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Johann Sebastian Bach
(1685-1750)
Kantate Nr. 140 |
Halleluja! Lobet Gott in
seinem Heiligtum, lobet ihn in der Feste seiner Macht! Lobet ihn für seine
Taten, lobet ihn in seiner großen Herrlichkeit! Lobet ihn mit Posaunen, lobet
ihn mit Psalter und Harfen! Lobet ihn mit Pauken und Reigen, lobet ihn mit
Saiten und Pfeifen! Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden
Zimbeln! Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja! (Psalm 150)

Musik und Gesang
im Kloster Speinshart
Alle Klöster waren seit uralten Zeiten auch
Zentren der Musik, vor allem der Kirchenmusik. Ihren Ursprung und tiefsten Grund
hatte die musikalische Betätigung sicher in der Ausgestaltung der
Gottesdienste, besonders natürlich an Fest- und Feiertagen, und des gemeinsamen
Chorgebets des Konvents.
So werden auch bereits im 12. Jahrhundert die ersten Prämonstratenser in
Speinshart besonderen Wert auf Musik und Gesang gelegt haben; beides wird ja
auch gern als eine oder gar als "die" Hochform des Gebets angesehen.
Der bei der Säkularisation des Klosters 1803 doch recht rigorose Umgang mit Büchern und
Schriften wird sicher mit der Grund sein, warum in kirchenmusikalischer Sicht
aus den ersten Jahrhunderten des Stifts praktisch nichts mehr vorhanden ist.
"Die Akten wurden dem königlichen Rentamte Eschenbach übergeben und dann
fuderweise als Makulaturpapier an die Krämer verkauft. Die reiche Bibliothek
sollte nach Amberg geschafft werden. Die Bücher wurden ohne Plan, Ordnung und
Vorsicht auf Leiterwagen verladen. Was durchfiel, blieb liegen. Ja, es kam vor,
daß große Folianten von den Fuhrleuten zur Ausfüllung von Hohlwegen benützt
wurden. Da die Leiterwagen nicht ausreichten, so wurden die Bücher von den
Leuten der Umgebung auf Schubkarren geladen, weggeführt und zu häuslichem
Gebrauch bestimmt oder verbrannt." (1, Seite 611)
Wenn das auch nur in etwa so war wie hier wohl überzogen geschildert ...
Kirchenmusik in Barock und
Rokoko
So ist es nicht verwunderlich, dass wir von der
Musikpflege in Speinshart erst aus der Barockzeit Näheres wissen.
"Die Stukkateure und Maler des Barock und
Rokoko spielten gerne auf die
Worte des Psalmisten an, wenn es darum ging, die Gewölbe über dem Musikchor,
die Brüstungen der Musikemporen und die Gehäuse der Orgel selbst zu
schmücken. Sie verliehen damit nur dem Musik- und auch dem
Kirchemusikverständnis der Zeit sichtbaren Ausdruck, wie es mit am deutlichsten
und eindringlichsten in der Musikkultur der Klöster in Erscheinung tritt: zum
Lobe Gottes und zur Verherrlichung seiner Größe vereinigen sich Orgel, von
alters her das Instrument der Kirche und angenehm fürchterliches Trompeten- und
Paukengeräusch ...". (2, Seite 7)
"Es
ist die Zeit, da wir erstmals von dem Bestehen einer Schule in Speinshart hören,
in der die musikalische Ausbildung eine gewichtige Rolle spielt. Über Art und
Qualität des Musikunterrichts an dieser klösterlichen Schule können wir Rückschlüsse
ziehen aus einem Werk, das den Namen des oberpfälzischen Ortes sogar in das
1732 in Leipzig erschienene „Musicalische Lexicon“ des „Fürstl. Sächs.
Hof-Musico und Organisten an der Haupt-Pfarrkirche zu St. Petri und Pauli in
Weimar“, Johann Gottfried Walther brachte." (2, Seite 38) Darin heißt
es, dass ein „Spethen (Johann) von Speinshardt in der
Ober=Pfaltz gebürtig" als Domorganist von Augsburg 1693 eine Sammlung von
Klavierstücken veröffentlicht habe.
