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Joseph Henfling
(Bruder Angelicus, OSB)
(1877-1950)
Kunstmaler und Klosterbruder |
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Joseph
Henfling (oben Selbstbildnis, Archiv der Stadt Auerbach) kam am 15. Februar 1877 in Auerbach im Haus Nummer 104a (heute Unterer
Markt 2, Rauscher) zur Welt.
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Das linke Anwesen (104a)
ist das Geburtshaus
von Joseph Henfling
und war 1763-1908
im Besitz dieser Familie.
Das Foto (etwa 1950)
stammt aus
Kugler, Hans-Jürgen,
Auerbach in der Oberpfalz -
Die Geschichte
seiner Häuser und Familien,
2008 (2, Seite 348). |
Talent und Neigung zur Kunst verdankte Joseph wohl seinem Vater Martin (1847-1897),
der als Dekorations- und Kirchenmaler - gelegentlich wird er auch als
„Kunstmaler“ bezeichnet – vor allem in seiner Heimatstadt Auerbach wirkte.
Die Eltern schickten ihren begabten Buben schon als 15jährigen im Jahre 1892 an
die Kunstgewerbeschule nach Nürnberg, wo er bald zu den drei besten Schülern zählte.
Nach 4 Jahren Ausbildung in Nürnberg besuchte er von 1896 bis 1903 die Akademie
der bildenden Künste in München, zuletzt als Meisterschüler des damals
namhaften Malers und Zeichners Prof. Wilhelm von Diez, zu dessen Schülern u. a.
auch der berühmte Max Slevogt zählte.
Reisen
nach Italien und Griechenland
1905 konnte sich der achthundzwangjährige Joseph den Traum nahezu aller Maler
und bildenden Künstler erfüllen, nämlich eine längere Reise nach Italien und
eine Fahrt nach Griechenland zu unternehmen, um sich von den südlichen Gefilden
künstlerisch inspirieren zu lassen.
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Diese
beiden Ölbilder (links Früchte essende Knaben, 1906; rechts Knaben beim
Würfelspiel, 1909) malte Joseph Henfling nach
dem berühmten spanischen Barockkünstler Bartolome Esteban Murillo.
Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Joseph, bereits 37 Jahre
alt, als Freiwilliger zum Militär.
Bruder
Angelicus
Ein zweiwöchiger Aufenthalt im Benediktinerkloster Beuron, im Donautal bei
Sigmaringen in Baden-Württemberg gelegen, brachte eine Wende im Leben des
jungen Künstlers: Joseph fasste den Entschluss, Mönch zu werden und ins
Kloster zu gehen.
1929,
nunmehr bereits 52 Jahre alt,
trat Joseph Henfling
deshalb in die bekannte
Abtei Ettal
ein und legte am 13. Juli 1931
die Ordensgelübde
als Benediktiner ab.
(Selbstbildnis, 1936)
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In
Verehrung des berühmten italienischen Malers und Mönchs aus dem Orden der
Dominikaner Fra
Angelico da Fiesole aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts nahm er den
Namen Bruder Angelicus an.
In seiner neuen Heimat,
dem Kloster Ettal,
wirkte Joseph Henfling
nun fast zwei Jahrzehnte
nach der benediktinischen Regel
„ora et labora“ (bete und arbeite).
Hier
konnte er
auch als Ordensmann
sein künstlerisches Schaffen
fortsetzen.
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Dieses
51x40 cm große Ölbild von Joseph Henfling ist in Privatbesitz (3) und lässt
erahnen, dass der Maler seine neue Ettaler
Heimat sehr liebte und wohl auch oft erwanderte.
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Dieses Ölbild im
Besitz der Stadt Auerbach
zeigt eine Ansicht
des Klosters
Ettal
vom Abhang des Mühlberges
aus gesehen; Br. Angelicus
schuf es am 20. April
1943.
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In den
weiträumigen Gebäuden des Klosters Ettal sind heute noch zahlreiche Landschaftsbilder und Porträts
von der Hand Joseph Henflings vorhanden.
Auch für die befreundeten Klöster Weltenburg und
Scheyern, sowie für das Griechische Kolleg in München (Ikonostase) schuf der gebürtige
Auerbacher zahlreiche Bilder.
