Säkularisation 1803
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Auf Lieblein folgten im Kloster Speinshart die Äbte

Eberhard Razer (1771-1778, resigniert)

Hermann-Joseph von Brodreis (1778-1788)

Guarinus Keiling (1789-1794)

Dominikus II. Wagner (1794-1803)

Sie waren wie ihre Vorgänger stets bemüht, ihre Abtei trotz allgemeiner wirtschaftlicher Probleme zu fördern und ihren Bestand zu sichern. So ließ z.B. Abt Eberhard 1773 den Bibliotheksaal errichten und künstlerisch ausgestalten.

Säkularisation 1803
"Da zogen gegen Ende des 18. Jahrhunderts Gewitterwolken am politischen Himmel auf und vernichtende Blitze trafen im Jahre 1803 alle bayerischen Klöster: Mit der Säkularisation wurden alle Klöster und Stifte enteignet, die Mönche vertrieben, das Leben in den geistlichen Häusern ausgelöscht."
(12, Seite 85f)
"Bei der Durchführung der Klostersäkularisation in Bayern sind bekanntlich zwei Phasen zu unterscheiden. In der ersten erfolgte im Frühjahr 1802 zunächst die Aufhebung der Bettelordensklöster. In der zweiten wurden - nachdem der Reichsdeputationshauptschluß vom 25. Februar 1803 die Landesherren zur Säkularisation der Klöster ... ermächtigt hatte - die Klöster der Prälatenorden (Benediktiner, Zisterzienser, Augustiner-Chorherren, Prämonstratenser) aufgehoben. Nachdem sie bereits im November 1802 unter landesherrliche Administration gestellt worden waren, erfolgte ihre Säkularisation ab dem März 1803."
(13, Seite 189)
"In Speinshart wurde die Aufhebung des Klosters am 25. April 1803 verkündet, am Markustage, wo die Prozession in Begleitung sämtlicher Religiosen (Anm.: Patres und Brüder des Klosters, zu dieser Zeit etwa 20 insgesamt) abgehalten wurde."
(14, Seite 610)

Dominikus II. Wagner war der bisher letzte Abt (1796-1803) von Speinshart. Er stammte aus Schwandorf. In seiner Amtszeit wurde der Konvent durch zahlreiche Neuaufnahmen stark verjüngt, so dass das Kloster eigentlich zuversichtlich in die Zukunft hätte sehen und gehen können, wenn nicht  staatliche Gesetze und Verordnungen anders bestimmt hätten. (Foto aus 3, Seite 157, Text nach 3, Seite 88)
Wagner zog nach der Auflösung der Abtei nach Schwandorf, wo er 1824 starb.

"Als die Prozession, die abwechselnd nach Tremmersdorf oder Bibrach ging, zurückkehrte, wurde sie vom landesherrlichen Kommissär in Empfang genommen, und vor dem Kirchenportale den Patres im Namen des Kurfürsten eröffnet, daß ihr Kloster aufgehoben sei. ... Eine Menge von Büchern, Bildern und Statuen wurde verbrannt oder um Bagatellpreise versteigert. Die große Frauenglocke, die wegen ihres lieblichen Klanges in der ganzen Gegend bekannt war, sollte ebenfalls versteigert werden. Umsonst boten die Klosterbewohner 600 fl, wenn man sie ihnen überließe. Wegen ihrer Größe konnte sie nicht vom Turme geschafft werden. Es blieb nichts übrig, als sie auf dem Turm zertrümmern zu lassen. Selbst mehr als zwölf Schläge waren nicht imstande, ihr einen Riß beizubringen; endlich mußte sie doch der Gewalt unterliegen. Die Trümmer wurden durch eine Öffnung des Turmes auf die Straße herabgeworden. Die Leute weinten beim Anblicke dieser herzergreifenden Szene." (14, Seite 610f) Das hier gesungene Klagelied über das unmögliche Verhalten der kurfürstlichen Beamten bei der Aufhebung des Klosters geht noch weiter so, und in den anderen betroffenen Klöstern wie Michelfeld oder Waldsassen klingt es nicht anders. Solche "Berichte" mögen vielleicht aus der Emotion heraus etwas überzeichnet sein; Tatsache bleibt aber, dass der Staat und einzelne Landesfürsten durch die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts kirchliches und vor allem klösterliches Eigentum an sich rissen und unwiederbringbare Kulturgüter für immer zerstörten bzw. es zuließen, dass solche zerstört wurden.
Insgesamt wurden durch die Versteigerung bzw. den Verkauf des Klostereigentums über 150.000 fl (Gulden) erzielt, ein für damalige Verhältnisse hoher Betrag und eine "Verkaufssumme ... ohne Zweifel größer als calculiert oder gemuthmaßt". (13, Seite 204) Gleichsam zur Belohnung für die geleistete Arbeit wurde "Der Auflösungskommissär Tretter ..., nachdem er seine Aufgabe vollzogen, Landrichter in Eschenbach."
(14, Seite 611)

