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Die ehemalige Schleifmühle
am Speckbach bei Auerbach

Unweit
von Degelsdorf in Richtung Auerbach lag bis vor wenigen Jahren
eine uralte Mühle, die im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Namen trug und
meistens unter Urbarsmühle oder Schleifmühle bekannt ist.
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Letzter
Eigentümer der Schleifmühle war Max
Wiesent, der das Anwesen mit seiner Familie 36 Jahre lang bewirtschaftete. 1976
verkaufte Wiesent seine Schleifmühle im Zuge des Eisenerzabbaus
in der Grube Leonie an die
Maxhütte.
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Der „Schlaafmühlmax“
war bis zur
Eingemeindung
nach Auerbach 1978
Bürgermeister
von Degelsdorf.
Hier mit seiner Frau Agnes
und vier der insgesamt
sechs Kinder.
(Foto etwa 1952; aus 3) |
Anfänge der Mühle
Erste
schriftliche Zeugnisse über die Urbansmühle, wie das Anwesen am Speckbach wohl zuerst
hieß, stammen aus der Zeit um 1500, doch dürfte seine Entstehung weiter zurückreichen. Im Auerbacher Saalbuch von 1499
wird die Urbansmühle "nicht weit von Auerbach und in bortdüng doselbst"
genannt. (bortdüng meint Porting bzw. Portium, also Gemeindeflur)
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In der Mühle
wurde anfangs
nur Getreide
gemahlen.
Und so
funktionierte
eine Mahlmühle |
Die
Urbansmühle war ein kurfürstliches Lehen
und der jeweilige Inhaber oder Pächter musste an den Kastner in Auerbach, der
sein Amtslokal in der "alten Münze"
hatte, bestimmte Abgaben leisten.
Anfang des 16. Jahrhunderts taucht der Namen Urbarsmühle für dieses
Anwesen auf. Ob das nur ein Schreibfehler war, oder ...
Häufige Besitzerwechsel
Weil dieses Lehen der Mühle nicht erblich war, wechselten zumindest bis zum dreißigjährigen Krieg
(1618-1648) die
Inhaber häufig.
"1532 hatte Fritz Zobel die Urbarsmühle zu Lehen und mußte dafür
jährlich 4 Achtl Korn als Gült oder Pacht geben." (1, Seite 475) In der
Türkensteuerliste von 1542 heißt die Mühle deshalb auch Zobelmühl.

In früheren
Jahrhunderten verursachte das Messen sehr große Schwierigkeiten, weil es viele
von Ort zu Ort verschieden wertige Maße gleichen Namens gab. Fast jedes
Pflegamt hatte sein eigenes Achtl oder Viertl.
Man unterschied auch zwischen dem rauhen Viertl (zehn Metzten), das für Hafer,
Gerste und gemischtes Getreide angewendet wurde, und dem glatten Viertl (acht
Metzen) für Korn oder Weizen.
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Ein Achtl entsprach früher eineinhalb Viertl
oder acht Napf, ein Napf waren
je nach Getreideart ca. 20 Pfund.
Ein Scheffel hatte sechs Metzen,
und ein Metzen acht Maß oder ca. 37 Liter.
(nach) |
Wenn man das Achtl zu acht Napf a ca. 20 Pfund
(ein Pfund ca. 500 Gramm) annimmt, dann wog ein Achtl ca. 10 kg. Der jährliche
Pacht von vier Achtl Korn waren dann etwa 40 kg, also etwa ein Sack voll. Soviel
musste der Urbarsmüller an das Kastenamt Auerbach abliefern.
Hätte seine Mühle allerdings im Pflegamt Köln gestanden, wäre der Pacht bei
sonst gleichen Konditionen viel größer gewesen. Ein Achtl in Köln
waren nämlich ca. 115 Liter. Wenn man 100 Liter Korn etwa
mit 73
kg ansetzt, dann waren ein Achtl ca. 95 kg, also rund ein Doppelzentner.
Die Vier Achtl waren folglich etwa vier Doppelzentner Korn, die Zobel im Jahr
als Pacht an das Kastenamt in Köln hätte abliefern müssen.
Ein bairisches Achtl Korn dagegen war nur
ungefähr 4,5 Liter mit einem Gewicht von ca. 3,5 kg.
Die vier Achtl Jahrespacht wären folglich etwa 16 kg Korn.
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Man mag daraus ersehen,
welche Problematik die angesprochene Vielfalt
der Werte
für ein und dasselbe Maß ergab.
<-- Ihnen wird das egal gewesen sein,
Hauptsache es war genügend da! |

Die
Türkensteuer war eine allgemeine Vermögens- und Kopfsteuer im 15./16.
Jahrhundert, welche zur Deckung der Kosten der Kriege gegen die Türken erhoben
wurde. Vielerorts sind diese Türkenstürlisten die einzigen noch heute verfügbaren
Bürger- und Besitzverzeichnisse aus diesem Zeitraum.

