Gründung 1145
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1145 Gründung
des Klosters Speinshart

Auch wenn, anders als z.B. beim nahen ehemaligen Benediktinerkloster Michelfeld, eine Gründungsurkunde bisher nicht aufgetaucht ist, kann man doch davon ausgehen, dass das Kloster Speinshart 1145 entstanden ist. "Speinshart verdankt seine Entstehung dem Reichsgrafen Adelvolk von Reiffenberg. Er schenkte mit seiner Gemahlin Richenza und den Brüdern Reinhold und Eberhard seine Besitzungen um Speinshart 1145 dem Prämonstratenserorden, damit er dort Boden-, Geistes- und Seelenkultur betreibe. Die Stammburg der Reiffenberger stand bei Ebermannstadt gegenüber Kirchehrenbach. Diese Stammburg verschwand jedoch bereits im Mittelalter, heute steht an ihrer Stelle eine Nikolaus-Kapelle." (2, Seite 8)

Stifterbild
In der Vorhalle der 1692 bis 1698 durch Wolfgang Dientzenhofer erbauten und 1695 bis 1700 durch die Schweizer Brüder Carlo Domenico und Bartolomeo Lucchese aus dem Dorf Melide am Luganer See stuckierten und freskierten Speinsharter Klosterkirche wird durch ein  Deckenfresko, "Stifterbild" genannt, an die  Klostergründung und die beteiligten Stifter erinnert.

"Das Bild zeigt die auf den Wolken thronende Muttergottes mit dem Jesuskind, vor der in zwei Reihen hintereinander die Stifter knien. Im rechten Bildhintergrund Christus als eigentlicher Empfänger der Stiftung. Im linken Bildvordergrund ein Schildknappe mit einem Schimmel, an dessen Sattel ein Wappenschild befestigt ist. Der silberne gezinnte Turm in Rot gilt als Wappen der Stifter. Das Fresko umziehen in den umliegenden Gewölbekappen sechs von barocken Putti gehaltene Schriftbänder. Auf ihnen werden das Jahr der Klostergründer und die Namen der Stifter in Erinnerung gebracht: Anno do(min)i MCXLV: A prima fundatione hui(us) eclesie / D(ominu)s Adelvolch de Speinsh(art) fundator / huius loci Reihtzz uxor / Reinoldus et Eberhardus / fr(atre)s de Reiffenberch / + Su(s)cipe prole pia cum templo vota Maria. Von der ersten Gründung dieser Kirche im Jahr des Herrn 1145. Herr Adelvolc von Speinshart, Gründer dieses Ortes. Gemahlin Reihtza. Reinold und Eberhard, Brüder von Reifenberg. + Maria mit dem Kind, nimm die frommen Bitten in dieser Kirche an." (3, Seite 26, Foto Seite 127)
"Die Bedeutung dieses Stiftungsbildes für die Gründungsgeschichte von Speinshart hat schon Joseph Anton Zimmermann in der Mitte des 18. Jahrhunderts klar erkannt, da es nach den ihm zugänglichen Informationen auf einer wesentlich älteren Vorlage basierte und bereits im spätgotischen Vorgängerbau der ab 1692 von Wolfgang Dientzenhofer umgebauten ... Klosterkirche zu sehen gewesen und von dort abkopiert worden sei."
(10, Seite 11 f)
Caspar Bruschius, der aus Schlaggenwald im Egerland stammende Gelehrte und Geschichtsschreiber, berichtet in seiner 1551 erschienenen
Chronik der bedeutendsten Klöster Deutschlands ebenfalls vom Gründungsjahr 1145 und den oben genannten Stiftern.

Anfänge des Klosters Speinshart
Die dem Kloster bei der Gründung übergebenen Orte und Güter sind wegen der fehlenden Urkunde nicht genau bekannt. Es existiert jedoch ein von Papst Alexander III. im Jahre 1181 ausgestellter  Schutzbrief.

Alexander III. (1159-81)
war einer
der bedeutendsten Päpste
des Mittelalters.

In diesem Dokument von 1181 werden Seitenthal, Kirmsees, Altenreuth, das halbe Muckenreuth, drei Höfe in Reuth und Stegenthumbach, drei Höfe und eine Mühle in Kirchenthumbach, je ein Hof in Unterbibrach, Dobertshof, Burkhardsreuth, Scherreuth, Neuenreuth, Marquartsreuth und zwei Höfe in Wollau als zum Kloster Speinshart gehörig genannt. Mit insgesamt dreieinhalb Orten, sowie 14 Höfen in 11 Ortschaften und einer Mühle war die Ausstattung zunächst nicht besonders groß, wuchs jedoch in den folgenden Jahrhunderten vor allem durch zahlreiche Schenkungen, aber auch durch Ankauf von Grund und Boden auf einen durchaus beachtlichen Stand an.
"Besondere Gönner des Klosters waren außer Kaiser Friedrich, Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, Bischof Heinrich von Regensburg, die Landgrafen von Leuchtenberg, der Herzog Otto von Meran und seine Gemahlin Beatrix. Auch Kaiser Ludwig der Bayer gab seine besondere Huld dem Prämonstratenserkloster Speinshart."
(2, Seite 9 f)

Die Pröbste des Klosters

Die ersten 11 Mönche
kamen aus dem einige Jahre
vor Speinshart (1145)
entstandenen Kloster Wilten
(im Süden von Innsbruck)
hierher und übernahmen
das neu gegründete Kloster.

