anno 1418
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Urkunde vom 3. März 1418

„Wir Johanns von gots genaden pfalltzgrawe bey Rein vnd Hertzog in Beyern Bekennen offentlich mit dem brief, das wir haben ange­sehen sullich getruwe willig vnd stete dienst, die vnß vnser burger gemeinigklich vnß Statte zu Awrbach gethan habend vnd vnß vnd vn­ser erbn in kunftigen zeiten thun sullen und mugen, vnd auch umb sunderlich lieb vnd gunst, die wir zu densel­ben vnsern burgern vnd vnser Statt zu Awrbach haben, und auch umb gemeyns nucz und frumens wil­len, die derselben vnser Statt vnd den purgern, Reichen vnd Armen, davon komen mugen. So haben wir yn die be­sunder genade gethan vnd yn gegunnet, .... , das sy ein rathawse pauen sullen vnd mugend in der Statt zu Awr­bach auf dem margte oder platzze ..... vnderhalb des hawses nach der Statt.“

Dies sind die ersten sechs Zeilen der Urkunde, in welcher Pfalzgraf Johann „mit vnßm anhangenden Insi­gel, gebn zu Sulzbach am Pfintztag vor dem Sontag alls man sin­get yn der heiligen kristli­chen kirchen Letare in der Fa­sten nach kristi gepurtt vierzehen hundert vnd yn dem achtzehenden Jahre“, den Auerbacher Bürgern den Bau ei­nes neuen Rathauses genehmigte. (Lagerort Stadtarchiv Auerbach)
„Pfintztag“ hieß übrigens früher der Donnerstag.


Stolz brachten unsere Vorfahren vor fast 600 Jahren
an ihrem neuen Rathaus das Wappentier der Stadt,
den Auerochs oder Ur an; das Foto zeigt eine dieser uralten,
gut erhaltenen Steinplastiken an der Südfront des mittelalterlichen Gebäudes.

Die Textstelle „vnderhalb des hawses“ in der obigen Urkunde von 1418 gibt einen inter­essanten Hinweis auf das Nachbargebäude der alten Stadtschreiberei, die ehemalige „Büttelei“ (heute Oberer Marktplatz 12). Diesen Namen hatte es, weil hier jahrhundertlang Ratsdiener und Stadtknecht wohnten. Da in der Urkunde von „Haus“ schlechthin gesprochen wird, muss es sich um ein im damaligen Sinne „festes Haus“, eine Art Burg, gehandelt haben. Tatsächlich war es früher ein turmartiger Bau mit öffentlichen städtischen Funktionen. Im Erdgeschoss, also zum Marktplatz hin, befanden sich laut Salbuch von 1560 „die stettischen gefenknis“ und ein Kramladen.

Von 1902
bis zum Umzug in die Bahnhofstraße
im Oktober 1927
war in diesem Haus
(Oberer Marktplatz 12,
heute der Kirchenstiftung gehörend)
das Postamt untergebracht,
weshalb die ehemalige Büttelei
danach auch „alte Post“ genannt wurde.

„... all protpecken, flaischhawer ...“
Nun war das Rathaus in vergangenen Jahrhunderten nicht nur Verwaltungsgebäude, wie auch aus besagter Urkunde hervorgeht; es heißt dort u.a.: „... vnd sullent auch fürbasser all protpecken, flaischhawer, fragner (Kleinhändler), kramer vnd ander die stets vnd über Jahr failsachen kauffen oder verkauffen, darvnder failhaben vnd verkauffen vnd sußt nydert (sonst nirgends) in der Stat, vnd sullent davon gewonlich glich vnd billich zinse geben, ein yglicher nach vermugen vnd zeitlichen dingen vnd nachdem alsdann der Rate in vnser Stat zu Awrbach denselben zinß einem yglichen scheppfet vnd aufsetzzt. Die Außleut (auswärtige Händler) sullent uff dem rathawse an jarmergkten gegn gleichen zinse fail­halten. Vnd was also zinses gulte vnd nutzung von demselben hawse oben vnd vnten gefellet (eingeht), die sullent der Stat vnd den burgern gemeiniklichen, Rei­chen vnd Armen, zu nutzz vnd frumen komen.“
Kurz gesagt: Das Rathaus war zumindest in weiten Teilen ein Geschäftshaus, in dem Handel und Gewerbe blühten. Auch eine Art „Gewerbesteuer“ wurde dafür bereits erhoben, wie die
Urkunde von 1418 bezeugt.

Das kurz nach 1418 fertig gestellte Rathaus hatte in seiner ursprünglichen Form zumindest keinen langen Bestand. Ziemlich sicher umfasste es nur den östlichen, zum Oberen Marktplatz hin gelegenen Teil des heutigen Rathauses.
Diese schöne Steinplastik rechts neben dem Hauptportal auf Höhe des ersten Stockwerkes stammt wohl  von einer etwa ein Jahrhundert nach der Erbauung erfolgten Erweiterung. 

Das uralte Relief
zeigt das
städtische Wappentier,
darüber die gotische
Jahreszahl 1524,
und daneben wohl,
wie damals häufig
üblich, die Köpfe
des Baumeisters
und seiner Frau.

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