Schlaggenwald
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2006 jährte sich zum 50. Mal
die Übernahme der Patenschaft
durch die Stadt Auerbach
über die
aus ihrer Egerländer Heimat
vertriebenen
Schlaggenwalder.

Höhepunkte der Jubiläumsfeierlichkeiten waren der Heimatabend mit Grußworten und der Vorstellung der von mir, dem Betreiber dieser Website, erstellten Festschrift am Samstag (2. September 2006) sowie die Enthüllung der erneuerten Gedenktafel am Auerbacher Rathaus am Sonntag (3. September 2006).

Unter den Klängen der Bergknappenkapelle
und mit zahlreicher Beteiligung
von Schlaggenwaldern und Auerbachern
enthüllten Bürgermeister Ott (+2010)
und der 1. Vors. des SHGV Dilling
die Bronzetafel am Auerbacher Rathaus.
EGR Kurt Völkl (+2010), selbst Schlaggenwalder,
sprach kirchliche Segensworte.

Schlaggenwald
und die Schlaggenwalder

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und nach der rechtswidrigen Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat kamen zahlreiche Heimatvertriebene auch nach Auerbach in der Oberpfalz und sorgten hier mit dafür, dass es in unserer Stadt wieder aufwärts ging. Unter diesen, im Volksmund fälschlicherweise „Flüchtlinge“ genannten, befanden sich auch mehrere Bewohner der Stadt Schlaggenwald im Egerland. (gute Seite über das Egerland!)

Schlaggenwald (Kreis Elbogen) liegt etwa 15 km südwestlich von Karlsbad in einem Talkessel des erst 1974 geschaffenen Naturschutzgebietes Kaiserwald.

Das 1877-78 durch den Fürsten
Otto von Schönburg-Waldenburg
im Stile von Schweizer Jagdhütten
erbaute Jagdschloss Kladska
im Kaiserwald wird heute
als Hotel betrieben und ist
Ausgangspunkt zahlreicher Ausflüge.

Eigentlich muss es ja heißen, „Schlaggenwald lag dort“, denn seit 1945 gibt es dieses urdeutsche Städtchen in seiner damaligen Form nicht mehr. Die meisten der damaligen Bewohner - 1939 waren es 3.026 - wurden aus ihrer angestammten Heimat vertrieben, und Tschechen, die neuen Herren, haben das Gesicht dieses einstmals schmucken Städtchens grundlegend verändert; Horni Slavkov heißt der Ort heute. Näheres aus der Geschichte von Schlaggenwald findet man weiter unten.

 

Erinnerungen werden sicher wach beim Anblick dieser Ansichtskarte, die den unteren Marktplatz des ehemaligen Schlaggenwald mit der Spitalkirche St. Anna vor etwa 60 Jahren zeigt.

Die Übernahme der Patenschaft über die Schlaggenwalder durch die Stadt Auerbach ist nun bereits über ein halbes Jahrhundert her. Im Rahmen einer großen Feierstunde im (1995 abgebrochenen) Pfarrsaal beim Caritasheim (heute Alten- und Pflegeheim St. Hedwig) anlässlich des 6. Wiedersehensfestes am Samstag, den 11. August 1956, übergab der damalige 1. Bürgermeister Fritz Finsterer an die Bürger von Schlaggenwald eine Urkunde. In ihr ist der Beschluss des Auerbacher Stadtrates vom 19. Januar 1956 dokumentiert, in welchem dieser „einstimmig beschlossen“ hat, „die Patenschaft über die sudetendeutsche Bergstadt Schlaggenwald zu übernehmen“.
In diesem „Patenbrief der Stadt Auerbach an die Bürgerschaft der Stadt Schlaggenwald“ heißt es weiterhin: „Die Bürger der beiden Bergstädte werden für alle Zukunft bemüht sein, in inniger Freundschaft immer mehr zusammenzuwachsen ... .“ (1) Diesem Ziel dienen auch die bisher nahezu jedes Jahr in Auerbach durchgeführten „Schlaggenwalder Heimattreffen“.