"Dieser Johann Speth war
das zweite von sieben Kindern des Lehrers von Speinshart Heinrich Speth und
seiner aus Eschenbach stammenden Gattin Margareta. Am 9. November 1664 geboren,
wurde er schon frühzeitig in die Schar der Sängerknaben des Klosters
aufgenommen. Dort erlernte er offensichtlich nicht nur das Orgelspiel, sondern
erfuhr auch eine gründliche kompositorische Schulung, die sich augenscheinlich
durchaus am neuesten Geschmack orientierte." (2,
Seite 38) Zur Erinnerung: Nach seiner Auflösung
1556/57 war das Kloster Speinshart erst wenige Jahre vor der Geburt Johann
Speths 1661 wieder hergestellt worden
und erlebte in den folgenden Jahrzehnten seine Blütezeit - sicher auch in
musikalischer Hinsicht. In dieser Zeit, genauer unter Abt Otto Pleißner
(1711-1734) wurde auch die oben abgebildete Orgel auf der Westempore errichtet.
Klostermusik
"Um 1780
berichtete der schwäbische Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart:
„Jedes Kloster in Bayern hat. … seinen eigenen Musikchor, wo oft herrliche,
im wahren Kirchenstil geschriebene Stücke zum Vorschein kommen.“ In der
zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stand das klösterliche Musikleben fast überall
in hoher Blüte. Schon seit Jahrhunderten waren die Prälatenklöster ...
Zentren der geistlichen Musik und der Musikerziehung gewesen. Auch das weltliche
Singen und Musizieren kam hier nicht zu kurz. Die Abteien und Stifte waren
wichtige Träger der Musikkultur auf dem Lande, sie hielten auch mit den Höfen
und Städten Kontakt, nicht zuletzt, um ihr Repertoire auf dem neuesten Stand zu
halten. Ihre Aufführungen waren für jedermann zugänglich, sie wirkten bildend
und anregend. ... Die zahlreichen Ordenskomponisten sahen ihr Wirken im
Zusammenhang mit den übrigen Künsten: Die Musik sollte das Lob Gottes verkünden
und zugleich die Gläubigen zur Andacht und zum Gebet bewegen." (5,
Seite 170)
Musizierende
Kanoniker
"So waren nun alle Voraussetzungen gegeben für
einen weiteren Aufschwung der Musikkultur des Klosters, der unter Abt Dominicus
von Lieblein (1734-1771) seinen Kulminationspunkt erreichte. ... Daß er aber über seine erfolgreichen
wirtschaftlichen Aktionen, seine Impulse zur wissenschaftlichen Übung und zur
theologisch-philosophischen Weiterbildung seiner Religiosen keineswegs die
Musikpflege vernachlässigte, das zeigt die Liste der musikausübenden Patres
ebenso wie die Karriere manch eines Klosterschülers. Da werden als Violinisten
die Patres Roger Witzgall aus Ekolsheim, Nepomuk Körner aus Vilseck, Hermann
Hafner aus Schwandorf und der nachmalige Abt Quaring Keiling aus Pottenstein
genannt, als Cellist der aus Fahrenried stammende Pater Odino von Werner und als
Kontrabassist P. Bernhard Pröls. Ausdrücklich als Sänger werden geführt die
Patres Florian Spanel aus Schnaittenbach und Heribert Krügeis aus Rötz. Gleich
drei Organisten sind verzeichnet: P. Adelrik Körner aus Vorbach, P. Berthold
Scheuermann aus Luhe und P. Josef Wild aus Stadt-Kemnath. Letzterer ist auch als
Komponist hervorgetreten und sein Singspiel „Ludus divinae Providentiae
Clodoaldus“ wurde 1722 sogar im Jesuitenseminar Amberg aufgeführt.
Der bedeutendste Musiker in Speinshart war aber Pater Augustin Klier. 1744 in
Weiden geboren, studierte er zusammen mit seinem Bruder Andreas im Seminar
Amberg und wurde 1763 als Chorherr in Speinshart installiert. Abt Dominicus
schickte ihn zur weiteren Ausbildung nach München und gab ihm nach seiner Rückkehr
die Ämter des inspectors der Schule und des regens chori des Klosters." (2,
Seite 42)
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Abt Dominikus I. von Lieblein (1734-1771)
war offensichtlich auch ein großer Förderer der Musik im Kloster
Speinshart.
(Bild aus 4, Seite 146) |
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"Für
seine (Anm.: P. Augustin Klier) Universalität zeugt eine nach der Säkularisation von ihm in München
geschriebene und veröffentlichte Geschichte der Kriegsgeschehnisse 1805-1809.
Unter den Schülern, die im 18. Jahrhundert ihre Ausbildung in Speinshart
erhielten, haben die drei Söhne des Lehrers Vogl von Fremersdorf (Anm.:
vielleicht Tremersdorf?) bei Speinshart
besondere Bedeutung erlangt: P. Christoph schrieb im Kloster Weingarten, P.
