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Kurz nach Ende des 1. Weltkrieges stieß durch Zufall
in New York ein amerikanischer Geistlicher auf die Schrift „Die Äbte des oberpfälzischen
Prämonstratenserklosters Speinshart nach der Kirchenspaltung bis zur Säkularisation
(1691-1803)“, die der aus dem nahen Burkhardsreuth stammende Geistliche Rat
Georg Bloeßer (siehe auch Quelle 14) 1904 verfasst hatte. Der Amerikaner
wendete sich an den Verfasser und bot sich an, das Kloster für eine
Ordensgemeinschaft zu erwerben.
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Dr. Michael Hartig (Foto aus 3, Seite 159)
aus München, der schon ein Jahr vorher den Barbaraberg erworben und zu
sanieren begonnen hatte, hörte davon und schlug vor, doch mal zuerst bei
den Prämonstratensern nachzufragen, ob sie nicht Interesse hätten.
"Das Kloster Tepl bei
Marienbad, an dessen Spitze der hochverdiente Prälat Dr. Gilbert Helmer
steht, erklärte sich dazu bereit. 1921 ging das Kloster nach längeren
Verhandlungen aus dem Besitz des bayerischen Staates durch Kauf an das Prämonstratenserstift
Tepl über. So wurde Speinshart die erste Niederlassung der Prämonstratenser
im deutschen Reich." (15,
Seite 91) |
So wie sich im 15./16. Jahrhundert der
erste Speinsharter Abt Georg Ochs von Gunzendorf (1459-1503) besonders um Stift
Tepl verdient gemacht hatte, revanchierte sich das alte böhmische Stift
(gegründet 1193) nun bei der Wiedererweckung des oberpfälzischen Klosters im
20. Jahrhundert. Die Patres Richard Totzauer und Augustin Hilburger aus dem
Egerland trafen am 1. Oktober 1921 in Speinshart ein, wurden dort herzlich
empfangen und begannen gleich mit ihrer Arbeit. Pater Justin Möhler kam am
Vortag des Kirchenpatriziniums (Maria unbefleckte Empfängnis,
8. Dezember) 1922 dazu.
Am 23. März 1923 wurde von Rom die Wiedererrichtungsbulle für das Kloster
Speinshart ausgestellt, und wenige Wochen später am 15. April die dazu geplante
Feier vor Ort abgehalten. Nach dem Pontifikalamt von Abt Dr. Gilbert Helmer aus
Tepl "folgte das erste Ordenskapitel im Oratorium, dessen Abtthron gerade
tagsvorher gefunden worden war, bei welchem an die drei bisher in Speinshart
wohnenden Patres die feierliche Frage betreffs des Übertritts nach Speinshart
gerichtet wurde, welche alle drei ... mit Ja beantworteten. Hierauf wurde Herr
Superior Richard zum Prior, P. Justin zum Novizenmeister und Küchenmeister, P.
Augustin zum Sakristan ernannt. Das neue Kloster war konstituiert!" (3,
Seite 102)
Ab 24. August des gleichen Jahres verstärkte P. Gereon Motyka den kleinen Konvent.
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Gereon Motyka
prägte
46 Jahre
das Kloster Speinshart.
Sein Leben in Kurzform:
geb. 1892 in Tirol
seit 1911 Prämonstratenser
(Chorherr Stift Tepl)
1916 Priesterweihe in Prag
1923 nach Speinshart
1945 Regierender Prior
Gemeinderat in Speinshart
Kreisrat im Landkreis Eschenbach
gest. 2. Juni 1969
(Würdigung) |
Die Höheren Oberen von
Speinshart seit 1921
"Seit der Wiedererrichtung der Abtei Speinshart 1923 setzt sich die Reihe
der Höheren Oberen fort. Sie tragen verschiedene Amtsbezeichnungen, je nachdem
auf welche Weise sie zu ihrem Amt gekommen sind. Werden sie vom Konvent
gewählt, nennt man sie entweder Regierende Prioren oder, wenn sie die Abtweihe
empfangen, Äbte. Letzteres ist in der jüngeren Geschichte von Speinshart nicht
mehr vorgekommen. Sind sie aber von der kirchlichen Autorität eingesetzt,
heißen sie Administratoren." (15, Seite 107)
| 1. |
Gilbert Helmer, Abt von Tepl
Administrator der Abtei Speinshart 1923-1944 |
| 2. |
Gereon Motyka
Regierender Prior der Abtei Speinshart 1944-1969 |
| 3. |
Hermann-Josef Wolf
Administrator der Abtei Speinshart 1969-1982
Regierender Prior der Abtei Speinshart 1982-1992 |
| 4. |
Rainer Rommens, Prior von Roggenburg
Administrator der Abtei Speinshart 1992-2000 |
| 5. |
Thomas Handgrätinger, seit 1994 Abt von Windberg, seit 2003 Generalabt in
Rom
Administrator der Abtei Speinshart 2000-2006 |
| 6. |
Hermann Josef Kugler, Abt von Windberg
Administrator der Abtei Speinshart ab 1. Dezember 2006 |
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Am 8. Januar 2007
führte Generalabt
Thomas
Handgrätinger (links)
seinen Nachfolger als Administrator
der Abtei
Speinshart,
Abt Hermann Josef Kugler,
in sein neues Amt ein. |
Im Kloster Speinshart lebten
bis vor kurzem nur die vier Patres Benedikt,
Emmanuel, Hermann-Josef und Wolfgang
(er war Anfang der sechziger Jahre kurz
vertretungsweise in der Pfarrei Auerbach; + 2009).
Zum 1. Juni 2007 kam Pater Andreas Hamberger aus Windberg als Provisor ins Kloster Speinshart.
P. Adrian Kugler und P.
Jonas Schreyer - beide aus Roggenburg - verstärken
derzeit die Klostergemeinschaft.
Einige der Patres sind hauptamtlich in der Seelsorge tätig: Pfarrei Speinshart und Pfarrei Schlammersdorf
(P. Adrian und P. Jonas),
Expositur Oberbibrach mit Vorbach und Münchsreuth (P. Emmanuel).
Im Herbst 2008 wurden Fr. Lukas und Fr.
Markus in das Noviziat aufgenommen. Fr.
Gereon begann sein Noviziat im September 2009.
a.jpg)
Der Konvent 2009 mit seinem Administrator
Abt Hermann Josef (Mitte, Foto)
Prior des kleinen Konvents ist Pater
Benedikt Schuster (hintere
Reihe, mit Bart), der, selbst ein
fleißiger und kompetenter Forscher in der Geschichte seines Klosters,
dankenswerterweise viel zu diesem Artikel beigesteuert hat. Zusammen mit seinen
Mitbrüdern setzt er sich kraftvoll für die weitere Sanierung
von Kloster Speinshart ein.