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Signatur des Malers
auf dem Selbstbildnis
(siehe ganz oben) |
Schriftliche Aufzeichnungen, welche Ettal noch heute von Joseph Henfling
besitzt, zeugen von der empfindsamen Seele eines Mannes, der sich seines Künstlertums
durchaus bewusst war und es doch mit der selbstauferlegten Ordenspflicht der
Unterordnung unter die Gemeinschaft ernst nahm. Konflikte zwischen Ordensmann
und Mensch blieben allerdings nicht aus, zumal Henfling, wie er selbst einmal
von sich sagte, „von Natur aus ein ungewöhnlich komplizierter Mensch“ war,
der wohl zeitweilig an seiner untergeordneten Stellung als einfacher Bruder im
Kloster litt, im künstlerischen Schaffen aber dann doch wieder seine
Befriedigung fand.
Im Alter von gut 73 Jahren starb Bruder
Angelicus, Joseph Henfling aus Auerbach,
am Allerseelentag
(2. November) 1950 und wurde auf dem Klosterfriedhof in Ettal beerdigt.
(Todesanzeige)
Würdigung
des Künstlers
Heinrich Henfling, der Bruder des Malers, schenkte der Stadt Auerbach
Weihnachten 1957 einige Bilder, darunter das oben abgebildete Selbstporträt von Joseph (etwa 1906), das
kurioserweise auf der Rückseite ein Stillleben in Öl (siehe weiter unten) trägt.
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Dieses
Ölbild
eines am Tisch sitzenden Mannes ist signiert mit
„J. Henfling.
93“.
Der Künstler schuf
dieses Bild somit bereits
im Alter von 16 Jahren.
Auf der Rückseite
steht der
handschriftliche Vermerk:
„Der Hering Vetter.
Ein
Auerbacher Original“.
Das Bild ist im Besitz
der Stadt Auerbach. |
Die
künstlerische Bedeutung des geborenen Auerbachers Joseph Henfling beweist auch
seine Aufnahme in große Künstlerlexika. So werden er und sein Schaffen gewürdigt
in Band 16 von Thieme-Becker „Allgemeines Lexikon der bildenden Künste von
der Antike bis zur Gegenwart“ (S. 385, 1923), ebenso wie in Hans Vollmers Werk
„Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts“ (Band II,
S.417, 1955).
Auch
diese drei Portraits stammen von Joseph Henfling. Die Radierungen hängen im
Beratungszimmer des Rathauses in Auerbach in der Reihe
der anderen Bürgermeister.
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Leonhard
Neumüller,
Bgm. 1854-1888 |
Joseph
Neumüller,
Bgm. 1888-1902 |
Michael
Fellner,
Bgm. 1902-1917 |
Fritz Schnelbögl würdigt Henfling in seiner Chronik „Auerbach in der
Oberpfalz“ in einem ausführlicheren Artikel, der auch in diese Erinnerung mit
einbezogen wurde. Er schreibt: „Seine Werke fanden in den damaligen
Kunstausstellungen, namentlich im Münchner Glaspalast und bei der
„Gesellschaft für christliche Kunst“, Lob und Beifall.“ (1, Seite 256f)
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Dieser Fliederstrauß
- gemalt in Öl -
ist auf der Rückseite
des ganz oben abgebildeten
Selbstbildnisses
von Joseph Henfling
zu sehen.
(Archiv Stadt Auerbach) |
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Dieses Werk von Joseph Henfling,
der hl. Nepomuk,
war zunächst im Besitz von Dr. Lodes.
Danach gehörte es Helga Weise-Richter,
einer Enkelin von Stadtförster Wallner.
Sie vermachte es
der Pfarrkirche Auerbach, wo es
heute in der Nische des Kreuzaltars
(dritter Seitenaltar von hinten)
seinen Platz gefunden hat. |
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verwendete
Quellen
| 1 |
Schnelbögl, Fritz, Auerbach
in der Oberpfalz, Herausgeber Stadt Auerbach, 1976 |
| 2 |
Kugler,
Hans-Jürgen, Auerbach in der Oberpfalz, Geschichte der Häuser und ihrer
Familien, Band 1, Auerbach 2008 |
| 3 |
Privateigentum
Jürgen Schuh |
letzte Bearbeitung dieses Artikels am 28.
Juli 2011

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