Blick in die reiche Vergangenheit von
Schlaggenwald

So wie bei Auerbach liegen auch bei Schlaggenwald die geschichtlichen Anfänge im Dunkel der Zeit. Zahlreiche Bodenschätze, wie z.B. vor allem Zinnerze, aber auch Blei, Kobalt, Kupfer, Silber, Uran und andere Metalle waren sicher ein Grund dafür, dass in diesem Gebiet bereits in vorchristlicher Zeit Kelten siedelten; u. a. alte Opfersteine auf dem Spitzberg bezeugen dies. Fest steht wohl, dass im Jahrtausend vor Christi Geburt der keltische Stamm der Bojer in diesem Gebiet siedelte. Die Namen „Böhmen“ und „Bayern“ gehen auf dieses Volk zurück. Unter dem Druck der Awaren, einem mit den Hunnen verwandten Volksstamm, drangen dann später im 6. Jahrhundert n. Chr. slawische Stämme in Böhmen ein. Etwa im 12. Jahrhundert „begann die Umwandlung des Waldgebietes in eine blühende Kulturlandschaft. Bergbau, Handel und Wandel brachten nach und nach verschiedene Stämme, wie Bajuwaren, Franken, Thüringer usw. in unser Gebiet. Die Siedler bekannten sich zum christlichen Glauben. Dies traf vermutlich auch auf die bereits ansässige Bevölkerung zu.“ (2) Wahrscheinlich wurde die ganze Gegend vom Kloster Tepl aus missioniert und betreut.
In die geschriebene Geschichte tritt Schlaggenwald etwa zwei Jahrhunderte später als Auerbach um das Jahr 1202 ein; in diesem Jahr wird in einer Urkunde jedenfalls der Ortsname erstmals genannt. Der gesamte Kaiserwald mit den späteren Bergstädten Schlaggenwald, Schönfeld und Lauterbach gehörte damals den Herren von der Riesenburg. Ein Slawko oder Schlakko aus diesem Geschlecht ließ im Waldgebiet Krudum nach Erz graben. Bald entstand ein Dorf, das nach seinem Gründer „Schlakko­wald“ genannt wurde; die Ansiedlung Seifahrtsgrün bestand wohl schon früher. Der große Erzreichtum lockte viele Menschen aus dem benachbarten Bayern, aus Sachsen und aus dem Harz an, die im Bergbau Arbeit und Brot und im Schlaggenwalder Gebiet eine neue Heimat fanden. (Sagen und Bräuche)

Stadterhebung 1300 n.Chr.
Schlaggenwald, das insbesondere durch die Gewinnung und Verarbeitung von Zinn rasch an Bedeutung gewonnen hatte, wurde wahrscheinlich schon im Jahre 1300, also 14 Jahre vor Auerbach, zur Stadt erhoben. Aber ähnlich wie bei Auerbach liegt leider keine genau datierte Urkunde über dieses Ereignis vor. 1383 jedenfalls „hängte der Herr von Gfell an eine Urkunde das Siegel der Stadt zum Schlakkenwalde“. (2)

Das historische
Schlaggenwalder Stadtwappen
erinnert an den hier
über Jahrhunderte
betriebenen Bergbau.

So wie in die Oberpfalz fielen die Anhänger des tschechischen Reformators Jan Hus, der 1415 auf dem Konzil von Konstanz verbrannt worden war, auch in die Schlaggenwalder Gegend ein. Fazit der Hussitenkriege (1419-36): „Bergbau, Gewerbe und Handel kamen nahezu ganz zum Erliegen. Das Gemeinwesen brauchte Jahrzehnte, um sich wieder zu erholen.“ (2)

Die Pfluge von Rabenstein
Nachfolger derer von der Riesenburg als Herren des Ortes waren die Grafen von Gleichen, die Junker von Plauen und Meißen, die Grafen von Schlick und schließlich ab 1494 die Pfluge von Rabenstein (Pflugk von Rabstein, tschechisch Pluhové z Rabštejna). Ihr Wappen, u.a. mit zwei silbernen Pflugscharen, ist unten zu sehen. 

