1934-1939
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Das Geschehen auf dem Truppenübungsplatz
nach der Machtergreifung Hitlers
bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges

Mit dem Gesetz zur Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht vom 16. März 1935 wurde die Reichswehr in Wehrmacht umbenannt.

Anlässlich des Heldengedenktags*  1935
kommentierte General Ludendorff
die am Vortage erfolgte
Wiedereinführung der Wehrpflicht:
"Ich bin nun hoffnungsfreudig,
daß das Streben nach seelischer Geschlossenheit
des deutschen Volkes
auf der Grundlage von Rasseerbgut
und eigenem Gotterkennen
immer mehr Verstehen findet.
Solcher Geschlossenheit bedarf
die Wehrmacht als Rückhalt."
(Hitler nach dieser Rede, Quelle)

*Der Helfengedenktag hatte 1934 den seit 1922 bestehenden  Volkstrauertag abgelöst und war jeweils Mitte März. Seit 1948 gibt es in Deutschland den Volkstrauertag wieder, der nun am Ende des Kirchenjahres begangen wird.

Neuaufstellung von Einheiten
Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
ging es zunächst vor allem darum, den Truppenübungsplatz Grafenwöhr möglichst schnell zu modernisieren. So wurden z.B. die Telefonleitungen, die bisher frei hingen bzw. lagen, durch Erdkabel ersetzt.
Das bereits 1909-1915 errichtete Lager in Grafenwöhr wurde nunmehr Ostlager genannt; 1937-1939 wurde das Südlager Vilseck errichtet und 1938-1940 das Westlager Bernreuth.

Kommandant des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr war seit 1. April 1934 Oberstleutnant Hans Heberlein aus Nürnberg, der diese Position bis 1. Mai 1943 inne hatte, dessen letzter Dienstgrad ab 1941 Generalleutnant war, und der 1962 in seiner Heimatstadt starb.

Parallel zu den Baumaßnahmen wurden in Grafenwöhr einige Einheiten neu aufgestellt und hatten hier in den Truppenlagern eine Art "Zwischenstandort", bis ihre endgültigen Kasernen bezugsfertig waren. So war z.B. die II. Abteilung des Artillerie-Regiments 115 unter Major Walther ab 24. November 1938 hier.

Die jungen Männer - hier ein 21jähriger - wurden nun gemustert und bekamen ihren Musterungs-Ausweis ausgestellt.

„Von der Mitte des Jahres 1935 an nahm der Übungsbetrieb enorm zu auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr, wo sich die Truppen nunmehr während der Sommerperiode im 3-Wochen-Rhythmus abwechselten. 1937 war der Platz mit 73.000 Mann und 8.000 Pferden, 1939 sogar mit 103.000 Mann und 14.000 Pferden belegt.“ (1, Seite 72)

Durch § 11 des Wehrgesetzes vom 21. Mai 1935 wurde auch die frühere Landwehr wieder neu geschaffen. Planungen sahen vor, bis 1938 insgesamt 21 Landwehrdivisionen aufzustellen. Sie sollten sich aus Teilnehmern des 1. Weltkrieges (bis Jahrgang 1900) und hauptsächlich aus den aufgelösten Grenzschutzeinheiten im Osten des Reiches, welche ihre Funktion aufgrund der zunehmenden Stärke der Wehrmacht verloren hatten, zusammensetzen.
Die neu zu schaffenden Verbände umfassten somit größtenteils die Wehrpflichtigen im Alter zwischen 35 und 45 Jahren (Geburtsjahrgänge 1894–1904). Besonders in den Wintermonaten der Jahre bis 1938 wurden auf dem  Truppenübungsplatz Grafenwöhr Sonderkurse für diese Teilnehmer am 1. Weltkrieg, die für die neue Landwehr vorgesehen waren, abgehalten.

Ab 18. September 1939 wurde auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr die 98. Infanterie-Division unter Generalleutnant Erich Schröck zusammengestellt und mit tschechischer Ausrüstung  ausgestattet. Untergebracht waren diese Soldaten im Westlager Bernreuth und Südlager Vilseck.

Der „Grafenwöhrer Westwall“
Im Jahr 1936 wurde mit dem Bau des Westwalls begonnen, der sich praktisch von der Schweizer Grenze über Saarbrücken – Trier – Aachen bis zur niederländischen Grenze mit 22.000 Betonbunkern und Panzerwerken erstreckte.


Ein Überrest des 1945 von den Amerikanern
gesprengten "Grafenwöhrer Westwalls"

Hitler befahl im Zusammenhang damit 1938, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr einen verkleinerten Westwall zu errichten, wobei jeder Bunkertyp einmal maßstabsgerecht vorhanden sein sollte.

Am 24. Juni 1938 war Hitler in Grafenwöhr, um die Arbeiten am „Westwall“ zu inspizieren und Panzerübungen zu beobachten.

Aus dem 100.000-Mann-Heer der Weimarer Zeit war jetzt, 1939, eine Armee mit über 3 Millionen Soldaten (Heer 2,6 Millionen, Luftwaffe 400.000 und Marine 50.000) geworden. 1944 standen gar rund 9 Millionen Menschen unter Waffen.

Für August 1939 (21.-25) waren am „Grafenwöhrer Westwall“ große Übungen geplant, die vom Generalstabschef des deutschen Heeres geleitet werden sollten und an denen der Führer persönlich teilnehmen wollte. Doch die geplanten „Westwallübungen“ wurden kurzfristig abgesagt und fielen dem Ausbruch des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 zum Opfer.

Diese Tafel bei einem der gesprengten Bunkerreste erinnert an den
"Westwall" im Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

Sonderabteilung
"Im Jahr 1935 wurde nach Einführung der Wehrdisziplinarkammern und der Truppendienstgerichte für die in Bayern in Garnisonen befindlichen Truppenteile eine Sonderabteilung aufgestellt. Standort dieser Abteilung wurde Grafenwöhr, wo sie im Lager die Kaserne Nr. 77 und 77a zugewiesen bekam." (2, I Seite 197) In diese Abteilung  wurden Soldaten versetzt, die wegen einer disziplinären Verfehlung oder infolge eines Gerichtsbeschlusses aus ihrer Stammeinheit vorübergehend entfernt werden mussten. Erster Kommandeur der Sondereinheit wurde Major Panwitz, der im Russlandfeldzug* gefallen ist.
*(Er begann am 22. Juni 1941 mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion und endete am 8./9. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht.)

"Die zur Bewährung in dieser Abteilung eingewiesenen Soldaten mußten ein strenges Pensum an äußerem und innerem Dienst über sich ergehen lassen. Erst nach der Bewährung, nach einer strengen und eingehenden Beurteilung wurden sie wieder in ihren Stammtruppenteil zurückversetzt." (2, I Seite 197f)
Es war also eine Art "Strafeinheit" hier in Grafenwöhr.

verwendete Quellen

1 Müller, Gerhard, 1. Oberpfälzer Kultur- und Militärmuseum Grafenwöhr, Grafenwöhr 1990
2 Chronik der (ehemaligen) Standortverwaltung Grafenwöhr, mehrere Ordner, unveröffentlicht

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 15. November 2010

Einmal noch nach Bombay ...

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