 Geschichtchen sind wegen der Dialektform nicht leicht zu lesen. Aber sie sind sehr interessant und amüsant, besonders wenn sich unter Ringl Niggas, Buaddla Hans, Ibscher Reddl, Schmugga Franz, Hofmaa Schdäfan, Mala Fischa, Angara Baal, Doolaschousda in da Boochgass usw. jemand noch jemand vorstellen kann.
Die oben angesprochene Meaggl Riidi ist übrigens meine Mutter, die zwei Jahre älter als Rudolf Lodes war, und in deren Elternhaus „beim Langerfranzn“ er einen Teil seiner Kindheit mit meinen zahlreichen Onkeln verbrachte.

"beim Langerfranzn"
um 1920

Viele dieser Episoden hat Lodes in seinem Büchlein „Kleinstadtgeschichten aus der Oberpfalz“ (4) gleichsam ins Deutsche übersetzt, manche weggelassen und andere dazu geschrieben. So heißt es z.B.: „Der hochwürdige Herr Stadtpfarrer Sieck war ein blaßgesichtiger Mann von untersetzter Statur, mit einem fast quadratisch geformten Gesicht, aus welchem unter buschigen Brauen ein Paar hellblauer listiger Äuglein hervorblitzte. Seine nicht sehr hohe Stirn war von dichtem, hellgrauem Haar eingerahmt. Es legte sich wie eine Bürste stumpf um den runden Kopf und glänzte wie silberne Seide. Wenn Herr Pfarrer Sieck sein Breviergebet beendet hatte - bei gutem Wetter las er es meist im Garten neben dem Pfarrhaus, so im gemächlichen Umhergehen - dann trat er durch die Seitentür in den schmalen langen Gang seines Pfarrhofs und begab sich nach vorne in die Studierstube. Auf den glatt gebohnerten Steinfliesen zwischen den kahlen Wänden ließ er dabei das leise Knirschen seiner Schuhsohlen vernehmen, und nur selten war es einem gewöhnlichen Sterblichen beschieden, die von Sauberkeit strotzenden, geheiligten Räume zu betreten. Für solche Fälle waren Filzpantoffeln bereitgestellt, deren man sich unbedingt bedienen mußte. Ursache dieser strengen Regel war die Nichte des geistlichen Herrn. … Der Volksmund nannte sie die Pfarrer-Rosl …“ (4, Seite 40f)

Die Haushälterin
von Pfarrer Johann Steets
(1907-20 in Auerbach),
um den es sich hier handelt,
muss schon
recht gefürchtet gewesen sein. 

Aber das, und andere Schmankerln aus dem Leben unserer Stadt vor knapp hundert Jahren, kann man selber nachlesen in den "Kleinstadtgeschichten aus der Oberpfalz".

Im Nachlass von Dr. Lodes fanden sich auch mehrere Gedichte. Ein Beispiel:

Aus der Jugendzeit
Ich habe gesündigt,
Bewusst
Und zum ersten Mal.

Ich hab´ meinem Vater
Eine Zigarre gestohlen.
Und nichts,
Gar nichts
Ist geschehn.
Kein Blitz
Kam als Strafe
Für mein Vergehn.
Ich habe den Glimmstengel
Gegen Briefmarken vertauscht
An des Nachbarn Sohn Hugo.
Der hat ihn geraucht
Und dann gekotzt.
Ja: Strafe,
Sagt man,
Strafe muss sein.

Doch Rudolf Lodes schrieb nicht nur hintergründig und humorvoll, er war auch ein Mensch mit emotionalem Tiefgang. Seine Erlebnisse als Arzt im Zweiten Weltkrieg, vor allem in Russland, belasteten ihn zeitlebens. In seinem nur gut 80 Seiten umfassenden Bändchen „Verheimlichtes vom Krieg“ (3) steht auch dieses selbstverfasste Gedicht:

„Kreuze für alle
Kreuze aus Birkenholz
Wie friedlich leuchtet eure Rinde.
Kreuze aus Eisen
Wie kalt seid ihr doch.
Wer also hat da noch nicht und
Wer will da noch?
Denn:
Man sieht nur Gefallenes
Und lebt damit und davon.
Gefallene Soldaten.
Gefallene Mädchen
Und Fallobst für den Hunger.
Es platzen die gefallenen Aktien
Wie die gefallenen Bomben
Und wieder und wieder
Gibt es nur
Kreuze.
Kreuze für alle.“
(3, Seite 45)

Das umfangreichste Werk ist seine Lebenserinnerung (1), aus der oben schon mehrfach zitiert wurde. Auf über 500 Seiten beschreibt Rudolf Lodes sein Leben und viele seiner Zeitgenossen und Weggefährten.
Im Epilog fasst er quasi das 20. Jahrhundert und seinen Lebensweg zusammen: „Das von mir durchwanderte Jahrhundert hatte es in sich – wie man so sagt – zwei Weltkriege, Schulreformen, zwei Geldentwertungen (Inflation 1923 und Währungsänderung 1948), zweimal neue Wehrmacht, bildungspolitischen Hader, grundlegende Änderungen im studentischen Leben, den Wandel von Begriffsinhalten, wie zum Beispiel Frömmigkeit, Gelehrsamkeit, Wissenschaft, Kunst, sowie Macht, Recht und Freiheit.“ (1, Seite 512)

Würdigung
Am 18. Mai 2006 starb Dr. Rudolf Lodes im gesegneten Alter von 96 Jahren in seiner hessischen Wahlheimat.