Die Pfluge "waren ein altes böhmisches Wladika-Geschlecht,
das im 15. Jhdt. zum Adelstand erhoben wurde.
Hanuš, der der höchste Kanzler
von Königreich Böhmen (1533-1537) war,
hat den Bergbau unterstützt und dank der Erträge
aus dem Bergbau hat er zu den reichsten Herren
in Böhmen gehört. Sein Neffe Kašpar
hat die hohe Stellung und auch den Besitz geerbt
und hat die Bauten in Petschau vermehrt.
Nach der Niederlage des Ständeaufstandes
hat er alles verloren, er hat sich das Leben
durch die Flucht nach Meissen gerettet.
Nach der erlaubten Rückkehr ist er 1583 gestorben
und mit ihm ist der böhmische Geschlechtszweig
ausgestorben." (Quelle)

Gerade diese Pfluge von Rabenstein erwarben sich große Verdienste um Schlaggenwald und dessen Bergbau, indem sie z.B. einen 100 tiefen Wasserstollen, den sog. „Kaspar-Pflug-Erbstollen“ errichten ließen, der die Erzgruben wasserfrei hielt.

Im heutigen Heimatmuseum
in Schlaggenwald befindet sich
u. a. auch die original Eingangstafel
(1539) zum ehemaligen
Kaspar-Pflug-Erbstollen.

Ein weit angelegtes Kanalsystem, das zum Teil noch vor dem Krieg in Betrieb war, sorgte für die Versorgung mit Trinkwasser. Viele stattliche Häuser im Nürnberger Baustil, die sog. „Pflughäuser“, verkündeten der Nachwelt vom Wirken dieses Geschlechtes.

In seinen Grundzügen stammte das Rathaus von Schlaggenwald aus dem 16. Jahrhundert. Leider fiel das prächtige historische Gebäude Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts einem mysteriösen Brand zum Opfer.
Bereits vor der Vertreibung war rechts in den ehemaligen Räumen der Sparkasse ein von Bürgerschulrektor Prosch betreutes Heimatmuseum untergebracht. Auch die Gaststätte links gab es nicht mehr.

In diese Zeit fällt 1518 auch die Geburt des vielleicht bedeutendsten Sohnes der Stadt, des Caspar Bruschius, der sich als Autor, Geschichtsschreiber, Poeta laureatus, Humanist und Anhänger der Reformation einen Namen machte.

In den Glaubenswirren der Reformationszeit mussten die Pflug 1547 Schlaggenwald in Richtung Sachsen verlassen. Hausfassaden um den ehemaligen Marktplatz der Stadt erinnern noch an sie. Kaiser Ferdinand I. beschlagnahmte sämtliche Pflug'schen Güter und erklärte Schlaggenwald im gleichen Jahr 1547 zur „kaiserlich freien Bergstadt“.

Reformation und Gegenreformation

Die frühen Christen errichteten wahrscheinlich auf einer kleinen Anhöhe in Seifahrtsgrün eine St. Anna-Kapelle als erstes Gotteshaus in Schlaggenwald. Wie bei Auerbach war auch in Schlaggenwald mit der Markt- bzw. Stadterhebung die Errichtung einer selbständigen Pfarrei verbunden. Die St. Georgskirche, heute leider in einem erbärmlichen Zustand, war von Anfang an Pfarrkirche. (3)

Etwa zur selben Zeit wie in Auerbach wurde auch in Schlaggenwald um 1530 die neue Lehre Martin Luthers eingeführt. In der 1525 fertig gestellten neuen St. Georgskirche wurden evangelische Gottesdienste abgehalten, in der Spitalkirche St. Anna (siehe historisches Foto) zeitweise noch katholische.

Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 und der Flucht des „Winterkönigs“ Friedrich V. (er hatte am 21. Juni 1621 mit seiner Gattin Elisabeth in Auerbach zur Huldigung geweilt) kam Schlaggenwald unter kaiserlichen Schutz; damit begann die Rückführung zum katholischen Bekenntnis. 1624 musste der letzte evangelische Pfarrer Paul Ratenstein die Stadt verlassen, in Auerbach widerfuhr zwei Jahre später dem Peter Reiß das gleiche Schicksal. Im Verlauf dieser Rekatholisierung verließen in beiden Städten so manche Bürger ihren Heimatort.
Schlaggenwald war wieder katholisch geworden; bei der Vertreibung nach dem II. Weltkrieg gehörten von den rund 5.000 Einwohnern (einschließlich der Dörfer) über 90 % diesem Bekenntnis an.


So haben die Schlaggenwalder
ihre St. Georgskirche
in Erinnerung.

Die nächsten drei Jahrhunderte
Für die folgenden Jahrhunderte sollen einige wichtige Ereignisse chronologisch aufgeführt werden. (2)
1688 wurde die erste Feuerspritze angeschafft. Beim großen Brand 1713 fielen 76 Häuser den Flammen zum Opfer, dazu auch die St. Annakirche und das Spital.
1742 im Verlauf des Krieges um die Erbfolge in den habsburgischen Ländern (1740-48, sog. Österreichischer Erbfolgekrieg) besetzten Franzosen Schlaggenwald. Nach Kriegsende begann Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich (1740-80) und Königin von Böhmen und Ungarn, die Verwaltung des Habsburger Reiches neu zu ordnen. Schlaggenwald kam nun zum Kreisamt Elbogen.
1774 waren im Bergbau nur mehr ca. 200 Arbeiter beschäftigt.

1792 gilt als Gründungsjahr der ersten Porzellanfabrik in Schlaggenwald. 1867 nach der Übernahme durch die Vettern Haas und Czjzek hieß die Porzellanfabrik Haas & Czjzek. Bis herauf in unsere Tage produzierte sie wertvolles Porzellan.
Links ein Beispiel für das berühmte Schlaggenwalder Porzellan. (Museum)
Seit 1988 ist die traditionsreiche Firma
Teil des staatlichen Betriebs Karlsbader Pozellan.  

1909 ließ der Lederfabrikant Roßmeissl eine Dampfkraftanlage bauen, die auch der Stromerzeugung diente.
Am Ende der ersten Weltkrieges (1914-18) zählte Schlaggenwald 3.305 Einwohner, darunter 39 Tschechen. Das Sudetenland wurde der neugegründeten Tschechoslowakei eingegliedert, auch die Schlaggenwalder erhielten durch einen Verwaltungsakt statt der österreichisch-ungarischen die tschechische Staatsbürgerschaft, die sie bis 1938 behielten. Bei den staatlichen Verwaltungen (Bahn, Post, Gendarmerie) wurden nun die deutschen durch tschechische Be­dienstete ersetzt. Deutsch blieb Amts- und Unterrichtssprache, amtliche Vordrucke lagen zweisprachig auf.

„Im Juni 1919 fand die erste Gemeinderatswahl statt. Lebenserfahrene Männer nahmen die Geschicke der Stadt in die Hand. Die Einwohner waren zum größten Teil in den Porzellanfabriken und in der Lederfabrik beschäftigt. Ein kleiner Teil lebte von Gewerbe und Landwirtschaft.“ (2)
„Getragen vom politischen Umschwung in Deutschland (1933), getrieben von der schlechten materiellen Lage vieler Menschen und dem uneinsichtigen Verhalten der Prager Regierung, fand die Sammlungsbewegung Henleins unter den Sudetendeutschen regen Anklang. Sie formierte sich ab 1934 zunächst als Sudetendeutsche Heimatfront und dann als Sudetendeutsche Partei (SdP).“ (2)
Nach dem Stufenplan des Münchner Abkommens erreichten am 4. Oktober 1938 deutsche Wehrmachtsverbände Schlaggenwald, wo sie von der Bevölkerung stür­misch begrüßt wurden. „Schlaggenwald gehörte 1938-1945 zum Deutschen Reich. Die 2.950 Einwohner der Stadt waren nun deutsche Staatsbürger geworden.“ (2)