(Foto: Alois Laumer,
Weiden)

Verein der Freunde und Förderer
der
internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart e.V.
Am 15. Dezember 1979 wurde diese Vereinigung aus einem Gefühl der Verantwortung
gegenüber dem vom Verfall bedrohten Kloster Speinshart gegründet. Hauptaufgabe
des Vereins ist deshalb auch, mitzuhelfen, das Kloster zu sanieren und wieder
mit einem seiner jahrhundertelang währenden Tradition angemessenen Leben zu erfüllen.
Der langjährige Bundestagsabgeordnete Georg Girisch,
selbst ein Speinsharter und quasi im Schatten des Klosters aufgewachsen,
übernahm 1999 nach dem Gründungsvorsitzenden Prof. Dr. Max Kunz den Vorsitz
des Vereins.
Der Verein bereitet die Gründung einer Stiftung als Träger der Internationalen
Begegnungsstätte vor. Ebenso betreibt er die Planung und Errichtung der
Begegnungsstätte bis zur Stiftungsgründung. Die Förderung der
wissenschaftlichen und kulturellen Kontakte im nordostbayerischen Raum gehört
ebenfalls zu den wichtigen Aufgaben des Vereins. (Mitgliedschaft)
Mit der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart soll
Wissenschaftlern und Vertretern des kulturellen Lebens Freiraum für ihre Arbeit
geschaffen werden. Das traditionsreiche Prämonstratenserstift soll dabei als
Kristallisationskern für das geistige und kulturelle Leben im
nordostbayerischen Raum wirken.
Der Verein bietet ein
vielfältiges Programm von Konzerten bis hin zu Vorträgen. Ein kultureller Höhepunkt
ist der alljährlich am 2. Freitag im Juli stattfindende Speinsharttag.
(18. Juli 2008;
2009)

Einen guten Artikel
über das Kloster Speinshart mit dem Titel "Putten und Ranken, Säulen und
Nischen" findet man hier.

Literaturangaben
| 1 |
Schnelbögl, Dr. Fritz, Auerbach in der
Oberpfalz
Herausgeber Stadt Auerbach, 1976 |
| 2 |
Motyka, Gustav, Kloster Speinshart
Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Knauf, 1968 |
| 3 |
850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996 |
| 4 |
Speinshart, Schnell Kunstführer Nr. 557,
1975 |
| 5 |
Benker, Gertrud, Heimat Oberpfalz, Pustet,
Regensburg 1970 |
| 6 |
Dippold, Günter, Reformation und
Klosteraufhebung
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996 |
| 7 |
Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung durch die
Abtei Steingaden
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996 |
| 8 |
Kraus, Eberhard, Mit Orgelklang und
Paukenschall: Musikkultur in Oberpfälzer Klöstern, Pustet, Regensburg
1980 |
| 9 |
Hager, Georg, Die Kunstdenkmäler von
Oberpfalz & Regensburg, Band XI, Bezirksamt Eschenbach, München 1909 |
| 10 |
Segl, Peter, 850 Jahre Kloster Speinshart,
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995 |
| 11 |
Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung des
Prämonstratenserklosters Speinshart durch die
Abtei Steingaden,
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995
|
| 12 |
Wolfring,
Franz, Beiträge zur Geschichte Michelfelds, Teil 1
Michelfeld 1981, unveröffentlicht |
| 13 |
Müller,
Winfried, Die bayerische Klosteraufhebungspolitik in verfassungs- und
sozialgeschichtlicher Perspektive am Beispiel der zweiten Säkularisation
der Abtei Speinshart 1802/03,
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995
|
| 14 |
Bloeßner,
Georg, Die Aufhebung des Klosters Speinshart
in Winkler, Karl, Oberpfälzisches Heimatbuch, Kallmünz 1950 |
| 15 |
Schuster,
P. Benedikt O.Praem., Kloster Speinshart ab 1921
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996 |
| 16 |
Schuster, P. Benedikt O.Praem., Zur Ansicht
von Kloster Speinshart um 1670,
in Heimat Eschenbach 2003, Heft 26, erschienen 2004 |

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 5. November
2009

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