"1570 bis 1573 hatte Fritz Stümpfl von Degelsdorf die Mühle inne. Er war
ein roher und nachlässiger Mensch und behandelte seine verwitwete Schwester,
von welcher er die Mühle übernahm, wie einen Hund. Weil er nebenbei auch die
Mühle schlecht versah, wurde ihm das Lehen bald entzogen." (1, Seite 475
f)
Georg
Neumüller, der reiche Besitzer der nahen Burgstallmühle,
bewirtschaftete anschließend ca. 15 Jahre lang neben seiner eigenen auch die Urbarsmühle. Aus diesem ausgehenden 16. Jahrhundert stammt ein noch
erhaltenes Beschwerdeschreiben der anderen Müller am Speckbach, weil Neumüller auf der
Urbarsmühle gleich zwei Mahlgänge eingerichtet hatte, „obwohl das Wasser kaum für
ein Gangl hinreicht“.
1k.jpg)
Auf diesem Ausschnitt einer Landkarte (nach 2,
Seite 319) des kurpfälzischen Amtes Auerbach von 1581 heißt unsere
Mühle Schletermül. (wohl von schletern, d.h. spritzen, schwemmen)
Wie in der damaligen Zeit durchaus üblich sind die Landschaft quasi aus der
Vogelperspektive, die Gebäude in der Vorderansicht dargestellt. Auch die
Ansiedlungen der Umgebung sind auf diese Weise von Zacharias Heidenreich, dem
Verfasser der Landkarte, eingezeichnet. Ihre Schreibweise hat sich z.T. im Laufe
der Jahrhunderte etwas geändert, z.B. Ornbach, Stainamwasser, Hageno,
Deckelsdorff, Rormühl und Speck (Speckmühle).
Ende des 16. Jahrhunderts taucht wieder der Name Urbarsmühle auf. Diesen etwas fremdartig anmutenden Namen
könnte man etwa mit Pachtmühle oder Zinsmühle übersetzen; es handelte sich
bei diesem Anwesen ja um ein kurfürstliches Lehen.
Die große
Pest von 1634, die unsere gesamte Gegend furchtbar heimsuchte, raffte auch den
damaligen Urbarsmüller Hermann Steger mit seiner Familie dahin.

"Eine
wilde Soldateska brannte
1642 das menschenleere Gehöft weg, so daß am Ende des Krieges (1618-48)
von der
Urbarsmühle nicht mehr vorhanden war als ein Aschenhaufen und
Kohlenreste". (1, Seite 476)
Die
Grüner auf der Urbarsmühle
1650
bot sich der alte Pfannmüller Jakob Grüner bei der Regierung an, die
benachbarte Urbarsmühle
wieder aufzubauen, wenn er das Erbrecht darauf, 6 Jahre Steuerfreiheit und das nötige
Bauholz erhalte. Falls er dies zugestanden bekäme, wollte er auch wieder
katholisch werden; Grüner war einer der letzten und hartnäckigsten
„Protestanten“ der Pfarrei Auerbach, der nach der Übernahme der Oberpfalz
durch den bayerischen Kurfürsten Maximilian
anno 1628 die Rückkehr zum katholischen Bekenntnis verweigerte.
Sicher nicht zuletzt wegen der von Grüner zugesagten Konversion
genehmigte die kurfürstliche Regierung in Amberg dessen Pläne, und so erstand 1656 die Urbarsmühle
wieder aus Schutt und Asche.
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Ganz gut erkennbar
auf diesem alten Foto
der ehemaligen Schleifmühle
ist links das Wasserrad,
das vom Speckbach
über Jahrhunderte
angetrieben wurde. |
Etwa
in
dieser Zeit des ausgehenden 17. Jahrhunderts taucht der Name Schleifmühle auf. Sicher war
nun zumindest zeitweilig neben der Getreidemühle, die ihre Inhaber wahrscheinlich nicht
mehr so recht ernähren konnte,
zusätzlich auch ein Schleifwerk eingerichtet.
Werkstoffe, insbesondere Natursteine, wurden darin geschliffen und wohl auch
gesägt.

Die Schleifmühle (Foto um 1920; aus 3) war
schon ein stattliches Anwesen.
Der
Name Grüner blieb nun von 1656 an über 200 Jahre lang bis 1874 auf der Mühle.
Barbara
Grüner heiratete in diesem Jahr den Georg Kohl von der Eschenbacher Mühle, und
damit verschwand der Name Grüner.
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Deren Tochter
Theres
wiederum ehelichte 1908
den Johann Wiesent
aus Thomasreuth,
den Vater des oben
bereits genannten
letzten Schleifmüllers Max.
(Foto aus 3)
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Im Januar 1964 zog Max Wiesent mit
seiner Familie in das neu gebaute Haus unweit der alten Mühle ein. (Foto um
1965; 4)

Das Ende der Schleifmühle
Das alte Schleifmühlanwesen aber stand nun einige Jahre leer und verfiel
allmählich.
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Eines
der
letzten
Fotos
von der
Schleifmühle
bei Auerbach,
denn ... |
...
Mitte der
siebziger Jahre
wurden
die Mauern
abgebrochen.
(Fotos oben
und rechts
aus 3) |
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1k.jpg) |
Heute
erinnern
noch einige
von Gras und Moos
überwucherte
Mauerreste
an die
uralte
Schleifmühle. |
Andere
Schleifmühlen,
wie z.B. die im Spessart
oder eine andere
bei Schwerin,
haben überlebt
und laden
zu einem Besuch ein
...

verwendete Quellen
| 1 |
Köstler, Joseph, Kirchen- und
Schulgeschichte von Auerbach, Band XIX, Auerbach ca. 1910 |
| 2 |
Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der
Oberpfalz, Auerbach 1976 |
| 2 |
Archiv
Günther Gebhardt, Degelsdorf
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| 4 |
Archiv Sibylle Wiesent, Kümmersbruck |
letzte
Bearbeitung dieses Artikels am 6. Februar 2012

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Für Ergänzungen, Korrekturen usw.
bin ich sehr dankbar.
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