II. Weltkrieg und Vertreibung

Die Geschichte der „letzten Jahre Schlaggenwalds“ sind im Zusammenhang dem 1991 erschienen Buch „Schlaggenwald - einst kaiserlich freie Bergstadt im Egerland“ entnommen. Dieses nicht nur für die Patenkinder Auerbachs einmalige Werk wurde vom "Schlaggenwalder Heimat- und Geschichtsverein" unter seinem (damaligen) sehr rührigen Vorsitzenden Josef Tauber (Tauber Seff) herausgegeben.

„Ab 1939 wurden die kriegsdiensttauglichen Männer jahrgangsweise zum Militär eingezogen, es sei denn, sie waren wegen ihrer Tätigkeit als unabkömmlich (uk) eingestuft. Manche mussten in kriegswichtigen Betrieben arbeiten. Immer mehr nahmen dienstverpflichtete Frauen die Arbeitsplätze einberufener Männer ein. Um fehlende Arbeitskräfte zu ersetzen, mussten ganze Schulklassen Ernteeinsätze und Mädchen nach dem Schulabgang ein Pflichtjahr in der Landwirtschaft, bei kinderreichen Familien oder bei Sozialdiensten leisten. Jungen und Mädchen (ab 17) arbeiteten beim Reichsarbeitsdienst (RAD) in der Landwirtschaft, beim Wege- und Straßenbau, Urbarmachen brachliegender Böden usw..
Schlaggenwald war bis zum Sommer 1944 vom Kriegsgeschehen nicht unmittelbar betroffen und auch von Luftangriffen unbehelligt geblieben. Die Fronten rück­ten indessen näher. Nachrichten über gefallene und vermisste Mitbürger brachten immer wieder großes Leid über viele Familien. Der zunehmenden Bedrohung aus der Luft suchte man durch Anlegen von Schutzräumen (Felsenkellern) und Einhalten der Verdunkelung zu begegnen. Nach dem missglückten Anschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 ließen jedoch die Bombardierung von Karlsbad am helllichten Tag und gelegentliche Tiefflugangriffe amerikanischer Jabos (Jagdbomber) in unserer näheren Umgebung - selbst einzelne Lkw oder Fuhrwerke waren vor ihnen nicht sicher - erkennen, dass die alliierten Geschwader auch den Luftraum über uns beherrschten.
Im Jänner (Januar) 1945 rückten 20 ältere Männer zum Volkssturm ein. Zur gleichen Zeit traf ein Eisenbahnzug mit Zivilpersonen aus Ungarn ein. Sie fanden in Gebäuden der Porzellanfabrik H. & C. Aufnahme. Auch die ersten Flüchtlinge aus Schlesien kamen an, die vor den anrückenden Sowjettruppen fliehen mussten.
Im Feber (Februar) erging Anordnung, auch die Hitlerjugend (14-16jährige Buben) in Aufgaben der Landesverteidigung einzubeziehen.
Ein großer Transport mit Flüchtlingen aus der Breslauer Gegend und aus Danzig wurde der Stadt zugewiesen. Sie mussten in Privathaushalten untergebracht werden.
Im März stellten die Schulen wegen häufiger Fliegeralarme den Unterricht ein.
Anfang April erreichte ein Flüchtlingstreck mit 20 Wagen aus Oberschlesien unseren Ort.
Wie anderswo auch, errichtete man an den Zufahrtsstraßen Panzersperren aus dicken Holzstämmen.
Gegen Ende des Monats passierten Einheiten der Wehrmacht mit Fahrzeugen und schwerem Kriegsgerät unsere Gegend in Richtung Osten. Sie kehrten nach wenigen Tagen zurück und blieben in der Stadt. Vernünftigen Offizieren gelang es, eine Rund­umverteidigung von Schlaggenwald zu verhindern. (Dass dies bereits im Mittelalter nicht möglich war, beweist das Fehlen von Stadtmauern, Wehrtürmen und sonstigen Befestigungsanlagen.)
Am 7. Mai drangen überraschend amerikanische Truppen von der Oberen Gasse her kampflos in das Stadtgebiet ein. Sie hatten sich von Falkenau aus durch die Wälder unbemerkt genähert und so die Sperren umgangen. Unsere Soldaten leisteten keinen Widerstand und ließen sich entwaffnen. Unsere Stadt blieb unversehrt.
Mit der Kapitulation des Deutschen Reiches war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Hier endet auch offiziell die Geschichte des deutschen Ortes Schlaggenwald, der fortan wieder Horni Slavkov hieß.“ (2)
Am 16. März 1946 begann dann offiziell die Vertreibung der deutschen Bewohner. Die Schlaggenwalder wurden in den folgenden Wochen quasi in alle vier Winde zerstreut, ein Jahrzehnt später übernahm unser Auerbach die Patenschaft über sie.

