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und sein Geselle
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Eines der ältesten Gebäude unserer Stadt
Auerbach ist die so
genannte „Alte Münze“ im Schlosshof. In der Denkmalliste heißt es über dieses Haus kurz:
„...
dreigeschossiger Putzbau (überputzte Eckquader) mit steilem Satteldach, gewölbte
Gänge, 16. Jahrhundert.“
Vor wenigen Jahren wurde das uralte Gebäude mitsamt dem Vorplatz
umfassend saniert und renoviert und beherbergt heute u. a. eine kleine
Gaststätte. |
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Ursprünglich stand an diesem Platz wohl schon seit der Markterhebung 1144 das
Kastnerhaus, in dem der Kastner, ein königlicher Beamter wohnte, der die meistens aus
Naturalien bestehenden Abgaben für seinen Herrn einnehmen musste; er hatte in
diesem Gebäude auch seinen Amtssitz.
König Wenzel (deutscher König 1378-1400) richtete um das Jahr 1390 im
Erdgeschoss dieses Hauses - seit Herbst 2003 ist in diesen Räumen eine
gemütliche Gaststätte - eine eigene Münzwerkstätte ein, in der etwa ein
Jahrzehnt lang u.a. die berühmten „Auerbacher Pfennige“ geprägt wurden;
einer davon ist in die wertvolle Amtskette des Bürgermeisters eingearbeitet.
Aus dieser Zeit des ausgehenden 14. Jahrhunderts stammt die folgende Sage.
König Wenzel hatte für seine Auerbacher Münzwerkstätte
einen tüchtigen, rechtschaffenen Münzmeister angestellt. Er war ein gottesfürchtiger
und lebensfroher Mann, der natürlich genau Rechenschaft geben musste über die
von ihm verarbeiteten Edelmetalle. Auf einer Goldwaage wurde deshalb alles
genauestens abgewogen, denn der Meister haftete persönlich mit seinem Kopf für
das ihm anvertraute Gut.
Bei seiner verantwortungsvollen Arbeit half ihm ein Geselle. Sie wogen ab,
schmolzen, mischten, gossen in Formen, hämmerten, feilten und polierten von früh
bis spät, bis die Münzen schließlich die gewünschte Form und das vorgesehene
Gewicht hatten. Nur diese beiden Vertrauenspersonen konnten die Münzwerkstatt
betreten, ein Fremder durfte den Fuß nicht über die Schwelle setzen. Und nach
Feierabend, bevor der Geselle seine außerhalb des Gebäudes liegende
Schlafstatt aufsuchte, wurden tagtäglich alle Edelmetallvorräte nochmals
genauestens gewogen, mit dem Tagesverbrauch abgeglichen und dann streng
verwahrt. Der Münzmeister selbst schlief aus Sicherheitsgründen direkt in der
Werkstatt.
Eines Tages bemerkte der Münzmeister, dass ein kleines bisschen an Gewicht
fehlte. Diese Beobachtung machte er in den nächsten Tagen immer wieder; es war
nie eine größere Fehlmenge, im Laufe der Wochen kam jedoch einiges
zusammen. Da er seinen Gesellen für einen ehrlichen Menschen hielt und nicht
verdächtigen wollte, legte der brave Meister den Fehlbetrag stillschweigend aus
seiner eigenen Tasche drauf.
Einmal stand der Meister vor dem geöffneten Fenster und kehrte seinem Gesellen
den Rücken zu. Im Spiegelbild der Fensterscheibe sah der Münzmeister, wie sein
vermeintlich treuer Geselle plötzlich seine Schnupfdose herausnahm, sie öffnete,
blitzschnell etwas hineinwarf und sie sofort wieder wegsteckte. Der Meister ging
ruhig auf seinen Mitarbeiter zu und bat ihn um eine Prise Schnupftabak.
Stotternd sagte der Geselle, dass er heute leider seine Schnupfdose nicht dabei
habe. Diese Lüge erzürnte den Münzmeister so sehr, dass er seinen Gesellen
mit dem großen Hammer, den er gerade in der Hand hatte, kräftig auf den Kopf
schlug. Röchelnd sank der Getroffene zusammen und war auf der Stelle tot.
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Das hatte der Meister natürlich nicht gewollt, konnte es aber jetzt auch nicht
mehr rückgängig machen. Um den Mord zu vertuschen, begrub er seinen toten
Gesellen in derselben Nacht heimlich im tiefen Keller unter seiner Werkstatt.
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Die schreckliche Zornestat hatte aus dem einst so fröhlichen Münzmeister
einen finsteren und verschlossenen Mann gemacht. In seiner Verzweiflung hängte
er sich kurz danach schließlich in seiner Werkstatt auf.
Heute noch, über 600 Jahre später, kann der Täter keine Ruhe finden. In
manchen Nächten soll man das Stöhnen und Rumoren des alten Münzmeisters in
der Gaststätte und sogar beim
Vorbeigehen an der alten Münze deutlich hören.
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