An ihrer Spitze stand Propst Grimo, der sich im Februar 1147 dem 2. Kreuzzug anschloss und einige Jahre später starb. In den folgenden rund 300 Jahren führten 28 weitere Pröpste den Speinsharter Konvent an.
Unter Propst Johannes (1260-79) erhielt das Kloster mehrere "Freiheiten"; so durfte es z.B. im nahen Tremmersdorf den Schneider, Schuster, Weber, Wagner und Bäcker stellen sowie einen Ausschank betreiben; über das Dorf Plössen bekam es das Vogteirecht.
In der Amtszeit von Propst Heinrich IV. Sakh (1386 (?)-96) erhielt Kloster Speinshart von König Wenzel (1378-1400) von Böhmen das Recht, Wein, Bier und andere Getränke herzustellen und auszuschenken.
Beim Kloster wurden deshalb ein Brauhaus und eine Wirtschaft errichtet. Die Mönche versuchten, den notwendigen Hopfen und Weintrauben selbst anzubauen; die Flurnamen Hopfenacker und Weinleite zeugen noch heute von diesem Vorhaben.

Der genannte böhmische König Wenzel
ließ der Überlieferung nach am 20. März 1393
den Johannes von Nepomuk
in Prag in der Moldau ertränken.
Wie an vielen Orten unserer Heimat
findet man auch in Speinshart
unweit des Klosters eine Sandsteinstatue
des beliebten Brückenheiligen Nepomuk.

Unter Propst Engelhart Wild ("der Wilde"; 1396-1406) entbrannte wegen der Brau- und Schankgerechtigkeit ein Streit mit der Stadt Eschenbach, der vom zuständigen bayerischen Landeshauptmann in einem für die Eschenbacher sehr demütigenden Richtspruch entschieden wurde: sechs Eschenbacher Ratsherrn mussten zum Kloster Speinshart reiten und vor Propst und Konvent Abbitte leisten, dazu hatten sieben Eschenbacher Bürger mit je einer einpfundigen Kerze in der Rechten zum Kloster zu ziehen und diese zur Sühne vor dem Marienaltar aufzustellen, und schließlich musste Eschenbach auch noch ein Fuder Wein im Kloster abliefern.
Der letzte Propst Georg Ochs (Taurus) von Gunzendorf wurde am 18. August 1457 gewählt; er soll sehr fromm und gelehrt gewesen sein. Sicher stammte er nicht aus dem Auerbacher Ortsteil Gunzendorf, sondern wohl aus der heute zum Markt Buttenheim gehörenden gleichnamigen Ortschaft.

Speinshart wird Abtei
Propst Georg reiste 1459 zum Generalkapitel der Prämonstratenser nach Saint Quentin in der Normandie.


Mit dieser Urkunde des Generalabtes Simon, gegeben zu Prémontré
am 11. Oktober 1459, wurde Speinshart zur Abtei erhoben.
(3, Seite 138)

"Seine erste Blüte erlebte das Kloster unter dem Propst Georg Ochs von Gunzendorf (1457-1503): das Kloster war im Mittelalter wie manches andere dem Landadel reserviert. Schon 1459 verlieh ihm das Generalkapitel in St. Quentin den Abtstitel - bei den Prämonstratensern führte wie bei den Augustinerchorherren der Klostervorstand den Titel Propst, nur bedeutendere Klöster wurden zu Abteien erhoben.

1460
überbrachte
der päpstliche Legat
Kardinal Bessarion
im Auftrag von Pius II.
das Recht der Pontifikalien
nach Speinshart.

Abt Georg wurde vom Orden als Visitator und Reformator der Prämonstratenser in Böhmen, Ungarn und Polen aufgestellt und machte sich als solcher besonders um das Stift Tepl verdient." (4, Seite 3; die alte böhmische Abtei sollte ein paar Jahrhunderte später eine wichtige Rolle für Speinshart spielen.)

Abt Georg Ochs von Gunzendorf
starb am 18. August 1503
und fand seine letzte Ruhestätte
in der Klosterkirche,
wo heute noch die Grabplatte
(Vorhalle der Klosterkirche)
zu sehen ist.
In den 44 Jahren seiner Abtszeit
- 46 sind es, wenn man
die Jahre als Propst
dazurechnet - hat er nicht nur
für sein Heimatkloster
Großes geleistet.