Benedikt im Kloster Ottobeuren Kirchenmusik im Stil der Zeit. Der jüngste aber,
Georg Vogl, kam noch als Knabe nach Freising, wurde Musiker am Münchener Hofe
und schrieb neben Kirchenmusik auch Opern, die sogar in Rom, Venedig und Neapel
aufgeführt wurden." (2, Seite 42)
Man kann sich so sehr gut vorstellen, dass sich vor allem
in den im 18. Jahrhundert geschaffenen Barock- und Rokokoräumen und -sälen der
Abtei ein reges musikalisches Leben abspielte. Doch das sollte sich bald
ändern.
Ende
durch die Säkularisation 1803?
Die Säkularisation
im Jahre 1803, die Aufhebung der Klöster und geistlichen Herrschaften und der
Einzug des Kirchenguts für weltliche Zwecke, stellte eine epochale Zäsur in
der deutschen Geschichte dar.
Die Auflösung der Abtei Speinshart im Zuge dieser Säkularisation
wurde dem Konvent am 25. April 1803 verkündet. Ähnliches passierte z.B. auch
dem Benediktinerkloster Ettal,
und dort kann man auch die Überlegungen und Beweggründe des Staates, sowie die
Vorgehensweise seiner Kommissäre nachlesen.
Auch das musikalische Leben innerhalb der Speinsharter Klostermauer erlosch mit
der Aufhebung der Abtei und dem Wegzug der Kanoniker.
Von dem einst sicher auch umfangreichen Bestand an Notenmaterial und allgemeiner
Musikliteratur blieb nicht viel erhalten. (3,
Seite 43f)
"Die
Säkularisation brachte das reiche klösterliche Musikleben abrupt zum
Erliegen." (5,
Seite 170)
1921:
Neues Leben kehrt ein
"Aber wiederum
konnte klösterliches Leben in das nördlichste Kloster der Oberpfalz zurückkehren:
Vom böhmischen Tepl aus, das schon in früheren Zeiten enge Verbindung mit
Speinshart hatte, wurde es 1921 wieder besiedelt, erhielt 1923 mit Abt Dr.
Gilbert Helmer von Tepl als Administrator die Rechte einer Abtei und wird seit
1945 unabhängig von einem eigenen Prälaten geleitet. Im herrlichen
Rokoko-Musiksaal, in dem in früherer Zeit schon der Statthalter Graf von
Holstein aus Amberg, die Herzogin von Württemberg, der Gesandte Graf von
Schulenburg und der Bayreuther Minister Graf Mirabeau mit von Klosterschülern
ausgeführten Musiken und Singspielen begrüßt wurden, finden heute wieder
Festlichkeiten statt, wie sie einer klösterlichen Gemeinschaft auch in unserer
Zeit zukommen. Wer aber noch einen direkten Nachhall aus längst vergangenen
Tagen vernehmen möchte, der gehe an den Spielschrank der Orgel der Abteikirche,
ziehe die einzelnen Register des Hauptwerks und des Pedals und lausche: Bei der
Restaurierung und Erweiterung des Instruments auf zwei Manuale und 24 Register
durch die Münchener Orgelbaufirma Guido Nenninger nach einem Entwurf von Rudolf
Quoika wurden alle noch vorhandenen 250 Jahre alten Pfeifen besonders liebevoll
betreut und zum Tönen gebracht. Ihr Klang wird sich schon nach kurzem Spiel mit
der Architektur und dem plastischen Schmuck des Kirchenraums vereinen zu einer
ergreifenden Apotheose klösterlichen Kunstverständnisses, wie es auch das
Oberpfälzer Praemonstratenserstift Speinshart durch die Geschichte begleitet
hat." (2, Seite 43f)

Literaturangaben
| 1 |
Bloeßner, Georg, Die Aufhebung des Klosters
Speinshart
in Winkler, Karl, Oberpfälzisches Heimatbuch, Laßleben Kallmünz 1950
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| 2 |
Kraus, Eberhard, Mit Orgelklang und
Paukenschall - Musikkultur in Oberpfälzer Klöstern, Pustet Regensburg,
1980
|
| 3 |
Wohnhaas, Theodor, Zur Kirchenmusik der
Praemonstratenserabtei Speinshart im 18. Jahrhundert, in Musik in Bayern,
Heft 12, Tutzing 1976
|
| 4 |
850
Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
|
| 5 |
Münster,
Robert, Klostermusik
in Glanz und Ende der alten Klöster, Katalog zur Ausstellung im Kloster
Benediktbeuren, München 1991 |
letzte Bearbeitung dieses Artikels am 26.3.2006

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