Verfall der Gebäude
"Die Aufhebungskommissare hausten im Kloster ärger als die Schweden. Bewußt sollte ein 2. Wiedererstehen des Klosters unmöglich gemacht werden." (4, Seite 3)
"Zwar blieben Konvent- und Abteibau, nunmehr Verwaltungssitz des in Speinshart eingerichteten Rentamtes Eschenbach, außerdem Forstamt, Pfarr- und Lehrerwohnung als Gebäude weitgehend intakt."
(2, Seite 59) Wie gesagt "weitgehend intakt." Einige Jahre nach der Verlegung des Rentamt nach Eschenbach (1865) schrieb ein Zeitzeuge: "Es ist bedauerlich, daß manche ehedem so prächtig ausgestattete Räume leer stehen und aus Mangel an verfügbaren Mitteln ihrem allmählichen Verfall entgegengehen. Wehmut ergreift uns, wenn wir diese Räume, in denen einst die Söhne des heiligen Norbert so segensreich gewirkt, durchwandeln.“ (8, Seite 43)
Hierher passt auch ganz gut, was Abt Dominikus zu Kommissär Tretter bei der Verkündigung des Aufhebungsbeschlusses gesagt haben soll: "Als eine Wildnis empfingen wir dieses Land, als einen Garten geben wir es euch zurück." (14, Seite 610)

Die Mitglieder des Speinsharter Konvents, zuletzt über 20 Patres und Brüder, durften nur wenige persönliche Habseligkeiten behalten. Ihnen wurde freigestellt, zunächst in ihrem - fast total ausgeräumten - Kloster wohnen zu bleiben  und den Verschleuderungen und der Vernichtung ihres restlichen Eigentums tatenlos zusehen zu müssen,  oder ihre liebgewonnene Heimat zu verlassen. Die meisten zogen weg, mehrere fanden in der Pfarrseelsorge ein neues Betätigungsfeld, einige traten in den Laienstand zurück. Jedenfalls schien das endgültige Aus für die Abtei Speinshart gekommen zu sein.

Literaturangaben

1 Schnelbögl, Dr. Fritz, Auerbach in der Oberpfalz
Herausgeber Stadt Auerbach, 1976
2 Motyka, Gustav, Kloster Speinshart
Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Knauf, 1968
3 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
4 Speinshart, Schnell Kunstführer Nr. 557, 1975
5 Benker, Gertrud, Heimat Oberpfalz, Pustet, Regensburg 1970
6 Dippold, Günter, Reformation und Klosteraufhebung
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
7 Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung durch die Abtei Steingaden
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
8 Kraus, Eberhard, Mit Orgelklang und Paukenschall: Musikkultur in Oberpfälzer Klöstern, Pustet, Regensburg 1980
9 Hager, Georg, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz & Regensburg, Band XI, Bezirksamt Eschenbach, München 1909
10

Segl, Peter, 850 Jahre Kloster Speinshart,
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

11

Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung des Prämonstratenserklosters Speinshart durch die Abtei Steingaden
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

12

Wolfring, Franz, Beiträge zur Geschichte Michelfelds, Teil 1
Michelfeld 1981, unveröffentlicht

13

Müller, Winfried, Die bayerische Klosteraufhebungspolitik in verfassungs- und sozialgeschichtlicher Perspektive am Beispiel der zweiten Säkularisation der Abtei Speinshart 1802/03
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

14

Bloeßner, Georg, Die Aufhebung des Klosters Speinshart
in Winkler, Karl, Oberpfälzisches Heimatbuch, Kallmünz 1950

15

Schuster, P. Benedikt O.Praem., Kloster Speinshart ab 1921
in 850 Jahre Prämonstratenserstift Speinshart,

16

Schuster, P. Benedikt O.Praem., Zur Ansicht von Kloster Speinshart um 1670
in Heimat Eschenbach 2003, Heft 26, erschienen 2004

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 14.1.2006

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