Die Urne mit den sterblichen Überresten von Rudolf Lodes kam exakt an dessen  Geburtstag, dem 5. Juni 2006, ins Rathaus nach Auerbach zurück, wo er 97 Jahre zuvor geboren wurde.  
Seine letzte Ruhestätte fand er im Familiengrab auf dem Friedhof in Auerbach, wo auch schon seine Eltern und Großeltern liegen.
Zwei schlichte Bronzetafeln erinnern an Erika und Rudolf Lodes.

Dr. Lodes war nicht nur Facharzt für Orthopädie, sondern er hat sich auch als talentierter und fleißiger Maler und Grafiker in der Kunstwelt einen guten Namen gemacht. Er war darüber hinaus mit einfühlsamem Stil schriftstellerisch tätig.
Der Autodiktakt Lodes hat nie an einer Kunsthochschule bzw. Akademie studiert, sondern sich im Laufe der Jahrzehnte durch beharrliches Lernen und Üben, durch Gelegenheitskurse, und durch Gespräche und Unterweisungen von renommierten Künstlern aus- und fortgebildet. Bis Ende der sechziger Jahre malte er ausschließlich in Öl und stellte auch aus.

„Seine Gemälde
sprechen den Betrachter an.
Lodes zeigt
überwiegend Menschen,
deren Gesichter Skepsis,
Trauer, Sehnsucht, Hoffnung,
Neugier und Angst ausdrücken.
Anlässlich einer Ausstellung
in Passau im März 1997
schrieb ein Kunstkritiker:
´Vielen Schrecken und Ängsten
gibt dieser Künstler
ein eindrucksvolles Gesicht.
Viel Ironie ist im Spiel.´“ (8)

Erst der damalige Direktor der „Neuen Sammlung“ München, Hans Eckstein, machte Rudolf Lodes 1968 auf sein eher grafisches Talent aufmerksam. „Ihm … habe ich es zu verdanken, daß meine Neugier sich auf graphische Techniken konzentrierte; denn er hatte … gesagt: ´Die Komposition beherrschen Sie, die Farbe läßt sich weiterdifferenzieren, aber Ihre Grundelemente sind graphischer Natur.´ Das erzählte ich Hermann Ober, und der meinte: ´Wissn´s Doggda, ich zeigs Ihnen, wie Sie ´s machen können, kommens raus in mein Atelier nach Salzburg, dann schneiden wir zusammen ausm Linol, einfarbig und mehrfarbig und drucken drunten im Keller miteinander a paar Wochen lang.´“ (1, Seite 277) Und so kam Dr. Lodes zur Grafik, die ihn zeitlebens nicht mehr losließ.
„´Lodes' graphische Blätter zeugen von einer überdurchschnittlichen Begabung sowohl in der rein zeichnerischen Ausführung des Bildmotivs als auch in Bezug auf den Ausdruck und die Farbgebung´, urteilt der Passauer Künstler Karl Schleinkofer über den gebürtigen Auerbacher, ´der während seiner Tätigkeit als Orthopäde eine großartige künstlerische Leistung vollbracht hat, die im Nachhinein kaum fassbar ist und die des öfteren zu Unrecht sein ebenso anzuerkennendes ärztliches Wirken in den Schatten stellt.´“ (9)

Zusammenfassend stellt Frau Gaia von Stepski-Doliwa fest: „Lodes’ Schaffen deutet auf eine herausragende und vielseitige Persönlichkeit, die, von einen unermüdlichen Tatendrang durchdrungen, seinen Neigungen als Orthopäde und als Künstler gerecht wurde. Weder sein Beruf noch seine künstlerische Ader wurden von ihm vernachlässigt. Lodes’ Leben spielte sich stets ´im Spannungsfeld zwischen Medizin und Kunst´ ab.“ (2, Band 1, Seite 48)

verwendete Quellen

1 Lodes, Rudolf, Neunmal zehn Jahre - im Spannungsfeld zwischen Medizin und Kunst, München 1999
2 von Stepski-Doliwa, Gaia, Rudolf Lodes - Das graphische Werk, Ein Lebensbild im Spannungsfeld zwischen Medizin und Kunst; Diplomarbeit Univ. Passau, 2004 (Band 1 und 2)
3 Lodes, Rudolf, Verheimlichtes vom Krieg, München (ohne Jahr)
4 Lodes, Rudolf, Kleinstadtgeschichten aus der Oberpfalz, München (ohne Jahr; "Dem Gedenken eines großen Sohnes der Stadt Auerbach i. d. Oberpfalz, dem ehemaligen Seminarlehrer in Amberg Joseph Köstler gewidmet")
5 Lodes, Rudolf, Huuza güi, dees is schüi, Laßleben Kallmünz, 1989
6 Schleicher, Christa, In der Anatomie Ideen geholt, Sulzbach-Rosenberger-Zeitung, 4. Dezember 2004
7 Graf, Alfred, Zeitzeuge und Werber für Auerbach,  Sulzbach-Rosenberger-Zeitung, 26. August 2004
8 Graf, Alfred, Bilder von Skepsis und Neugier, in Sulzbach-Rosenberger-Zeitung, 27. August 2004
9 Schleicher, Christa, Vieles bleibt weiter verborgen, in Sulzbach-Rosenberger-Zeitung, 2. Dezember 2004

Paul Burkhard (1911-1977)
O mein Papa, aus "Feuerwerk"

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 12. September 2012

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