Der Nachfolger dieses großen Speinsharter Abtes, Hermann Ochs,  legte schon nach wenigen Jahren sein schweres Amt nieder. Neuer und damit der dritte Abt wurde Konrad I. von Wichsenstein (1506-1522), der u. a. zahlreiche Grundstücke für Speinshart erwarb. So spricht man noch heute vom "Abtwald". Vom eigentlich doch umfangreichen klösterlichen Vermögen - u.a. gehörten "65 Weyer und Weyerlein" (5, Seite 251) dazu - wurde, wie auch in anderen zeitgenössischen Klöstern durchaus üblich, ein Teil zumindest aufgespalten und an die einzelnen Chorherrn verteilt, so dass ein jeder über "sondere pauren und einkhommen" verfügte. (6, Seite 43)
Wie seine Vorgänger kam Abt Johannes I. von Egloffstein (1522-1539) ebenfalls aus dem Gebiet der Fränkischen Schweiz. Bei seiner Wahl bestand der Konvent aus 12 Kanonikern, die "wenigstens zum überwiegenden Teil ritterschaftlichen Geschlechtern entstammten".
(6, Seite 43) Abt Johannes war offensichtlich ein sehr gelehrter Mann, denn er trug den Titel "Magister Artium Philosophiae et Dekretorium Baccalaureus"; studiert hatte er in Leipzig, wo er durchaus auch dem berühmten Dr. Heinrich Stromer aus Auerbach hätte begegnen können. Dieser Abt soll sich um die Schlichtung eines Streits zwischen der Kurpfalz und Brandenburg verdient gemacht haben. (2, Seite 16)
In diesen Jahren begannen dunkle Wolken für das Kloster Speinshart herauf zu ziehen.

Aussehen des Klosters

Dieser Stich bei A. W. Ertl aus dem churbairischen Atlas, erschienen 1690, zeigt (wahrscheinlich!?) das Kloster Speinshart, wie es wohl in den Jahrhunderten zuvor ausgeschaut hatte.
Man beachte die Wörter  "wahrscheinlich" und "wohl" - vielleicht liegt ja eine Verwechslung vor, denn der folgende  Kupferstich des Kloster um 1670
(aus 16, Seite 64) zeigt ein ganz anderes Bild von Speinshart.

Vor wenigen Jahren gelangte ein inzwischen restauriertes Ölbild mit praktisch dem gleichen Motiv wie auf dem Kupferstich in den Besitz von Kloster Speinshart. Aus verschiedenen Gründen "ergibt sich eine Eingrenzung für die Entstehung des Ölbildes. Als frühestes Datum gilt 1669 ..., als letztes ... 1674." (16, Seite 67)
Derzeit noch laufende Ausgrabungen werden sicher Licht in das Dunkel dieser beiden fast zeitgleichen, aber doch so unterschiedlichen Abbildungen des Klosters Speinshart - und damit natürlich auch Aufschluss über seine Geschichte - bringen.

Literaturangaben

1 Schnelbögl, Dr. Fritz, Auerbach in der Oberpfalz
Herausgeber Stadt Auerbach, 1976
2 Motyka, Gustav, Kloster Speinshart
Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Knauf, 1968
3 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
4 Speinshart, Schnell Kunstführer Nr. 557, 1975
5 Benker, Gertrud, Heimat Oberpfalz, Pustet, Regensburg 1970
6 Dippold, Günter, Reformation und Klosteraufhebung
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
7 Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung durch die Abtei Steingaden
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
8 Kraus, Eberhard, Mit Orgelklang und Paukenschall: Musikkultur in Oberpfälzer Klöstern, Pustet, Regensburg 1980
9 Hager, Georg, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz & Regensburg, Band XI, Bezirksamt Eschenbach, München 1909
10

Segl, Peter, 850 Jahre Kloster Speinshart,
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

11

Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung des Prämonstratenserklosters Speinshart durch die Abtei Steingaden
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

12

Wolfring, Franz, Beiträge zur Geschichte Michelfelds, Teil 1
Michelfeld 1981, unveröffentlicht

13

Müller, Winfried, Die bayerische Klosteraufhebungspolitik in verfassungs- und sozialgeschichtlicher Perspektive am Beispiel der zweiten Säkularisation der Abtei Speinshart 1802/03
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

14

Bloeßner, Georg, Die Aufhebung des Klosters Speinshart
in Winkler, Karl, Oberpfälzisches Heimatbuch, Kallmünz 1950

15

Schuster, P. Benedikt O.Praem., Kloster Speinshart ab 1921
in 850 Jahre Prämonstratenserstift Speinshart,

16

Schuster, P. Benedikt O.Praem., Zur Ansicht von Kloster Speinshart um 1670
in Heimat Eschenbach 2003, Heft 26, erschienen 2004

Brahms, Johannes (1833-1897)
Ungarischer Tanz Nr. 5

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 8. November 2009

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