Aufhebung 1557
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"Reformation und Klosteraufhebung"
überschreibt G. Dippold dieses Kapitel der Speinsharter Geschichte. 
(6, Seite 43)
Bereits unter Abt Johannes gab es kaum Neueintritte, so dass der Konvent immer kleiner wurde. "Zum einen hatte die reformatorische Bewegung beim niederen Adel nicht wenige Anhänger gefunden; ferner war die wirtschaftliche Lage der Abtei um die Mitte des 16. Jahrhunderts ausgesprochen prekär. Wohl aus diesen Gründen ... vereinigte Abt Johann das Klostervermögen wieder, zuungunsten der einzelnen Chorherren, wodurch freilich Speinshart erst recht an Attraktivität für junge Adlige verloren haben dürfte."
(6, Seite 43)
Die Amtszeit des nächsten Abtes Johannes II. Gries (1539-1552) fiel voll in die Reformationszeit. Er "bewährte sich als mutvoller Streiter für den katholischen Glauben"
(2, Seite 16) und klagte schon bald nach seiner Wahl, dass in seinem Kloster "nit mehr dann vier briester" (6, Seite 43) seien.
Nun ging es Schlag auf Schlag: Abt Johann III. von Gleißenthal (1553-1580?) - sein Konvent umfasste noch zwei Chorherrn - wandte sich offensichtlich vom katholischen Glauben ab und heiratete 1556 sogar.
Durch den „Augsburger Religionsfrieden“ von 1555 („cuius regio, eius religio“) wurde dem jeweiligen Landesherrn das Recht eingeräumt zu bestimmen, welches Bekenntnis seine Untertanen  haben sollten.

Kurfürst Ottheinrich (1556-1559), von "gotts gnaden Pfalzgraue bey Rhein Des Hay Rhö. Reichs Ertztruchas vnd Churfurst, Hertzog in Nidern und Obern Bayern" (5, Seite 120), schaffte per Dekret vom 16. April 1556 den katholischen Glauben und Ritus in seinem Lande und damit auch in Speinshart und der ganzen Gegend ab.

Wenige Monate danach zogen Kommissionen durch das Land, um die Ausführung der kurfürstlichen Anordnung zu überprüfen. "In Speinshart fanden die Visitatoren Ende 1556 eine durchweg evangelisch geprägte Einrichtung vor, die mit einer Prämonstratenserabtei nur mehr den Namen gemeinsam hatte. Nicht nur im Kloster wirkte ein lutherischer Prediger, auch die beiden Konventualen - der Abt erachtete sie als "so gahr gelehrt nicht" und als "zum haußhalten gahr nicht tauglich" - hielten sich in den von ihnen betreuten Pfarreien "augspurgischer confession gemeß". (6, Seite 44)  
In der Kirchen- und Schulordnung des Ottheinrich von 1556 wurde  auch das Schulwesen neu geordnet und dazu sollten auch die Klöster mit herangezogen werden. Bereits bestehende Schulen wie die alten Lateinschulen wurden weitergeführt, die Lerninhalte allerdings erweitert. "Deutsche Schulen" wurden eingeführt. (Schulwesen) "Der Abt (Anm.: immer noch Johann III. von Gleißenthal) sagte zu, acht Knaben aufzunehmen, für sie einen Schulmeister anzustellen, zu besolden und zu beaufsichtigen; ferner solle sich der Prediger zwei Stunden pro Tag "in der schuel gebrauchen" lassen." (6, Seite 44) 
Die Zustände im Kloster Speinshart sind nun schon fast katastrophal zu nennen: dem Abt wurde zur Verwaltung ein Klosterrichter zur Seite gestellt; der amtierende Abt selber zog mit seiner Familie nach Amberg und kam nur mehr sporadisch ins Kloster Speinshart, wo als einziger Chorherr nur mehr Christoph Schenk von Siemau lebte, von dem es heißt, er "Sey zu nichtig andern dann zum fressen und saufen zu gebrauchen".
(6, Seite 44) Zwar kamen kurz darauf zwei junge Männer in den Konvent, die aber weder ein Gelübde abgelegt noch eine Weihe erhalten hatten.
"Die Aufhebung der Abtei Speinshart war - wie in den anderen oberpfälzischen Klöstern - kein einzelner Rechtsakt. Die Einführung der Reformation im Kloster und in den klösterlichen Pfarreien zu Beginn der 50er Jahre war ein erster Schritt, nach dem Speinshart als evangelisches Stift und Schule durchaus hätte weiterbestehen können, wie es etwa in der ansbachischen Zisterze (Anm.: anderer Name für Kloster der Zisterzienser) Heilsbronn geschah. GleißenthaI dürfte am Fortbestand des Klosters Speinshart interessiert gewesen sein, sonst hätte er wohl kaum zwei junge Männer als Konventualen aufgenommen. Zur landesherrlichen Reformation kam jedoch die 1556 eingeleitete, 1564 vollendete Überführung des Klosterbesitzes in staatliche Verwaltung, die eigentliche Säkularisation, die einen Erhalt verhinderte." (6, Seite 45) Kloster Speinshart hatte 1556 im eigentlichen Sinne aufgehört zu existieren, auch wenn sein letzter Abt erst 1580 starb. (Die Grabplatte von Abt Johann III. befindet sich in der evangelischen Kirche von Neustadt am Kulm.)
"Rund 400 Jahre hatte das Prämonstratenserkloster Speinshart bestanden, als es aufgelöst wurde. Die meisten Güter des Klosters gingen bei dieser Auflösung verlustig. Durch diese Aufhebung verlor die nördliche Oberpfalz einen wichtigen religiösen, kulturellen und wissenschaftlichen Mittelpunkt. An Stelle der Speinsharter Chorherrn predigten in Speinshart abwechselnd bald lutherische, bald kalvinische Prediger. Man kann sich vorstellen, daß dieser häufige Religionswechsel unter der Bevölkerung manche Verwirrung anrichtete."
(2, Seite 17)