„Wanderer, kommst Du nach Horni Slavkov,
dann bleibt Dir fast das Herz stehen.
Der Anblick unserer Heimatstadt,
der Verfall von vertrauten Gebäuden,
das Fehlen ganzer Gassen,
die Überwucherung durch Unkraut
und die Unordnung allenthalben
machen betroffen und fassungslos.
Unser altes Schlaggenwald
hat sein Gesicht verloren.“
(2)


So oder ähnlich
dachte bestimmt auch Franz Hofmann,
als er 1991 nach rund einem halben Jahrhundert
zusammen mit dem Verfassers dieses Artikels
erstmals wieder seine Geburtsstadt
sah und betrat.
Franz Hofmann (+2012)
war zusammen mit seinem Vater Anton
und mit Toni Kunzmann
der Auerbacher Motor
der Schlaggenwalder Heimattreffen.
(Das Foto zeigt Franz Hofmann in tiefer Erschütterung
vor dem Kriegerdenkmal
auf dem damals sehr verwahrlosten Friedhof um die St. Georgskirche.)


Schlaggenwald heute
(Foto Jiri Laubendorf/Petr Lauer)

verwendete Quellen

1

Patenbrief der Stadt Auerbach an die Bürgerschaft der Stadt Schlaggenwald, gegeben am 11. August 1956 von Bürgermeister und Stadtrat, Lagerort Rathaus Auerbach

2 Schlaggenwald, einst kaiserlich freie Bergstadt im Egerland, Hausham 1991 (Schlaggenwalder Heimatbuch)
3 Jakob Herbert/Dilling Heinrich, Schlaggenwald - St. Georg, eine Kirche in Böhmen, Schlaggenwalder Heimat- und  Geschichtsverein, 2001

Tief drin im Böhmerwald ...

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 18. Februar 2014 

Ich selbst bin kein Schlaggenwalder,
sondern ein "echter" Auerbacher.
Diesen Artikel habe ich verfasst,
weil ich die Aufbauarbeit der Heimatvertriebenen
nach dem Krieg hier bei uns sehr schätze,
weil meine Heimatstadt Pate für die
aus ihrer Heimat vertriebenen Schlaggenwalder ist,
und weil ich unter den ehemaligen Schlaggenwaldern
mittlerweile viele Freunde gewinnen durfte.

Für Ergänzungen, Korrekturen usw. bin ich sehr dankbar.
Hier
können Sie mich erreichen!

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