Literaturangaben

1 Schnelbögl, Dr. Fritz, Auerbach in der Oberpfalz
Herausgeber Stadt Auerbach, 1976
2 Motyka, Gustav, Kloster Speinshart
Weidner Heimatkundliche Arbeiten, Knauf, 1968
3 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
4 Speinshart, Schnell Kunstführer Nr. 557, 1975
5 Benker, Gertrud, Heimat Oberpfalz, Pustet, Regensburg 1970
6 Dippold, Günter, Reformation und Klosteraufhebung
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
7 Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung durch die Abtei Steingaden
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996
8 Kraus, Eberhard, Mit Orgelklang und Paukenschall: Musikkultur in Oberpfälzer Klöstern, Pustet, Regensburg 1980
9 Hager, Georg, Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz & Regensburg, Band XI, Bezirksamt Eschenbach, München 1909
10

Segl, Peter, 850 Jahre Kloster Speinshart,
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

11

Schmid, Alois, Die Wiedererrichtung des Prämonstratenserklosters Speinshart durch die Abtei Steingaden
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

12

Wolfring, Franz, Beiträge zur Geschichte Michelfelds, Teil 1
Michelfeld 1981, unveröffentlicht

13

Müller, Winfried, Die bayerische Klosteraufhebungspolitik in verfassungs- und sozialgeschichtlicher Perspektive am Beispiel der zweiten Säkularisation der Abtei Speinshart 1802/03
in 850 Jahre Prämonstratenserabtei Speinshart, Pressath 1995

14

Bloeßner, Georg, Die Aufhebung des Klosters Speinshart
in Winkler, Karl, Oberpfälzisches Heimatbuch, Kallmünz 1950

15

Schuster, P. Benedikt O.Praem., Kloster Speinshart ab 1921
in 850 Jahre Prämonstratenserstift Speinshart
Ausstellungskatalog, Schnell und Steiner, Regensburg 1996

16

Schuster, P. Benedikt O.Praem., Zur Ansicht von Kloster Speinshart um 1670
in Heimat Eschenbach 2003, Heft 26, erschienen 2004

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 15.1.2006

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